Metal-CD-Review: IRON FIRE – Among The Dead (2016)

iron-fire-among-the-dead_500

Alben-Titel: Among The Dead
Künstler / Band: Iron Fire (mehr)
Veröffentlichungsdatum: 16. September 2016
Land: Dänemark
Stil / Genre: Power Metal
Label: Crime Records

Alben-Lineup:

Martin Steene – Vocals, Bass
Gunnar Olsen – Drums
Kirk Backarach – Guitars

Track-Liste:

1. Intro (The Lost City) (01:16)
2. Among the Dead (04:11)
3. Hammer of the Gods (03:53)
4. Tornado of Sickness (04:04)
5. Higher Ground (03:45)
6. Iron Eagle (03:44)
7. Made to Suffer (04:11)
8. The Last Survivor (03:29)
9. No Sign of Life (03:32)
10. Ghost from the Past (04:19)
11. When the Lights Go Out (04:26)
12. For Whom the Bell Tolls (Metallica cover) (05:00)

Auf den Spuren der wandelnden Toten.

Ja, auch die Schweden von IRON FIRE melden sich im Jahre 2016 mit einem neuen Album zurück. Im Gepäck haben sie ihr mittlerweile achtes Studiowerk, AMONG THE DEAD – ein Album, das trotz des mittlerweile etwas ausgelutschten Zombie-Themes allemal vielversprechend ist. Und eines, dass der Band hoffentlich den Anschluss an das sehr gute VOYAGE OF THE DAMNED (Review) aus dem Jahre 2012 ermöglicht. Und tatsächlich: sowohl der Alben-Titel, der bereits erahnen lässt dass es sich um ein inhaltliches und hoffentlich auch qualitatives Sequel handeln könnte; als auch das schmucke Cover-Artwork machen Lust direkt in den Welten von AMONG THE DEAD zu versinken. Erst Recht natürlich, wenn man sich die bis dato an den Tag gelegten Stärken der Dänen vor Augen führt – wie etwa den unverkennbaren Leadgesang von Martin Steene als letztem der noch verbleibenden Gründungsmitglieder der Band. So hat AMONG THE DEAD zumindest theoretisch das Zeug dazu, ein herausragendes IRON FIRE-Album zu werden – und vielleicht sogar eines der besten Genre-Alben des Jahres 2016.

Wie so oft aber zeigt sich, dass Theorie und Praxis nicht immer gänzlich miteinander vereinbar sind. Denn trotz aller Vorfreude und der Tatsache, dass man einer Band wie IRON FIRE schlicht vieles gönnt; drängt sich im Falle von AMONG THE DEAD relativ schnell ein Problem auf. Eines, dass ausnahmsweise mal nicht erst nach mehreren Durchläufen zu erkennen ist oder sich in kleineren Details äußert – sondern sich eher auf eine Grundfrage des allgemeinen IRON FIRE-Soundkonstruktes bezieht. Und damit auch einer Band, die eigentlich immer als eine der eher klassischen und gradlinigen Vertreter des Power Metal gezählt werden konnten – mit einem dezent sphärisch angehauchten, in jedem Falle mächtigen VOYAGE OF THE DAMNED als Backup. AMONG THE DEAD indes geht einen ganz anderen Weg, und kredenzt dem geneigten Genre-Hörer und IRON FIRE-Enthusiasten plötzlich einen auffällig trashigen Sound – seltsamerweise inklusive zahlreicher eher moderner Soundelemente und solchen, die man eher nicht im Genre des Power Metal verorten würde.

Jene modernen Einflüsse explizit zu benennen, fällt einstweilen nicht ganz leicht. Eben weil sie sich zumeist eher hintergründig durch bestimmte Titel ziehen; beispielsweise in Form eines bestimmten Zusammenspiels des Leadgesangs und der Riff-lastigen Instrumentierungen (HAMMER OF THE GODS). Der Leadgesang von Martin Steene spielt auf AMONG THE DEAD ohnehin eine zusätzlich gewichtige Rolle, zumal er sich nun weitaus öfter zu etwaigen Growls oder Shouts hinreißen lässt und nicht gerade konsequent agiert. Zwar wirkt seien Darbietung so vergleichsweise variabel und alles andere als eingefahren; doch einen wirklich stimmigen Eindruck kann er dieses Mal nicht hinterlassen. Wenn dann auch noch für IRON FIRE eher ungewöhnliche Gangshouts wie im späteren Verlauf des Albums hinzukommen (NO SIGN OF LIFE, im Refrain von THE LAST SURVIVOR), wird wohl auch verständlich was mit einem eher modernen Einfluss gemeint ist.

