Metal-CD-Review: ALESTORM – Captain Morgan’s Revenge (2008)

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Alben-Titel: Captain Morgan’s Revenge
Künstler / Band: Alestorm (mehr)
Veröffentlichungsdatum: 25. Januar 2008
Land: Schottland
Stil / Genre: Power Metal
Label: Napalm Records

Alben-Lineup:

Gavin Harper – Guitars, Drums (additional)
Dani Evans – Bass
Christopher Bowes – Vocals, Keyboards
Ian Wilson – Percussion

Track-Liste:

1. Over the Seas (03:55)
2. Captain Morgan’s Revenge (06:42)
3. The Huntmaster (04:59)
4. Nancy the Tavern Wench (04:52)
5. Death Before the Mast (03:17)
6. Terror on the High Seas (03:51)
7. Set Sail and Conquer (04:38)
8. Of Treasure (02:58)
9. Wenches & Mead (03:42)
10. Flower of Scotland (The Corries cover) (02:37)

Die Geburtsstunde des True Scottish Pirate Metal.

Denkt man an die Jahre 2007 und 2008 zurück, so steht eines mit Sicherheit fest: es waren gute Jahre für ein scheinbar gänzlich neues Subgenre des Metal. Dabei existierte der sogenannte und hier gemeinte Pirate Metal schon zuvor – doch konnten zumindest in Fankreisen etablierte Bands wie BATTLEHEART noch keine größere Aufmerksamkeit erhaschen. Zumindest bis dato – und bis aus eben jenen raubeinigen Recken von BATTLEHEART plötzlich die ebenso wilden Freibeuter ALESTORM wurden. In der Tat bewiesen die Verantwortlichen von Nuclear Blast ein glückliches Händchen bei ihrer Entscheidung, die Schotten ab 2007 entsprechend zu pushen. Schließlich erkämpfen sich ALESTORM bald darauf eine klare Ausnahme-Position – und dass nicht nur innerhalb der Grenzen ihres ursprünglichen Genres.

Das erste auch heute noch gerne hervorgeholte Anschauungsbeispiel dafür horcht auf den Namen CAPTAIN MORGAN’S REVENGE, stammt aus dem Jahre 2008 – und beinhaltet 10 Titel einer so vielleicht noch nicht dagewesenen Symbiose aus feuchtfröhlich-schunkelnden Piraten-Rhythmen und einem rassigen schwermetallischen Kern. Gleichzeitig handelt es sich um eine Mischung, mit der man sich erst anfreunden muss – und eine, die auch nach den ersten verdauten Bissen nicht jedermann zusagen wird. Anders gesagt: gerade in Bezug auf das Bild, welches ALESTORM von sich selbst vermitteln; gehen die Meinungen auseinander – und das wohl zu Recht. Schwieriger wird es indes, auch in Bezug auf das an den Tag gelegte musikalische Handwerk nach Fehlern zu suchen – denn viel wird man hier nicht finden. Man hört den Mitgliedern von ALESTORM schließlich klar an, dass sie einiges an Erfahrung mitbringen – was sich sowohl im großen Ganzen, als auch in Bezug auf viele kleine Details im üppig inszenierten Soundgewand von CAPTAIN MORGAN’S REVENGE bemerkbar macht.

Allemal positiv hervorzuheben ist beispielsweise; dass die Gitarren nicht nur gut gespielt, sondern auch relativ vordergründig im Mix agieren – und so für die nötige Härte in den einstweilen enorm verspielten Kompositionen sorgen. Stichwort verspielt: nicht nur das Keyboard spielt bei ALESTORM eine große Rolle, sondern auch weitere von den Mitgliedern tatsächlich gespielte Instrumente – wie etwa die berühmt-berüchtige Tin Whistle, ein Tamburin oder eine Maultrommel. Gerade das sorgt dann auch für den speziellen, man nenne ihn einmal platt Piratensound – welcher das vielleicht wichtigste Alleinstellungsmerkmal von ALESTORM bildet. Anders gesagt: selbst wenn auch noch einige andre Bands ähnliche Stilmittel verwenden, sind ALESTORM mit CAPTAIN MORGAN’S REVENGE klar zu der vielleicht wichtigsten Galionsfigur des Pirate Metal geworden.

Dennoch bleibt es nicht aus, dass das Album trotz allem einen dezent faden Beigeschmack mitbringt. Und der liegt vornehmlich in der enorm konsequenten Marschrichtung der Band begründet, die sich kaum einen stilistischen Ausbruch gönnt – und in so gut wie allen Nummern einen gleichermaßen raubeinigen wie hymnisch angelegten Power Metal mit besten Party-Tauglichkeiten zelebriert. Wenn es mal etwas langsamer (NANCY THE TAVERN WENCH) oder aber deutlich durchtriebener (TERROR ON THE HIGH SEAS) zugeht, dann ist das schon das höchste der Gefühle. Wobei, das ausnahmsweise mal ohne Metal-Elemente auskommende OF TREASURE sollte hier auch noch eine Erwähnung finden – die besungenen Inhalte bleiben aber natürlich stets dieselben. So kann es einstweilen schwerfallen, die Nummern überhaupt zu unterscheiden – besonders natürlich dann, wenn man noch nicht wirklich mit dem Album warm geworden ist.

Lieben oder hassen wird man wohl auch die relativ gleichbleibende und auf Dauer etwas anstrengende Leistung von Leadsänger Christopher Bowes – der sich in Bezug auf seine Stimmlage, Aussprache und Akzentuierung perfekt auf das ALESTORM-Projekt angepasst hat. Passend hierzu fallen auch die Chöre, oder eher schunkelnden Männergesänge aus – auch wenn man gerade das THE CORRIES-Cover zu FLOWER OF SCOTLAND nicht einmal im völlig betrunkenen Zustand für gut befinden kann. Immerhin, handwerklich kann man den lust’gen Seefahrern nichts vorwerfen – und auch mit der Produktion des Albums hat man es gut getroffen. Kurzum: das Album macht einen Heidenspaß, hat aber auch das Potential sich vergleichsweise schnell abzunutzen. Eine Chance geben sollte man einem Album wie diesem aber allemal.

Absolute Anspieltipps: CAPTAIN MORGAN’S REVENGE, NANCY THE TAVERN WENCH, SET SAIL AND CONQUER, WENCHES & MEAD


75button

„Johoo, und ’ne Buddel voll Rum – eine große.“

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