Metal-CD-Review: ALMAH – E.V.O. (2016)

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Alben-Titel: E.V.O.
Künstler / Band: Almah (mehr)
Veröffentlichungsdatum: 23. September 2016
Land: Brasilien
Stil / Genre: Melodic Power Metal
Label: Test Your Metal Records

Alben-Lineup:

Edu Falaschi – Vocals, Keyboards
Marcelo Barbosa – Guitars
Raphael Dafras – Bass
Diogo Mafra – Guitars
Pedro Tinello – Drums

Track-Liste:

1. Age of Aquarius (07:13)
2. Speranza (04:55)
3. The Brotherhood (04:41)
4. Innocence (04:35)
5. Higher (05:09)
6. Infatuated (04:05)
7. Pleased to Meet You (04:24)
8. Final Warning (04:13)
9. Indigo (03:46)
10. Corporate War (04:19)
11. Capital Punishment (04:00)

Mach’s mir… goldig und gediegen.

2016 ist zweifelsohne ein höchst interessantes Metal-Jahr. Nicht ausschließlich, aber zu großen Teilen auch; da es sich um ein Jahr der Rückkehrer handelt. Neben vielen mittlerweile legendären Power Metal-Combos die nach einer mehr oder weniger langen Wartezeit endlich neue Alben veröffentlicht haben (RHAPSODY OF FIRE, SABATON, AVANTASIA, MOB RULES, IRON SAVIOR) konnten sich auch einige jener Bands profilieren, die man nicht unbedingt zwingend auf dem Schirm gehabt hat. Wie etwa die noch nicht allzu lange bestehenden TWILIGHT FORCE mit ihrem absichtlich etwas überkandidelten HEROES OF MIGHTY MAGIC (Review), ASTRALION mit ihrem guten Zweitwerk OUTLAW (Review) oder aber die Italiener von DERDIAN mit einer Best-Of-Zusammenstellung der etwas anderen Art (Review). Überraschenderweise melden sich nun auch die Brasilianer von ALMAH mit einem neuen Studioalbum zu Wort, die man zuletzt auf dem eher mäßigen UNFOLD (Review) hat belauschen können.

Dabei sind ALMAH nicht nur interessant, da sie aus Brasilien stammen und der hiesige Leadsänger Edu Falashi (Ex-ANGRA, Ex-SYMBOLS, Ex-MITRIUM, Ex-VENUS) problemlos zur Riege der vermutlich wichtigsten lokalen Genre-Spezialisten gezählt werden kann. Nein – auch die Tatsache, dass ALMAH stets als potentiell enorm hochkarätige; letztendlich aber eben doch markant polarisierende Genre-Combo auftrat macht die Sache zusätzlich spannend. Schließlich haben die Brasilianer neben dem eher unspektakulären Durchschnitt (das Debütalbum ALMAH, das letztaktuelle UNFOLD) auch schon einmal massive Höhenluft kosten können (FRAGILE EQUALITY) – und sich gleichzeitig auch einmal dem absoluten Bodensatz des Genres genähert (MOTION). Und so hat auch das neue Album E.V.O. theoretisch das Zeug dazu, explizit in die ein oder andere Richtung auszuschlagen. Oder wird es etwa doch nur eines der typischen, soliden; aber schlussendlich auch etwas langatmigen ALMAH-Alben ?

E.V.O. kommt mit 11 neuen Titeln daher, bei denen eines schnell festzustellen ist: die Stimmung und Atmosphäre, die das gleichermaßen goldige wie gediegen anmutende Cover-Artowrk vermittelt; findet sich in etwa auch innerhalb der musikalischen Kompositionen wieder. Dabei wagen und schaffen ALMAH einen ansprechenden Spagat zwischen fesselnd-kräftigen und eher getragenen, teilweise explizit balladesken Momenten – denen man einstweilen gar eine gewisse Radio-Tauglichkeit unterstellen könnte. Im Falle von E.V.O. ist das aber keinesfalls negativ zu verstehen – und das nicht nur, da die Metal-Elemente stets eine gute Figur machen und niemals in Bezug auf den Rest zurückstecken müssen. Im besten Fall stellt sich schließlich ein etwas eigentümliches und seltenes, dabei aber allemal wertvolles Gefühl ein: ALMAH könnten mit den auf E.V.O. dargebotenen Kompositionen als fehlendes Bindeglied fungieren. Als Bindeglied zwischen der Hörerschaft eines klassischen, kräftigen und melodischen Power Metal – und jenen Musikhörern, die sich weitestgehend doch eher dem Mainstream widmen.

