Filmkritik: „Gayby Baby“ (2015)

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Originaltitel: Gayby Baby
Regie: Maya Newell
Mit: Matt Young, Gus, Ebony, Matt, Graham u.a.
Land: Australien
Laufzeit: ca. 89 Minuten
FSK: unbekannt
Genre: Dokumentation
Tags: Homosexualität | Gleichgeschlechtlich | Kinder | Adoption | Gesellschaft | Pubertät

„If they have a problem with it, they’re not worth it“.

Kurzinhalt: Gus, Ebony, Matt und Graham sind ganz normale Kinder – zumindest auf den ersten Blick. Und auch wenn sie sich selbst tatsächlich nicht von anderen Jungen und Mädchen ihres Alters unterscheiden, so ist in Bezug auf ihren Familienhintergrund doch etwas anders: sie leben in sogenannten Regenbogenfamilien. Das bedeutet, dass sie von gleichgeschlechtlichen Paaren großgezogen werden – also von schwulen und lesbischen Männern und Frauen. Dabei stehen sie nicht selten vor Schwierigkeiten, die über die üblichen Probleme des Erwachsenwerdens hinausgehen. Neben negativen Aspekten wie Lästereien oder gar Mobbing drängen sich immer wieder auch Verständnisfragen auf – hinsichtlich ihrer Eltern, ihrem Platz in der Gesellschaft; und letztendlich auch sich selbst. Kann ein Familienleben auch innerhalb einer gleichgeschlechtlichen Partnerschaft funktionieren ? Sind Kinder wie Gus, Ebony, Matt und Graham tatsächlich in einer besonderen Situation – eine, die es wert wäre sie zusätzlich zu diskutieren ? Oder kommt es vielleicht doch nur auf den Blickwinkel des Zuschauers und der Gesellschaft an ?

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Kritik: Achtung, Spoiler ! GAYBY BABY ist das Kino-Debüt der australischen Regisseurin Maya Newell, die sich mit ihrer ersten groß angelegte Dokumentation über das Leben von gleichgeschlechtlichen Paaren mit Kindern sicher kein leichtes und vor allem hierzulande nicht alltägliches Thema ausgesucht hat. Doch offenbar handelte es sich um ein regelrechtes Herzens-Projekt ihrerseits, da sie selbst in einer entsprechend bunten Familien-Konstellation aufgewachsen ist. Dementsprechend lässt sie es sich auch nicht nehmen einem breiteren Kino-Publikum aufzuzeigen, dass Kinder aus vermeintlich besonderen oder gar als anormal bezeichneten Familien ebenfalls glücklich aufwachsen können. Und sicher auch, dass die homosexuellen Erziehungsberechtigten sowie ihre Kinder einen wenn man so will erschreckend normalen Alltag haben. Einen Alltag mit entsprechenden Freuden und hhepunkten, aber eben auch Sorgen – wobei absichtlich weniger auf gesellschaftliche Probleme hinsichtlich einer von vielen gewünschten Akzeptanz eingegangen wird, sondern vielmehr auf Aspekte des Lebens die wohl jeder kennt. Entsprechend menschlich und nachvollziehbar wirken die Porträts der Kinder und Familien, die man eigentlich nur direkt ins Herz schließen kann. Die potentielle Mission der Dokumentation hat Maya Newell somit schon einmal erfüllt: GAYBY BABY wirkt ehrlich und weitestgehend ungekünstelt, deutlichere Schwierigkeiten werden nur subtil angedeutet – auf dass sich der Zuschauer gegen Ende ein ganz eigenes Bild machen kann.

Etwas schade ist nur, dass sich die Dokumentation mit ihrer relativ kurzen Spieldauer und dem Fokus auf gleich vier verschiedene Familien etwas unvollständig anfühlt – zumal man kaum erahnen kann, wie oft und wie lange tatsächlich gefilmt wurde. In das fertige Werk geschafft haben es somit nur viele vereinzelte Szenen, zwischen denen immer wieder hin- und hergewechselt wird – mit dem leicht faden Beigeschmack, das man in Bezug auf die Charakterporträts und Situations-Analysen vielleicht doch etwas tiefer hätte gehen sollen. So bleibt es bei vielen kleinen Moment-Eindrücken, die es eventuell schwierig machen den Zuschauer wirklich packen oder für das Thema sensibilisieren zu können. Immerhin: die gesamte Aufmachung der Dokumentation ist eher minimalistisch, was sich in diesem Falle durchaus positiv auswirkt. Es gibt keine Kommentare aus dem Off, Schnitt und Kameraführung (für die sich Regisseurin Maya Newell übrigens selbst verantwortlich zeichnet) sind ruhig, eine zusätzliche Musikuntermalung findet nur akzentuiert statt – und die Darsteller respektive Kinder und Eltern sind vor allem eines, nämlich sie selbst. Speziell die Ansichten des mit Gott und der Welt hadernden Matt sind hier besonders interessant – da seine lesbische Mutter als gläubige Christin lebt, einige Botschaften aus der Bibel aber offenbar nicht mit ihrem Lebensstil vereinbar sind.

Fazit: Ob man GAYBY BABY nun als wichtigen Film einstufen möchte oder nicht – es handelt sich um eine gleichermaßen zeitlose wie kurzweilige und zu Gesprächs- oder zumindest Denkanstößen führende Dokumentation. Leicht überraschend, und Maya Newell durchaus hoch anzurechnen ist; dass ihr Film weder für die eine noch die andere Seite explizit Partei ergreift. Ergo ist die Homosexualität nicht die Lösung für die Probleme der Welt – aber sicher auch nicht ihr Untergang. Vielmehr werden alle – ob Homosexuelle, von homosexuellen aufgezogene Kinder, oder aber die gemeinhin als normal bezeichneten Heterosexuellen als Menschen mit eigenen Ansichten und Meinungen betrachtet, die im besten Falle einen persönlichen und gesellschaftlichen Konsens finden. Somit wird in GAYBY BABY fast schon unabhängig von sexuellen Orientierungen oder anderen persönlichen Eigenschaften für allgemeine Werte wie Individualität, Freiheit und Menschlichkeit plädiert. Oder anders gesagt: ein jeder hat ein Recht auf seine eigene Meinung, wobei es nie von Nachteil sein kann auch einmal über den eigenen Tellerrand hinauszuschauen.

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„Eine nicht wirklich tief schürfende, aber doch erfrischend andere Dokumentation.“

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