Metal-CD-Review: SABATON – The Last Stand (2016)

sabaton-the-last-stand_500

Alben-Titel: The Last Stand
Künstler / Band: Sabaton (mehr)
Veröffentlichungsdatum: 19. August 2016
Land: Schweden
Stil / Genre: Power Metal
Label: Nuclear Blast

Alben-Lineup:

Pär Sundström – Bass
Joakim Brodén – Vocals
Thobbe Englund – Guitars
Chris Rörland – Guitars
Hannes Van Dahl – Drums

Track-Liste:

1. Sparta (04:26)
2. Last Dying Breath (03:26)
3. Blood of Bannockburn (02:57)
4. Diary of an Unknown Soldier (00:51)
5. The Lost Battalion (03:23)
6. Rorke’s Drift (03:28)
7. The Last Stand (03:58)
8. Hill 3234 (03:31)
9. Shiroyama (03:36)
10. Winged Hussars (03:53)
11. The Last Battle (03:12)

Irgendwann müssen selbst die stärksten Geschütze gewartet werden.

Manche Bands sind einfach nicht unterzukriegen – auch, oder gerade weil sie sich im Laufe ihrer aktiven Jahre nicht merklich von ihrer ursprünglich eingeschlagenen Marschrichtung entfernen. Dass es trotz eines somit  weitestgehend ausbleibenden Überraschungseffektes dennoch möglich ist, sich qualitativ zu steigern oder zumindest nicht markant nachzulassen; zeigt sich des öfteren – gerade bei einigen jener bekannteren Bands, die eine ganz bestimmte Sparte oder auch Nische des Genres bedienen. Während Bands wie ALESTORM oder POWERWOLF also weiterhin ihrer ganz eigenen Interpretation des Genres nachgehen, und das vermutlich auch noch in Jahren; versuchen auch SABATON ihre ureigene Erfolgsgeschichte fortzusetzen – und zwar mit ihrem mittlerweile achten Studiowerk THE LAST STAND. Dieses setzt wie grundsätzlich alle anderen SABATON-Alben auf die mittlerweile typischen Trademarks der Schweden – die sich speziell durch die konsequent behandelten Kriegsthemen, die markanten Keyboard-Elemente sowie den kräftig-rauen Leadgesang von Joakim Brodén definieren.

Im Gegensatz zu den bereits genannten Vergleichsbands, die ebenfalls über besondere Alleinstellungsmerkmale verfügen; scheint SABATON jetzt aber etwas passiert zu sein was man keiner Band wünscht. Wenn man es drastisch formulieren wollte könnte man sogar sagen, dass die Schweden nur noch wie eine müde Kopie ihrer (früheren) selbst klingen – was einen dezent an die musikalisch nur entfernt verwandten, aber einem ganz ähnlichen Schicksal begegnenden Altherren-Metaller von MANOWAR erinnert. Immerhin: SABATON haben mit THE LAST STAND kein altes Material abermals verwurstet und unter der Ägide einer fraglichen Release-Politik neu herausgebracht – doch ändert das nichts daran, dass die vertreten Songs einfach nicht zünden. Das sind in diesem Falle ganze 11 in der regulären Version, wobei man lediglich DIARY OF AN UNKNOWN SOLDIER als kurzes und nicht unbedingt benötigtes Interlude abziehen könnte. Was den Schweden demnach bleibt, sind 10 neue Titel – die durch ihre pompösen Bezeichnungen versprechen, die spezielle Magie von SABATON auch im Jahre 2016 zu transportieren.

Dabei fällt relativ schnell auf, dass irgendetwas nicht stimmt an und mit THE LAST STAND. Schon der Opener SPARTA klingt auffallend simpel und wie neu zusammengewürfelte Versatzstücke älterer SABATON-Titel – wobei es sich hier sogar um eine der besseren Nummern handelt, trotz der dezent peinlich anmutenden Gangshouts. Schließlich ist das, was die Schweden mit dem schwachen LAST DYING BREATH und dem stilistisch mehr als fragwürdigen BLOOD OF BANNOCKBURN präsentieren; nicht viel mehr als ein schlechter Witz. Zumindest für die bisherigen Verhältnisse der Band, die eigentlich nie Anlass zu derart expliziter Kritik gaben. Sicher, Titel wie THE LOST BATTALION oder der Titeltrack THE LAST STAND setzen vermehrt auf die altbekannten Trademarks der Band und erfüllen somit ihren Zweck; doch können die wirksamen Refrains nicht über die dieses Mal eher schwache Produktion und den schlicht etwas zu monotonen Eindruck hinwegtäuschen. Überhaupt scheint es, als würden so gut wie alle Instrumente dezent in den Gesamtkompositionen untergehen – mit Ausnahme des immer wieder vordergründig auftretenden Keyboards. Und so hinterlassen selbst flott-hymnische Stampfer wie RORKE’S DRIFT einen faden Beigeschmack. Zumal es beinahe so wirkt, als hätte man dieselben Elemente gleich mehrmals und Titel-übergreifend verwendet.

