Filmkritik: „Gefangen Im Paradies“ (2016)

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Originaltitel: Gefangen im Paradies
Regie: Felix Herzogenrath
Mit: Anna Loos, Bernhard Piesk, Mika Nilson Seidel u.a.
Land: Deutschland
Laufzeit: unbekannt
FSK: unbekannt
Genre: Drama
Tags: Urlaub | Reisen | Insel | Tropen | Terror | Geiselnahme

Ein Urlaub auf der Insel, der ist lustig ?

Kurzinhalt: Eigentlich sind Anna (Anna Loos), ihr Sohn Max (Mika Seidel) sowie Freund Philipp (Bernhard Piesk) auf eine abgelegene tropische Insel gereist, um mal wieder richtig auszuspannen. Doch alsbald geschieht das gleichermaßen unerwartete wie schreckliche: eine Gruppe von einheimischen Freibeutern stürmt auf die Insel und nimmt jeden gefangen, der ihnen in die Quere kommt. Nur Anna und Philipp schaffen es mit Glück, nicht in der Gewalt der Piraten zu landen – woraufhin sie sich gemeinsam in einer Höhle verstecken. Hier sinnieren sie über einen möglichen Ausweg aus der brenzligen Situation – und machen sich bald darauf auf, einen möglichen Hilferuf abzusetzen. Doch wie nur könnten sie Max und die anderen rechtzeitig befreien, ohne dass jemand zu Schaden kommt ? Doch dafür müssten sie zunächst erst einmal eines schaffen: weiterhin unentdeckt zu bleiben…

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Kritik: Achtung, Spoiler ! GEFANGEN IM PARADIES ist ein deutscher Spielfilm des Regisseurs Felix Herzogenrath, der im Auftrag von SAT. 1 produziert und am 06. September 2016 erstmals ausgestrahlt wurde. Wie bei vielen Eigenproduktionen der privaten Sendeanstalten handelt es sich um einen Film mit einem vergleichsweise geringen Budget, sowie einem möglichst markanten Bezug zum aktuellen Tagesgeschehen – wobei es allerdings weniger um für die Beteiligten möglicherweise wichtige Statements, als vielmehr um höhere Einschaltquoten geht. In diesem Fall wird auch nicht lange ein Geheimnis daraus gemacht, womit die Zuschauer vor die Mattscheibe gelockt werden sollen: GEFANGEN IM PARADIES spielt mit dem Begriff der Angst, und passt so gesehen recht gut in die aktuelle Situation des weltweiten Terrors. Der macht schließlich auch nicht vor Erholung suchenden Urlaubern Halt, die sich aus halbwegs sicheren Gefilden aufmachen um mal etwas ganz anderes zu sehen – um dann im schlimmsten Fall entführt oder gar getötet zu werden. Eben das passiert auch den Protagonisten von GEFANGEN IM PARADIES, die dank ihres Wohlstandes ein nicht unbedingt alltägliches Urlaubsziel wählen – und die trotz oder gerade wegen der offensichtlichen Abgeschiedenheit in Kontakt mit einigen eher unliebsamen Einheimischen kommen.

Doch bei aller Liebe zur allgemeinen Präsenz der Massenmedien und den vielen unterschwelligen Botschaften in den Berichterstattungen seitens der privaten oder auch öffentlichen Fernsehsender – ein Film wie GEFANGEN IM PARADIES muss sich auch ganz unabhängig von der aktuellen politischen Weltlage profilieren können. Als Film oder auch private TV-Produktion an sich, bei denen man schon einmal etwas niedrigere Maßstäbe ansetzen kann oder muss als bei anderen Produktionen – sowie ganz generell als Format, bei dem die Unterhaltung eine wesentlich größere Rolle spielt als potentielle Hintergedanken. Wie der Film diesbezüglich abschneidet, ist indes keine allzu große Überraschung: GEFANGEN IM PARADIES ist weder ein Highlight geworden, welches markant aus der Masse an TV-Produktionen hervorstechen könnte – noch ein komplett unterirdisches, im absoluten Schnellschussverfahren realisiertes Machwerk. Demnach sieht man durchaus, dass die Filmcrew darauf bedacht war möglichst viel aus dem tropischen Schauplatz herauszuholen. Und tatsächlich: nicht nur, dass der Inselschauplatz gut in Szene gesetzt wurde; er wurde sogar aktiv in die Geschichte eingebaut.

