Spieletest: HALF LIFE 2 (2004, PC)

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Originaltitel: Half Life 2
Veröffentlichungsdatum: 16. November 2004
Entwickler: Valve
Publisher: Vivendi Games
USK: Keine Jugendfreigabe
Genre: Ego-Shooter
Tags: Half Life, Gordon Freeman, Combine, City 17, Invasion, Kontrolle

Manchmal ist das Leben nur halb so lang, aber doppelt so intensiv.

Inhalt: Am Ende von HALF LIFE (1998) musste sich der Wissenschaftler Gordon Freeman entscheiden. Entweder, er würde dem sicheren Tod ins Auge sehen – oder aber als rechte Hand des sogenannten G-Man, einem ebenso mysteriösen wie offenbar allwissenden Anzugträger fungieren. Die letztendlich von Dr. Freeman getroffene Entscheidung ist spätestens jetzt kein Geheimnis mehr: in HALF LIFE 2 begibt sich der eigentlich eher unfreiwillige Held in eine streng bewachte Stadt, die von den Combine kontrolliert wird – außerirdischen Invasoren, die nach den vorangegangen Ereignissen ein leichtes Spiel hatten. Doch offenbar ist jene City 17 besser als nichts – denn was auf der Rest der Erde passiert, will man lieber gar nicht erst wissen. Glücklicherweise schafft es Freeman mithilfe eines alten bekannten, den Fängen der hiesigen Security zu entgehen – und begibt sich auf die Suche nach Dr. Kleiner. Der ist Mitglied einer Widerstandsgruppe gegen die Combine, die versucht dem Terror-Regime ein Ende zu bereiten.

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Es war einmal im Jahre 1998… als ein auf den ersten Blick unscheinbares PC-Spiel für Furore sorgte und die Geschichte des Gamings fortan maßgeblich beeinflusste und mitgestaltete. Das gleichermaßen zeitlose wie wegweisende Phänomenen HALF LIFE war geboren – und mit ihm die spannenden Geschichten um den Hauptprotagonisten Gordon Freeman, der sich als Wissenschaftler in Black Mesa auf so manche Entdeckungsreise begab. In Anbetracht der atmosphärischen Spielwelt inklusive einer packenden Story, schier perfekt spielbaren Scharmützeln gegen menschliche sowie außerirdische Widersacher, einer ansehnlichen Grafik und einer druckvollen Soundkulisse sowie einem packenden Finale war es demnach kein allzu großes Wunder, dass das Spiel fast ausschließlich Bestwertungen einfuhr – und die rasant wachsende Fangemeinde nachhaltig begeisterte. Doch wie man heute weiß, war die Erfolgsgeschichte des Spiels damit noch lange nicht zu Ende. Es folgten weitere Ableger wie etwa der mittlerweile ebenfalls legendäre Multiplayer-Shooter COUNTER STRIKE, und um dem Ganzen die Krone aufzusetzen wurde alsbald ein vollwertiger Nachfolger angekündigt. Nach einigen Startschwierigkeiten (wie etwa einem Code-Leak, Zeitdruck und diversen Streitigkeiten) war es Ende 2004 endlich soweit: HALF LIFE 2 erschien über die damals noch recht frische STEAM-Plattform, und fesselte vor allem Spieler des ersten Teils über einige intensive Stunden an den Bildschirm. Und tatsächlich: HALF LIFE 2 konnte viele der von den Spielern gehegten Erwartungen an einen möglichst würdigen Nachfolger erfüllen; ja wenn nicht gar übertrumpfen.

Ein legendärer Nachfolger zu einem legendären Spiel ?

Vergleicht man HALF LIFE 2 mit dem 6 Jahre älteren Vorgänger, so fällt eines direkt auf: die bessere Grafik, oder genauer gesagt die erstmalige Nutzung der sogenannten Source-Engine. Die erlaubt im Falle der neuen Abenteuer von Gordon Freeman nicht nur einem größeren Detailreichtum, besser aufgelöste Texturen, weitläufigere Aussenareale oder hübsche Waffeneffekte – vor allem die Charakterporträts profitieren von der neuen Engine, sodass sie auch in der Nahaufnahme vergleichsweise realistisch wirken und überdies mit einer so noch nicht umgesetzten Gestik und Mimik glänzen. Analog dazu wurde stark an der Physik des Spiels geschraubt, das es nun sogar erlaubt kleinere Minispiele (wie etwa das richtige Ausrichten von Plattformen mithilfe von Gewichten) zu absolvieren. Einige Wege sind so gar nicht erst passierbar – erst, wenn man sich die Umgebung zunutze macht und sich den ein oder anderen Gegenstand schnappt geht es weiter. Und das ist ein Kniff, der HALF LIFE 2 eine zusätzlich sinnvolle Ebene beschert. Denn auch wenn es mal etwas ruhiger zugeht und man mal nicht das Schießeisen zücken muss, ist man mit gut platzierten Rätseln beschäftigt – die sich perfekt in die Spielwelt einfügen und sie noch lebendiger erscheinen lassen.

