Metal-CD-Review: THEOCRACY – Ghost Ship (2016)

theocracy-ghost-ship_500

Alben-Titel: Ghost Ship
Künstler / Band: Theocracy (mehr)
Veröffentlichungsdatum: 28. Oktober 2016
Land: USA
Stil / Genre: Progressive Power Metal
Label: Ulterium Records

Alben-Lineup:

Jonathan Hinds – Guitars
Matt Smith – Vocals, Guitars (additional), Keyboards
Jared Oldham – Bass
Val Allen Wood – Guitars (lead)

Track-Liste:

1. Paper Tiger (05:13)
2. Ghost Ship (04:39)
3. The Wonder of It All (06:38)
4. Wishing Well (05:01)
5. Around the World and Back (04:57)
6. Stir the Embers (04:07)
7. A Call to Arms (04:39)
8. Currency in a Bankrupt World (04:41)
9. Castaway (04:43)
10. Easter (09:53)

Ein Geisterschiff mit ganz und gar starker Besatzung.

Es hat lange gedauert, doch nun kann sie endlich zelebriert werden – die Rückkehr von THEOCRACY. Dabei waren und sind die US-Amerikanischen Power Metaller, deren letztes Album AS THE WORLD BLEEDS (Review) bereits gute 5 Jahre zurückliegt; seit jeher für zwei Eigenschaften bekannt. Zum einen gehören sie zu den eher seltenen Genre-Combos, die mehr oder weniger dezent christliche Inhalte in ihren Texten verbauen – und zum anderen zu jenen, die eigentlich ausschließlich enorm starkes Material abliefern. Dass das eine das andere nicht ausschließen muss, wollen die findigen Botschafter um Frontmann Matt Smith nun auch mit GHOST SHIP beweisen; ihrem mittlerweile vierten und in jedem Falle heiß erwarteten Studioalbum.

Dabei ist eines schnell festzustellen: wenngleich der Alben-Titel und das dazugehörige Artwork relativ düster anmuten mögen, sind THEOCRACY auch weiterhin darauf bedacht ein möglichst vielfältiges Wechselbad der Emotionen zu erzeugen. Und das spiegelt sich natürlich auch in den dezent progressiven, angenehm wandelbaren Songstrukturen wider. Die schroffen Gitarren und der allgemeine Druck bilden hier ein markantes Kontrastprogramm zu den im wahrsten Sinne des Wortes erhellenden Refrains und dem starken, glasklaren Leadgesang von Matt Smith. Diese Rezeptur mag nicht neu sein, doch scheint sie dieses Mal vielleicht sogar noch etwas wirksamer als auf dem Vorgänger. GHOST SHIP prescht schier unaufhaltsam voran – und zeigt auf, dass THEOCRACY nichts von ihrer Genialität und Schaffenskraft eingebüßt haben.

Das gilt vor allem für den grandiosen Alben-Auftakt, der mit dem guten Opener PAPER TIGER (schon hier geht das angesprochene Kontrastprogramm vollends auf), dem Titeltrack GHOST SHIP mit seinem gleichermaßen ungewöhnlichen wie packenden Refrain; sowie dem angenehm flotten und stellenweise auch mal deutlich kräftigeren THE WONDER OF IT ALL aufwartet. Die großartige Präsentation des Albums erledigt hierbei alles übrige – hinsichtlich der Abmischung und Produktion schöpfen THEOCRACY respektive die Sound-Verantwortlichen aus dem absoluten Vollen. Und das sogar so sehr, dass man geneigt ist von einem der am besten klingenden Genre-Alben des Jahres zu sprechen; zumindest was das handwerkliche Verständnis betrifft. Dass THEOCRACY aber noch weit mehr drauf haben als mit einem rundum zufriedenstellenden Sound inklusive Leadsänger Matt Smith in einer absoluten Bestform zu glänzen, ist bekannt – doch wartet GHOST SHIP so gesehen doch noch mit einer kleinen Überraschung auf.

Und die ist leider nicht mehr ganz so angenehm wie der starke Auftakt des Albums. Sicher gibt es keinen wirklichen Total-Ausfall, was bei einer Band wie THEOCRACY eigentlich kaum vorstellbar wäre – doch scheinen den Amerikanern zum Beginn der zweiten Alben-Hälfte des Albums die Ideen oder zumindest die Highlights auszugehen. WISHING WELL ist atmosphärisch aber auch etwas kraftlos, STIR THE EMBERS fällt durch den anfangs merkwürdig flüsternden und offenbar nachträglich bearbeiten Gesang sowie die etwas heftigen Tempowechsel auf. Am ärgsten hat es wohl aber das dezent auf modern getrimmte A CALL TO ARMS erwischt, das mit einem eher ungünstigen, abgehackten Riffing und einen noch ungünstigeren Refrain daherkommt. Und auch das vielversprechende CURRENCY IN A BANKRUPT WORLD kann nicht wirklich respektive durchgehend überzeugen – was leider auch für den typischerweise überlangen Rausschmeißer EASTER gilt. Der ist nicht nur kein Vergleich zum schier unglaublichen, ganze 22 Minuten langen Titeltrack von MIRROR OF SOULS – sondern auch davon abgesehen eine auffallend langatmige Angelegenheit.

Auf der Haben-Seite stehen wiederum das starke, emotional ansprechende AROUND THE WORLD AND BACK sowie das spät folgende CASTAWAY als flotteste Nummer des gesamten Albums. Hier werden Freunde von balladesken Stimmungen ebenso zufriedengestellt wie Fans von vergleichsweise einfach gestrickten, dafür aber umso zünftigeren Power Metal-Hymnen. Eines steht dank des mit gemischten Gefühlen zu betrachtenden Mittelteils aber unausweichlich fest: wirklich kultverdächtige Nummern mit mal mehr, mal weniger Religionsbezug wie einst etwa ABSOLUTION DAY oder BETHLEHEM vom großartigen A MIRROR OF SOULS (Review) hält GHOST SHIP leider nicht parat. Auch eine zeitlos-stampfende Hymne a’la ALTAR TO THE UNKNOWN GOD vom ebenfalls hervorragenden AS THE WORLD BLEEDS (Review) hätte GHOST SHIP sicher gut getan. Das alles mag nicht ausschlaggebend sein, zumal es sich noch immer um ein verdammt starkes Genre-Album und damit eine fast uneingeschränkte Kaufempfehlung handelt – doch sollte man sich eben auch nicht zu schade sein, hier ein wenig zu differenzieren.

Absolute Anspieltipps: PAPER TIGER, GHOST SHIP, AROUND THE WORLD AND BACK, CASTAWAY


70button

„Ein gutes Genre-Album, das nicht ganz an die Vorgänger heranreicht. Dennoch, bereuen wird man hier nichts.“

Zögert bitte nicht, einen Kommentar zu hinterlassen.

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s