Metal-CD-Review: WINTERSTORM – Cube Of Infinity (2016)

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Alben-Titel: Cube Of Infinity
Künstler / Band: Winterstorm (mehr)
Veröffentlichungsdatum: 19. August 2016
Land: Deutschland
Stil / Genre: Power Metal
Label: NoiseArt Records

Alben-Lineup:

Peter Cerveny – Bass
Michael Liewald – Guitars
Alexander Schirmer – Vocals

Track-Liste:

1. Infectious (01:45)
2. Pacts of Blood and Might (06:38)
3. In Clarity (04:30)
4. Secrets and Lies (04:02)
5. Effects of Being (05:27)
6. Through the Storm (04:22)
7. Cube of Infinity (05:07)
8. Frozen Awakening (06:33)
9. Timeshift (04:38)
10. Hymn of Solitude (04:11)

Es ist ja ohnehin kein richtiger Sommer.

Und so ist es allemal zu verkraften, dass die Metal-Welt schon Mitte August ein zünftiger WINTERSTORM ereilt. Dabei ist schon seit Anfang 2010 mit der nach einer brachialen Naturkraft benannten Power Metal-Formation aus Bayern zu rechnen – die sich seitdem auf eine konsequente Release-Strategie mit einem Abstand von jeweils 2 Jahren geeinigt zu haben scheint. Und so folgten nach dem respektablen Debütalbum A COMING STORM aus dem Jahre 2010 schon KINGS WILL FALL (Review) und das letztaktuelle CATHYRON (Review) – wobei es sich um eine Erfolgsserie handelt, die nun mit CUBE OF INFINITY fortgeführt werden soll. Im besten Fall versteht sich, wobei es insbesondere einen Stolperstein zu überwinden galt und gilt. Und der lässt sich am ehesten mit der schlichten Feststellung beschreiben, dass WINTERSTORM ihr potentielles Meisterstück bisher einfach noch nicht abgeliefert haben. Sicher, eine Steigerung war und ist erkennbar; wobei analog dazu die Erfahrungswerte der Band sowie auch deren Fangemeinde wachsen. Doch noch immer klingen WINTERSTORM (und damit auch CUBE OF INFINITY) ein wenig so, als wären sie noch am Anfang ihrer Karriere.

Als vergleichendes Paradebeispiel wären hier die früheren CRYSTALLION zu Rate zu ziehen, die auf ihrem Debüt A DARK ENCHANTED CRYSTAL NIGHT (Review) eine ganz ähnliche Linie verfolgten wie WINTERSTORM. Auch hier regierte ein gefühlt noch nicht ganz ausgefeilter, vergleichsweise einfach gestrickter Power Metal der europäischen Spielart – der aber reichlich Laune machte und dem auch ein gewisser hymnischer Faktor innewohnte. CRYSTALLION aber lieferten schon mit ihrem zweiten Studioalbum HATTIN (Review) ihr Meisterstück ab – ein Album, welches man in jeder Hinsicht als Erfolg werten konnte und kann. Bei WINTERSTORM lässt ein Phänomen wie dieses noch auf sich warten – auch wenn es schon einmal nicht an den handwerklichen Leistungen liegen kann. Schließlich kann man der Band mit Leichtigkeit unterstellen; dass sie das was sie machen lieben und auch umsetzen können. Lediglich den Leadgesang von Alexander Schirmer könnte man – trotz aller an den Tag gelegten Stilsicherheit – als nicht ganz so spektakulär bezeichnen. Man hört ihm zwar gerne zu, zumal seine Darbietungen in gewisser Hinsicht einzigartig sind – doch scheint seine Bandbreite gleichzeitig recht limitiert; markante Kraftausbrüche oder stilistische Variationen sucht man vergebens.

Und auch ganz allgemein scheint es den WINTERSTORM-Kompositionen von CUBE OF INFINITY an etwas zu fehlen. Vielleicht ist es lediglich das nicht wirklich gehaltene Verspechen in Bezug auf den Albentitel, den man am ehesten in einer episch-symphonische Schublade a’la LUCA TURILLI’S RHAPSODY verorten würde. Weitaus warscheinlicher aber ist, dass sich WINTERSTORM schlicht etwas zu beliebig und verwechselbar geben. Wirklich markante Highlights, beispielsweise in Form von Alleinstellungsmerkmalen, bleiben aus – stattdessen erinnert die Band nicht selten an die Kollegen von ORDEN OGAN. Nummern wie PACTS OF BLOOD AND MIGHT, IN CLARITY oder SECRETS AND LIES fehlt es trotz vieler guter Riff-Passagen an Biss – und gerade die Refrains wirken seltsam ausgelaugt. EFFECTS OF BEING hat deutlichere Folk-Einflüsse aufzuweisen und ist potentiell interessanter, doch hier sorgen die inhaltlich nicht unbedingt glanzvollen Strophen für Verdruss. Und noch etwas fällt dann spätestens mit dem schunkelnden THROUGH THE STORM auf: auch in Bezug auf die rauen (Männer-)Chöre können sich WINTERSTORM nicht wirklich mit der Konkurrenz messen, dass Ganze klingt eher gemäßigt und zurückhaltend. Lediglich das etwas düstere FROZEN AWAKENING schafft es als Ausnahme tatsächlich, eine nennenswerte Atmosphäre zu erzeugen.

Schlussendlich mag das heiß erwartete CUBE OF INFINITY den Erwartungen vieler Fans entsprechen, die hier abermals auf die ‚echten‘ und sich hinsichtlich ihrer Spielart nicht verstellenden Musiker von WINTERSTORM treffen. Im größer angelegten Vergleich zu anderen vergleichsweise jungen Combos aber schneiden die Bayern bestenfalls mäßig ab. Auch, und das ist das kuriose; wenn sie keine explizit zu benennenden Schwächen vorzuweisen haben. Die Präsentation und Produktion des Albums ist gut, das technische Handwerk lässt sich hören, das Riffing und die Soli sind knackig. Auf der anderen Seite aber stehen die absolute Mittelmäßigkeit des Songwritings, der nicht unbedingt herausragende Leadgesang sowie eine letztendlich doch frappierende Langatmigkeit in Anbetracht des dieses Mal gänzlich Highlight-losen Albums. Die Song-Strukturen klingen im gesamten schlicht zu austauschbar, einzelne Momente auffallend kraftlos. Aber in gut zwei Jahren ist ja ohnehin wieder WINTERSTORM-Zeit… und damit auch Gelegenheit für den nächsten Versuch.

Absolute Anspieltipps: FROZEN AWAKENING


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„Leider kein Wintersturm – sondern nur ein laues Lüftchen.“

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