Auch die instrumentalen Kompositionen klingen bei weitem nicht so ausdrucksstark und ausgefeilt, wie man es von IRON FIRE hätte erwarten können – auch wenn es theoretisch angenehm ist, dass das auf VOYAGE OF THE DAMNED noch exzessiv genutzte Keyboard mal eine kleine Pause bekommt. Doch gerade das somit in den Vordergrund bugsierte Riffing und die ebenfalls recht präsenten Drums sehen beinahe keinerlei Variationen vor, und klingen über weite Strecken (das heißt, auch Titel-übergreifend) eher dumpf, austauschbar und überraschend unspektakulär. Die zwar relativ druckvolle, dabei aber dennoch merkwürdig klinisch wirkende Produktion unterstützt diesen Eindruck. Hinzu kommt, dass auch die Refrains von AMONG THE DEAD nicht gerade glänzen können oder nachhaltig im Gedächtnis bleiben. Ein paar mehr markante Fixpunkte oder Gründe, öfter zu bestimmten Titeln zurückzukehren; hätten die Schweden der Hörerschaft also ruhig bieten können. So aber verkommt AMONG THE DEAD über weite Strecken zu einem regelrechten Einheitsbrei, in dem man die einzelnen Titel-Grenzen kaum noch wahrnimmt.

Und das so lange, bis es zu einer der vermutlich schrecklichsten Nummern des Albums kommt – der quasi-Ballade WHEN THE LIGHTS GO OUT. Nicht nur, dass es sich um eine relativ Radio-taugliche Nummer handelt; die so gar nicht mit dem sonstigen Eindruck des Albums harmonieren wird – hier hört man erst Recht, dass es um den Leadgesang von Martin Steene aktuell nicht gerade gut bestellt zu sein scheint. Hätte Tobias Sammet eine Nummer wie diese gesungen, ginge das schon eher in Ordnung – doch in diesem Fall hätte man sie sich am besten gleich komplett schenken sollen. Und so kann das Album vor allem mit dem starken Opener und Titeltrack AMONG THE DEAD punkten, sowie mit dem vergleichsweise direkten HIGHER GROUND. Das METALLICA-Cover zu WHOM THE BELL TOLLS geht in Ordnung, ist aber eben auch nicht mehr als ein netter Bonus.

Schlussendlich: hätten sich IRON FIRE auch in Bezug auf ihr Songwriting und die Inszenierung der einzelnen Titel so vielschichtig und variabel gezeigt wie der hiesige Leadsänger Martin Steene in seiner Gesangsperformance; hätte eventuell etwas grundsolides herauskommen können. Wenn man die an den Tag gelegten modernen Soundeinflüsse einmal außen vor lässt, versteht sich. So aber gibt es auf der einen Seite deutlich zu viel Gleichförmigkeit, und auf der anderen zu wenig – auch wenn es sicher selten ist, dass man sich von einem Sänger mal etwas mehr Zurückhaltung wünscht. Doch kann man sich einfach nicht des Eindrucks erwehren, als müsste Martin Steene in irgendeiner Art und weise eingenordet werden – rein stimmlich, aber auch in Bezug auf die Kontrolle seiner Gesangskraft. AMONG THE DEAD mag kein vollständig zu vernachlässigendes Genre-Release sein – aber eben auch keines, welches eine realistische Chance auf den Genre-Thron 2016 hat. Die WINGS OF DESTINY beispielsweise lieferten mit ihrem ebenfalls in diesem Jahr erschienenen KINGS OF TERROR (Review) ein in etwa mit AMONG THE DEAD vergleichbares Album ab – hinterließen aber einen wesentlich markanteren und nachhaltigeren Eindruck.

Absolute Anspieltipps: AMONG THE DEAD, HIGHER GROUND


50button

„Ein regelrechter Reinfall in vielerlei Hinsicht, gerade für IRON FIRE.“

Zögert bitte nicht, einen Kommentar zu hinterlassen.

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s