Das Kernelement des Spiels ist nicht überraschend – aber hervorragend umgesetzt

Im Kern bleibt HALF LIFE 2 aber ein knackiger Shooter – wobei sich die Gefechte stets gut spielen und einstweilen sogar taktisches Vorgehen gefragt ist. Gerade im höchsten Schwierigkeitsgrad muss man einstweilen genau auf seinen Munitionsvorrat achten, sich erinnern ob man an der ein oder anderen Stelle noch ein Medipack liegen gelassen hat – oder es nicht sinnvoller wäre, die ein oder andere Gegnerschar lieber komplett zu umgehen. Im Kampf mit den Combine-Soldaten fällt insbesondere der stimmige Sprechfunk auf – die Gegner geben sich untereinander Informationen, die sich erstaunlicherweise auch nach den Aktionen des Spielers richten. Das sorgt für ein recht glaubwürdiges Gefühl, als Gordon Freeman tatsächlich im Fokus der Combine zu stehen. Doch natürlich gibt es nicht nur den einen Gegnertyp – auch alte bekannte wie etwa der Facehugger, die unscheinbar von der Decke hängenden Tentakelmonster oder andere beinahe undefinierbare Kreaturen aus der HALF LIFE-Welt sind mit von der Partie. Gerade in Ravenholm, einer alten und längst verlassenen Siedlung; ist die Flut an Krabbeltieren enorm – wobei auch größere dabei sein können. Wie etwa in den Momenten, in denen man hoch oben auf diversen Dächern balanciert – und sich besonders geschickte Kreaturen das Rohrsystem zunutze machen, um den Spieler hinterrücks (aber mit einem markanten Geräusch) zu erreichen. Und das ist nur einer der vielen Gänsehaut-Momente von und in HALF LIFE 2.

Als höchst interessant gestalten sich auch die Bosskämpfe, die vor allem gegen besonders hartnäckige Flugobjekte geführt werden müssen. Hier lohnt es sich, auf schweres Geschütz zurückzugreifen – wie die lasergeführte Panzerfaust. Doch natürlich lässt sich nicht unbedingt viel dazugehörige Munition mitnehmen, was mit den niemals leer werdenden Munitionskisten relativ gut gelöst wurde. Als besondere Schmankerl stellen sich dann die sogenannte Gravity-Gun sowie eine Art außerirdisches Ei heraus. Erstere wird gerade im späteren Spielverlauf (und in einer dezent an TRON erinnernden Spielpassage) zu einem ganz und gar entscheidenden Instrument, ist aber auch schon vorher für so manche Aktion gut – entweder um Rätsel zu lösen, oder aber um Gegner auch ohne das Verbrauchen von eigener Munition zu überwinden. Das außerirdische Ei kann dagegen fast schon als Gag betrachtet werden – doch fühlt es sich ebenfalls gut an, für einen kurzen Zeitraum Herr über eine gewaltige Schar an bissigen Riesenkäfern zu werden. Und damit jenen Kreaturen, die dem Spieler kurz vorher noch selber den Garaus machen wollten.

Für die nötige Abwechslung zwischen den Kämpfen sorgen dann die bereits erwähnten Minispiele (erwähnenswert ist hier sicher auch eine Sprungpassage, bei der man besser nicht auf den Sand kommen sollte), allerlei Charakter-intensive Zwischenmomente in denen man ein wenig über die Lage ein der Spielwelt aufgeklärt wird (und in denen man seinen Charakter noch immer frei steuern kann) – oder aber die ebenfalls spaßigen Fahrzeugpassagen. Gerade aufgrund eben jener Abwechslung vergeht die Spielzeit einstweilen wie im Flug. HALF LIFE 2 spielt sich flott und intensiv, alles andere als eintönig und lässt es so kaum zu, dass man als Spieler vor dem großen Finale nachlässig wird oder das Spiel gar komplett beiseite legt. Man will einfach wissen, wie die Geschichte ausgeht – und welche Einfälle die Verantwortlich noch gehabt haben.