Auch im weiteren Verlauf wird es kaum besser – keiner der Titel vermag es wirklich oder gar nachhaltig hervorzustechen. Das Songwriting ist schwach und wirkt uninspiriert, vieles klingt enorm repetitiv, manche Nummern sind ganz und gar einschläfernd (WINGED HUSSARS). Was also auch immer geschehen ist – es ist SABATON nicht gut bekommen. Im Endergebnis ist THE LAST STAND somit das vermutlich enttäuschendste Album der Band – und sollte nur beinharten Fans der Combo gefallen, die im besten Fall geneigt sind über viele der nunmehr frappierenden Schwächen hinwegzusehen.

Absolute Anspieltipps: THE LAST STAND


40button

„Wenn da mal nicht einer sein Pulver verschossen hat.“

5 Gedanken zu “Metal-CD-Review: SABATON – The Last Stand (2016)

  1. Auch wenn ich deine Meinung vollkommen respektiere (und mir bewusst ist, dass Musikgeschmack nicht wirklich diskutierbar ist), bin ich der Meinung, dass du dem Album in ein paar Punkten Unrecht tust.

    Zum einen muss man sagen, dass Sabaton mit diesem Album bewusst versucht haben, etwas neues zu versuchen und von ihrem alten Stil abzuweichen – und Experimente beinhalten bekanntlich auch des öfteren Fehlschläge (ich persönlich empfinde das Album nicht als „Fehlschlag“, aber das sei jedem selbst überlassen). Beim ersten hören hätte ich dem Review auch komplett zugestimmt – das Album muss man ein paar mal anhören, um es wirklich schätzen zu können.

    Sparta: Egal wie oft ich das Lied höre, es bleibt für mich das schlechteste des Albums. Auch wenn es gegen Ende hin besser wird, grenzt der Anfang für mich an Katastrophe.

    Last dying Breath: einer meiner persönlichen Favoriten des Albums. Auch wenn es rein objektiv betrachtet nicht sonderlich originell ist, hat es irgendetwas an sich, was es für mich persönlich sehr gut macht.

    Blood of Bannockburn: Als ich es (damals noch im Teaser) zum ersten mal gehört hab war meine Reaktion auch eher in die Richtung „was zum Henker soll das hier denn bitte darstellen!?“ Da ich aber schon des öfteren die Erfahrung gemacht habe, dass Lieder besser werden je öfter man sie hört hab ich Blood of Bannockburn noch eine Chance gegeben – es wurde tatsächlich besser. Zwar keiner meiner Favoriten, aber trotzdem gut genug, dass ich mich gelegentlich dabei erwische, es beim Hören mitzusingen.

    Diary of an Unknown Soldier: Zwar nur ein Prelude, aber ein gutes. Stellt meiner Meinung nach einen sehr gelungenen Buildup zu The Lost Battalion dar.

    The Lost Battalion: Meiner Meinung nach ein gutes Lied, nichts rekordverdächtiges aber auch definitiv nicht schlecht.

    Rorkes Drift: Für mich eins der absoluten Perlen das Albums und mit Abstand das „catchyste“ (vom Versuch, denglische Grammatik zu erschaffen…) (ähnlich last dying breath)

    The Last Stand: Auch wenn ich dir im Bezug auf Monotonie Recht geb, macht das der „Mitgrölfaktor“ für mich wieder mehr als wett. Genau wie lost Battalion ein solides Lied, bestimmt ganz nett auf Liveauftritten

    Hill 3234: Da ich hier nichts schreiben könnte ohne mich zu wiederholen verweise ich einfach mal auf last dying Breath und Rorkes drift – im Prinzip genau die gleiche Bewertung

    Shiroyama: Ein Lied wie man es von Sabaton kennt (bis auf die Zeitperiode)… mir gefällts

    Winged Hussars: Hier gehen unsere Meinungen zum ersten Mal extrem auseinender. Für mich ist Winged Hussars eines der, wenn nicht sogar das beste Lied des Albums (der Refrain sorgt bei mir immer noch für Gänsehaut). Mir geht nicht ganz auf, was du daran „einschläfernd“ findest, aber Geschmäcker sind bekanntlich verschieden.

