Metal-CD-Review: SONATA ARCTICA – The Ninth Hour (2016)

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Alben-Titel: The Ninth Hour
Künstler / Band: Sonata Arctica (mehr)
Veröffentlichungsdatum: 07. Oktober 2016
Land: Finnland
Stil / Genre: Melodic Power Metal
Label: Nuclear Blast

Alben-Lineup:

Elias Viljanen – Guitars
Henrik Klingenberg – Keyboards
Pasi Kauppinen – Bass
Tommy Portimo – Drums
Tony Kakko – Vocals

Track-Liste:

1. Closer to an Animal (05:25)
2. Life (05:06)
3. Fairytale (06:38)
4. We Are What We Are (05:25)
5. Till Death’s Done Us Apart (06:06)
6. Among the Shooting Stars (04:10)
7. Rise a Night (04:28)
8. Fly, Navigate, Communicate (04:27)
9. Candle Lawns (04:32)
10. White Pearl, Black Oceans (Part II: By the Grace of the Ocean) (10:13)
11. On the Faultline (Closure to an Animal) (05:34)

Die neunte Stund‘ hat doch sicherlich Gold im Mund.

Eines ist nach den kürzlich veröffentlichten Alben von IRON FIRE, ALMAH, VEONITY, FREEDOM CALL oder auch SYMPHONITY klar – die Spannung in Bezug auf neues Power Metal-Material reißt auch gegen Ende des Jahres 2016 nicht ab. Bevor es Ende diesen Monats mit einem weiteren potentiellen Highlight in Form der Rückkehr von THEOCRACY weitergeht, sind nun aber erst einmal die Finnen von SONATA ARCTICA am Zuge. Mit THE NINTH HOUR legen die Musiker um Frontmann Toni Kakko ihr mittlerweile zehntes Studioalbum vor, und setzen damit ihre außergewöhnliche Bandgeschichte fort. Eine, die trotz des unter Umständen legendären Status der Band aber nicht nur rosiges offenbart – sondern eine, die gerade in den letzten Jahren mit höchst gemischten Gefühlen zu betrachten war. So sorgte die Band, die einst mit Werken wie dem Debütalbum ECLIPTICA (Review), SILENCE (Review), WINTERHEART’S GUILD (Review) und RECKONING NIGHT (Review) Geschichte schrieb; zuletzt für ebenso ambivalente Reaktionen der Fans und Kritiker weltweit.

Mit ein Grund dafür könnte der stilistische Umbruch innerhalb der Band sein, der sich in etwa ab dem fünften Album UNIA (Review) abzeichnete. Anders gesagt: auch wenn SONATA ARCTICA eigentlich schon immer ein Händchen für Tiefgang und emotionale Momente bewiesen, wurde der Fokus ab dem fünften Album noch stärker auf eben jene Elemente gelegt. Und nicht nur das: während die Band den einst eingeschlagenen Weg eines eher klassischen und gradlinigen Power Metal mit einigen auflockernden Momenten langsam aber sicher zu verlassen schien, tobten sich SONATA ARCTICA plötzlich auch immer öfter in gänzlich anderen Genre-Gefilden aus. Diese Experimente stießen sicher nicht immer auf Anklang, markierten aber bisher noch keinen negativen Höhepunkt der Diskografie. Der folgte erst demnach auch nicht mit dem letztaktuellen Studioalbum PARIAH’S CHILD (Review), sondern vielmehr mit dem fraglichen Re-Release von ECLIPTICA (Review). Schließlich nahmen die Finnen für die sogenannte 15-Jahre-Edition ihres Debüt-Albums alle alten Titel erneut auf, und erzielten damit eine ganz und gar bedenkliche Wirkung. Die letzte Veröffentlichung aus dem Jahre 2015, die Single zu CHRISTMAS SPIRITS (Review) war dann ebenfalls alles andere als ein willkommener Weihnachtsgruß – leider.