Hinzu kommt eine theoretisch starke Besetzung, hauptsächlich vertreten von Anna Loos, Bernhard Piesk und Mika Nilson Seidel – sowie vielen anderen in Nebenrollen, womit vor allem die Bande der gesetzlosen Piraten inklusive des noch anzulernenden Nachwuchses gemeint ist. Gerade jene Entführer und Lösegeld-Erpresser wurden dabei recht gut getroffen, respektive glaubwürdig in Szene gesetzt – wenn auch nur oberflächlich. Die Optik und das Gebaren der Bösewichte wirken beispielsweise stimmig, ebenso wie die Entscheidung sie beizeiten in einer fremden Sprache (ohne die Zuschaltung von Untertiteln) sprechen zu lassen – während die gleich mehrmals auftauchenden Erklärungen und Rechtfertigungen schon wieder ein wenig zu viel des guten sind. Schließlich leidet darunter vor allem eines: die Glaubwürdigkeit des Films. Und gerade dabei handelt es sich um ein Problem, welches noch viel gravierendere Züge annehmen soll – was schon mit dem für eine TV-Produktion gewissermaßen symptomatischen Overacting der eigentlichen Hauptdarsteller beginnt. So mag sich Anna Loos in ihrer Hauptrolle zwar immer wieder selbst überwindend und kämpferisch geben – was jedoch nichts an ihrer relativen Steifheit ihres Figurenporträts ändert, welches man ihr einfach nicht vollständig abnimmt.

Am schwerwiegendsten aber trifft GEFANGEN IM PARADIES ohnehin etwas anderes – und das sind einige der offenbar bewussten Entscheidungen der verantwortlichen Filmemacher. Sicher, vielleicht kann man nicht allzu viel von einer TV-Produktion wie dieser erwarten. Der Einsatz von besonderen Stilmitteln, markante Story-Twists oder gar Wagnisse wie ein offenes Ende oder nicht-gutes Ende beispielsweise gehören eher nicht zum Repertoire der privaten Produktionen. Doch dass selbst eine eigentlich grundsätzliche Logik teils völlig über den Haufen geworfen wird, ist durchaus etwas merkwürdig. Fragliche, dies betreffende Szenen gibt es zuhauf – wie etwa den Moment, in dem die Schiffe der späteren Geiselnehmer erstmals auf den Strand zusteuern und man erst reagiert, als es viel zu spät ist. Im weiteren Verlauf gibt es dann noch Elemente wie eine unbekannte und potentiell lebensgefährliche Abkürzung, Jäger die nur eine statt der gesuchten zwei Personen aufgreifen (obwohl die andere in greifbarer Nähe ist), einen sich katzenhaft auf einen beschädigten Turm heranschleichenden Entführer auf welchen sich die Hauptprotagonisten zuvor nur mit reichlich Gepolter hat hochziehen können – sowie einen Sturz, der eigentlich einen ganz anderen Ausgang hätte haben müssen als den hier gezeigten. Das recht abrupte und forciert wirkende Ende rundet die Sache dann ab – zumal man die Charaktere nach überstandener Qual plötzlich wieder in bester Urlaubslaune zeigt.

Fazit: GEFANGEN IM PARADIES bietet genau das, was man von einer Produktion der privaten erwarten konnte – nicht mehr und nicht weniger. Immerhin, ganz so schludrig und hanebüchen wie so manch andere Vergleichsproduktion wirkt der Film nicht; auch nicht vom technischen Handwerk her – und es kommt stellenweise tatsächlich so etwas wie Spannung auf. Allerdings sind die dafür eingesetzten Kniffe standardisiert, und der ohnehin feststehende Ausgang der Geschichte verhindert vieles. Hinzu kommen die allgemein fehlende Glaubwürdigkeit, die teils frappierenden Logik-Fehler, sowie eventuell auch die fragliche Zielsetzung der Macher. Wollten sie mit diesem Film tatsächlich nur einen unterhaltsamen Urlaubs-Thriller auf die Beine stellen – oder spielt der Veröffentlichungszeitraum inklusive des aktuellen Geschehens doch eine nicht unwesentliche Rolle ? Man entscheide selbst…

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„Eine typische TV-Produktion für zwischendurch und mit teils erheblichen Schwächen.“

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