Gerade diese könnten schnell einen Zugang zu den musikalischen Welten von E.V.O. erhalten – aber auch andere Metal-Fans sollten sich keinesfalls abschrecken lassen. Voraussetzung ist nur, dass man einer insgesamt eher balladesk angehauchten, gefühlvollen Seite des Genres nicht gänzlich abgeneigt ist. Nicht wirklich musikalisch, aber in Bezug auf die etablierte Atmosphäre vergleichbar ist hier etwa Tobias Sammet’s Metal-Projekt AVANTASIA – bei dem man ebenfalls nicht durchgängig aufs Gaspedal tritt und die ein oder andere Ballade zelebriert. Doch wenn man schon einmal bei einem Vergleich wie dem bereits anberaumten angelangt ist, gilt es in Bezug auf ALMAH’s E.V.O. leider auch eine nicht ganz so schöne Feststellung zu treffen: das Album klingt wirklich sehr konsequent, will heißen: markante stilistische Ausbrüche lassen sich überhaupt keine finden, und Elemente die auf die Herkunft der Band schließen lassen sind spärlich. Das mag zwar keine Seltenheit sein, etwas schade ist es dennoch. Erst Recht natürlich, wenn man an andere brasilianische Combos denkt – die ihr Land auch oder gerade mit einem etwas exotischeren Sound nach vorne gebracht haben (AQUARIA, ANGRA, TIERRA MYSTICA).

Und so hätte E.V.O. durchaus noch etwas mehr Vielfalt oder markante Kraftausbrüche vertragen können. In der vorliegenden Form aber schlicht sich dann doch etwas zu viel Gleichförmigkeit ein – zumindest in Bezug auf die Gesamtwirkung des Albums. Selbiges funktioniert demnach am besten, wenn man sich das beste aus den insgesamt 11 Titeln herauspickt. Tendenziell wird man so vor allem zu Beginn und in der Mitte des Albums fündig. Der mit einem angenehm atmosphärischen Intro-Part ausgestattete, durchaus kräftige Opener AGE OF AQUARIUS überzeugt demnach ebenso sehr wie das schon weitaus zartere SPERANZA oder das melodische THE BROTHERHOOD. INNOCENCE markiert dann zweifelsohne einen jener Momente, den man lieber mit einem knackig-gradlinigen Brecher hätte versehen sollen – eine ebenfalls sehr ruhige, minimal progressiv angehauchte Nummer eignet sich eben nicht wirklich für eine Verschnaufpause in Bezug auf die balladesken Strömungen. Mit HIGHER und INFATUATED folgen dann allerdings die vielleicht besten beiden Titel des Albums, die für vieles entschädigen. Hier stimmt dann plötzlich wieder alles – angefangen bei der ausgewogenen Mixtur aus Kraft und Emotionalität, über die genialen Refrains bis hin zur beeindruckenden Gesangsleistung von Edu Falaschi (der aktuell in einer Bestform zu sein scheint) stehen alle Zeichen auf grün.

Was dann noch folgt, ist ebenfalls nicht schlecht – kann den bereits gewonnenen Eindrücken aber auch nicht mehr viel hinzufügen. Es bleibt demnach bei einem soliden Auftakt, einem starken Mittelteil – und einem Finale das vielleicht noch etwas mehr Würze hätte vertragen können. Eben so wie das Album im gesamten, das dennoch klar über dem Durchschnitt einzuordnen ist. Die handwerklichen Leistungen der Mitglieder sind optimal, Edu Falaschi überzeugt wie selten zuvor, die Produktion ist rund und kräftig – lediglich in Bezug auf die Vielfalt, Abwechslung und Inhalte muss man etwas zurückstecken.

Absolute Anspieltipps: AGE OF AQUARIUS, HIGHER, INFATUATED


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„Ein gutes, von manchen sicher als etwas wehleidig bezeichnetes Genre-Album für besondere Stunden – und eines das aufzeigt, wie gut eine eher balladeske Seite des Power Metal klingen kann. Wenn man das Ganze richtig dosiert, versteht sich.“

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