Und nun kommt THE NINTH HOUR mit 10 neuen Titeln und einem Artwork daher, dass allemal Hoffnungen weckt. Hoffnungen, die sich wahlweise auf eine Rückkehr der Band zu ihrer alten Stärke; oder aber auf einen neuen aufregenden Abschnitt der Bandgeschichte beziehen. Aber: die ersten positiven Gefühle wären nicht lange, denn tatsächlich schafft THE NINTH HOUR weder das eine noch das andere. Vielmehr wirkt und klingt es wie eine Fortsetzung zu einigen neueren und bereits nur noch durchschnittlichen Alben wie STONES GROW HER NAME oder PARIAH’S CHILD. Nur – und das ist der Knackpunkt – dass THE NINTH HOUR noch mehr balladeske Stimmungen, poppig anmutende Strukturen und belanglos-prätentiöse Elemente vorsieht. Gerade der Ersteindruck des Albums fällt so alles andere als knackig oder erfrischend aus. Der Opener CLOSER TO AN ANIMAL und das folgende LIFE klingen wie aus einem (langatmigen) Guss, und gehören zweifelsohne nicht zu den nennenswerteren Titeln der Band. Doch auch das schon etwas spritzigere FAIRYTALE kann das Ruder nicht wirklich herumreißen.

Interessanterweise bleibt es aber nicht nur bei diesen, wenn man so will stilistischen Schwächen; über die man je nach eigener Vorliebe noch hinwegsehen könnte. SONATA ARCTICA scheinen überdies ganz allgemein in einem regelrechten kreativen Loch zu stecken, was man THE NINTH HOUR auch deutlich anhört. Es beginnt bereits mit der äußerst schwachbrüstigen Produktion und Präsentation des Albums, die nur noch sehr wenig mit einem wohlklingenden Power Metal-Album am Hut hat; zieht sich über die längst nicht mehr ganz so sicher und ausdrucksstark wirkende Gesangsdarbietung von Toni Kakko, und mündet in der Tatsache dass SONATA ARCTICA gar nicht erst versuchen mehr als THE NINTH HOUR zu machen. Auch wenn nicht ganz klar ist wie jenes mehr zu definieren wäre; wirkt die letztendliche, müde Abfolge von sich ähnelnden Titeln langatmig und spannungsarm. Der rege und wenn man so will zukleisternde Einsatz des Keyboards, die vergleichsweise schwach agierenden Gitarren, das Ausbleiben von guten Soli; die allgemeine Kitschigkeit, Harmlosigkeit und Eingängigkeit der ’neuen‘ SONATA ARCTICA geben in jedem Fall zu denken auf.

Anders gesagt: kein Titel vermag es, nachhaltig aus der Riege der 10 neuen Nummern hervorzustechen; und das weder im explizit positiven noch im explizit negativen Sinne. THE NINTH HOUR bewegt sich schließlich ganz allgemein irgendwo knapp unterhalb der Durchschnittslatte, und dümpelt über weite Strecken absolut unspektakulär vor sich her. Titel wie das öde WE ARE WHAT WE ARE oder das weinerliche AMONG THE SHOOTING STARS stehen dabei stellvertretend für die große, schier unendliche Langeweile des Albums – wobei es erst gegen Ende dezent besser oder zumindest unterhaltsamer wird. Immerhin versucht mit einem Titel wie RISE A NIGHT überhaupt mal etwas anders zu machen. Doch selbst bei einer überraschenden Uptempo-Nummer wie dieser scheitert vieles an der neuerlichen Wehleidigkeit von Toni Kakko und der suboptimalen Abmischung. FLY, NAVIGATE, COMMUNICATE wiederum hat gute Ansätze; während CANDLE LAWNS als unschuldig-poppige Ballade daherkommt – die nur noch wenig mit SONATA ARCTICA am Hut hat. Es mag spannend bleiben zu beobachten, was die Band in Zukunft noch bereithalten wird – wenn es aber etwas ähnliches ist wie die 15-Jahre-Edition zu ECLIPTICA oder THE NINTH HOUR, hilft es wohl nur noch dezent wegzuschauen.

Absolute Anspieltipps: FAIRYTALE, RISE A NIGHT, FLY-NAVIGATE-COMMUNICATE


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„Alles andere als ein Ohrenschmaus.“

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