Kritik ist erforderlich – aber auf einem hohem Niveau

Und dennoch ist HALF LIFE 2 kein perfektes Spiel. Und das liegt ausnahmsweise mal nicht am eigentlichen Spielinhalt, der in diesem Falle großartigen Mechanik, der KI oder einer verkomplizierten Bedienung. Nein, wenn überhaupt scheitert HALF LIFE 2 an seiner Inszenierung, oder so gesehen der Umsetzung seiner Story-Elemente. Dabei spielt es kaum eine Rolle, ob man den Vorgänger gespielt hat oder nicht – man wird so oder so relativ strikt im Regen stehen gelassen, wenn es um die Geschehnisse in der Spielwelt geht. Zwar konterten die Entwickler hier mit dem Argument, dass man als Spieler selbst in die Rolle der Hauptfigur Dr. Freeman schlüpfen und sich sein eigenes Bild machen sollte – doch ist eben das kaum möglich. Bis auf die etwas halbgaren und ohne Vorwissen ganz und gar verwirrenden Gespräche unter den Charakteren gibt es so gut wie nichts an Informationen zu holen – wer hier genau gegen wen kämpft, wer auf welcher Seite und warum, wie es überhaupt zur vorherrschenden Situation gekommen ist – all das hätte man dem Spieler durchaus etwas expliziter darlegen können. Das gilt natürlich auch für das Finale, denn was genau dort passiert und welche Folgen es hat – das erfährt man (noch) nicht. Glücklicherweise ist dies die einzige wirklich frappierende Schwäche des Spiels, bei dem es folglich eher gilt sich auf die Shooter-Elemente sowie die aus dem Design entstehende Atmosphäre zu konzentrieren.

Handlung und Präsentation
  • Grundsätzlich spannende Fortsetzung der HALF LIFE-Story
  • Glaubwürdige Nebencharaktere, perfider Bösewicht
  • Spieler und Spielfigur werden eins…
  • … doch gibt es gerade deshalb nur sehr wenige Informationen zum Geschehen in der Spielwelt
  • Teilweise wirre Enthüllungen und Story-Twists
  • Dezent enttäuschendes Finale

6.0/10

Grafik und Design
  • Detailreich und atmosphärisch ausgearbeitete Spielwelt
  • Hübsche Licht-, Wasser- und Waffeneffekte
  • Enorme optische Abwechslung
  • Grandioses NPC-Design inklusive guter Animationen
  • Außenareale wirken etwas zu karg
  • Sehr simple Menüs und Inventare
  • Letztendlich doch sehr lineares Leveldesign

8.0/10

Sound
  • Gut vertonte Figuren
  • Perfekte Umgebungsgeräusche
  • Passender, dezenter Soundtrack
  • Stimmige Funk-Ansagen der Gegner
  • Furchteinflössende Kreaturen-Sounds

10/10

Spielwelt, Umfang und Atmosphäre
  • Tolles Shooter-Gefühl
  • Unterhaltsame Mini-Puzzle
  • Einzigartige Gravity-Gun
  • Nutzbare Fahrzeuge
  • Angenehme Gegnervielfalt
  • Meist gute KI
  • Etwas karges Waffenarsenal (Granaten)
  • Kein wirkliches Gefühl des Fortschritts
  • Eher geringer Wiederspielwert

8.5/10

Bedienung, Balance, Bugs
  • Freies Speichersystem
  • Im hohen Schwierigkeitsgrad schön knackig
  • Schwierigkeitsgrad jederzeit änderbar
  • Intuitive, unkomplizierte Steuerung
  • Schnelle Ladezeiten
  • Feste Bindung an Steam
  • Eigene Squads unnötig: handeln unsinnig und sind kaum steuerbar

9.0/10

Ungefähre Spielzeit in Stunden: 25-30


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„HALF LIFE 2 ist kein perfektes Spiel, gerade aufgrund seiner dramaturgischen Schwächen – doch fällt es vergleichsweise leicht, hier von einem echten Klassiker und einer uneingeschränkten Empfehlung zu sprechen. Und das vermutlich auch noch in vielen Jahren.“

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