    The Last Battle: Gelungener Abschluss des Albums, sowohl vom Namen als auch von der vermittelten Stimmung her. Als den „absoluten Anspieltipp“, also als bestes Lied würde ich es nicht bezeichnen, aber es ist auf jeden Fall ein gutes Lied

    Camouflage/all Guns blazing/afraid to shoot strangers/burn in hell: Covers, was soll man groß dazu sagen außer dass sie technisch gut umgesetzt sind und Jockes Stimme gut zu den Liedern passt.

    Ich persönlich würde dem Album 8.5/10 geben. Ja, musikalisch nicht das anspruchsvollste Album – aber es geht um den Spaß beim Hören und den hatte/habe immernoch ich definitiv.

    Gefällt 1 Person

    1. Hey Blockio,

      es stimmt schon, es ist schwer bei derartigen Reviews möglichst ‚objektiv‘ vorzugehen. Immerhin versuche ich es, z.B. indem ich typische „Ich-Formulierungen“ vermeide, ein Album mit anderen vergleiche, auf möglichst viele Elemente eingehe (Leadgesang, Instrumental, Texte etc) und so weiter…

      Aber natürlich gehen die Meinungen gerade bei Musik auseinander… und deshalb bedanke ich mich für Deine ! Habe sie interessiert gelesen, und bei der Gelegenheit gleich nochmal das Album laufen lassen. Gut, 8.5 halte ich – zumindest aktuell – für etwas hoch gegriffen. Aber: sofern ich mir die komplette Sabaton-Diskografie in den nächsten Tagen noch einmal vornehme, kann es durchaus sein dass sich mein Bild noch einmal ändert. Es kommt zwar selten vor, aber so manche Wertung wurde schon nachträglich nach oben oder unten korrigiert.

      Und: hoffentlich sieht bzw. liest man sich mal wieder !🙂

      Gefällt mir

      1. Ich versuch, solche „objektivisierten“ (gibts das Wort? Wenn nicht gibts es jetzt ^^) zu vermeiden, ich komm mir beim Schreiben immer vor, als wollte ich irgendjemandem was diktieren… (auch wenn das manchmal etwas unschön zu lesen ist)
        Ich hab mir auch überlegt, ob ich Vergleiche ziehen soll, aber da ich dazu neige sehr schnell sehr ausschweifend zu werden hab ich beschlossen, nicht zu testen, ob es bei Kommentaren ein Zeichenlimit gibt ^^ (und Zeit hat auch noch ne Rolle gespielt)

        Danke für die Rückmeldung, freut mich🙂
        Für mich wurde The Last Stand ab dem vierten oder fünften Mal hören wirklich gut (dann auch eher so 6.0-7.5, aber mit den 2 Wochen Dauerschleife ist mir das Album dann ans Herz gewachsen)

        Ganze Diskografie durch? Ich persönlich würde dir empfehlen, mit The Art of War oder Coat of Arms anzufangen (sind meiner Meinung nach unterm Strich auch die besten Alben) – noch eher im Stil von Carolus Rex und für mich damals die „endgültige Einstiegsdroge“ (oder so ähnlich) ins Genre

        Ich hab nicht vor, jetzt aufzuhören😀 Sobald ich es zeitlich mit dem anderen Zeug, dass ich dieses Jahr noch schaffen will, unter einen Hut bekomm werd ich mich an ein paar mehr Kommentare setzen (vermutlich zu NGE… spätestens dann wird klar was ich mit „ausschweifend“ meine :’D)

        Gefällt mir

  2. Es gibt von dem Album auch diverse Bonus Tracks…u.a. das hier, das find ich gar nicht mal so schlecht als Priestler.🙂 Bei den High Pitch Vocals dachte ich erst es wäre einfach Rob Halford reingesampelt worden, aber nein es ist Thobbe Englund (der vor kurzem aus der Band ausgestiegen ist), Hut ab!😀

    Gefällt 1 Person

    1. Momentan habe ich zwar die Nase voll von SABATON, aber Danke für den Hinweis. Zumal der Bonus-Track nicht auf meinem Review-Exemplar vorhanden ist. An der Wertung würde aber auch der nichts mehr ändern, trotz der tatsächlich recht HALFORDesken Vocals🙂😉

      Gefällt mir

Zögert bitte nicht, einen Kommentar zu hinterlassen.

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s