Filmkritik: „Mickybo Und Ich“ (2004)

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Originaltitel: Mickybo And Me
Regie: Terry Loane
Mit: Ciarán Hinds, John Joe McNeill, Niall Wright u.a.
Land: Australien, Großbritannien, Irland
Laufzeit: ca. 91 Minuten
FSK: ab 6 freigegeben
Genre: Drama, Komödie
Tags: Kindheit | Irland | Unruhen | Politik | Freundschaft

Wenn zumindest Freundschaften Grenzen überwinden.

Kurzinhalt: Belfast, Nordirland um das Jahr 1970 – die Stadt ist zweigeteilt, und politische Unruhen erschüttern das Land. Das scheint den beiden Jungen Mickybo (John Joe McNeill) und dem ein Jahr älteren Jonjo (Niall Wright) jedoch kaum etwas auszumachen – obwohl sie von der jeweils anderen Seite der Stadt stammen und unter unterschiedlichen Umständen aufgewachsen sind, treffen sie sich heimlich und werden sogar beste Freunde. Vermutlich auch, da sie beide für zwei große Western-Helden schwärmen: Butch Cassidy und Sundance Kid. Als die Lage in der Stadt immer unruhiger und ihre Freundschaft das ein ums andere Mal aufs Spiel gesetzt wird, beschließen Mickybo und Jonjo gemeinsam auszureißen – ihr Ziel ist das weit entfernte Australien.

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Kritik: Achtung, Spoiler ! MICKYBO UND ICH ist der erste Spielfilm des Regisseurs und Drehbuchautors Terry Loane, der sich mit der Geschichte einer besonderen (Kinder-)Freundschaft auf die Theater-Vorlage MOJO MICKYBO von Owen McCafferty stützt. Das besondere an der Geschichte ist dabei nicht unbedingt die porträtierte Freundschaft selbst, die Dank ihrer glaubwürdigen Inszenierung und den gleichermaßen rauen wie süßlich-verträumten Bildern auch dazu in der Lage ist, eigene Kindheitserinnerungen zu wecken – sondern vielmehr der anberaumte Hintergrund der Erzählung. Der ist schließlich recht brisant, und bezieht sich auf den von 1969 bis 1998 stattgefundenen Nordirland-Konflikt – und damit auch den bedrohlichen Streit zweier Bevölkerungsgruppen. Terry Loane macht sich diese Ausgangssituation zunutze um noch einmal überdeutlich aufzuzeigen; dass sich trotz der oft engstirnigen Ansichten der Eltern gerade Kinder lieber eine eigene Meinung bilden, durchaus auch auf Tuchfühlung mit dem vermeintlichen Gegner gehen – und Freundschaften auch dort entstehen können, wo sie es aus einer politisch-gesellschaftlichen Sicht heraus eigentlich nicht sollten oder dürften.

Sicher ist es nichts neues, Kinder als regelrechte Welt-Verbesserer zu zeigen – doch die Art, wie Terry Loane hier vorgeht; ist durchaus besonders. Zumal MICKYBO UND ICH beileibe nicht auf ein einziges Themengebiet zu beschränken ist, über weite Strecken authentisch und glaubwürdig wirkt – und auch im Bereich der Kinokunst selbst großes bewerkstelligt wird. Speziell in Bezug auf die rundum stimmigen, oftmals in einem krassen Kontrast zueinander stehenden Bilder mit einstweilen zutiefst beeindruckenden Kamerafahrten, den hochkarätigen Soundtrack und die bravouröse Leistung der beiden Haupt- und Jungdarsteller wird ein überraschend hohes Niveau etabliert – was so nicht unbedingt von einem vergleichsweise kleinen, relativ unscheinbaren Film zu erwarten war.

Am eindringlichsten aber bleibt das Porträt der Freundschaft inklusive des übergeordneten Spiels mit dem Genre und der wenn man so will unentschlossenen Atmosphäre. Was in diesem Fall aber nicht negativ zu verstehen ist, denn: dem Zuschauer bleibt kaum etwas anderes übrig; als in Anbetracht der zahlreichen amüsanten und eine gewisse Nostalgie ausstrahlenden, dann aber doch wieder bitter-bösen Momenten hin- und hergerissen zu sein. Dabei lässt Terry Loane auch den Coming Of Age-Aspekt des Films niemals zu kurz kommen. MICKYBO UND ICH beschreibt eben nicht nur ein bloßes geografisches Vorankommen der beiden Hauptprotagonisten, sondern vielmehr eine emotionale Reise mit vielen Höhen und Tiefen – die man metaphorisch durchaus mit dem Prozess des Erwachsenwerdens gleichsetzen könnte. Das funktioniert glücklicherweise auch vollkommen ohne einen wie-auch-immer gearteten moralischen Zeigefinger, der Film macht letztendlich nicht viel mehr als die Realität abzubilden. Oder eher eine fiktive, aber dennoch über alle Maßen glaubwürdige Geschichte vor dem Hintergrund einer tatsächlichen menschlichen Katastrophe anzuführen.

Fazit: Die Chancen stehen gut, dass man sich an MICKYBO UND ICH erinnern wird – sei es in Bezug auf seine markante Gesamtwirkung, oder aber einzelne und besonders gute Szenen. Allein der Bankraub gegen Mitte des Films  schafft aufgrund der geschickten Vermengung von Realität und Fiktion eine gewisse Denkwürdigkeit – und steht stellvertretend für die regelrechte Poesie der Erzählung. Einer Poesie, die sowohl schöne als auch bitterböse Momente bereithält, dabei aber niemals überkandidelt wirkt und ganz und gar grundlegende Emotionen bedient, mit denen sich ein Großteil der Zuschauer identifizieren kann. Es gilt demnach, eine absolute Empfehlung auszusprechen – für die Ausarbeitung der Geschichte selbst, sowie ganz explizit auch den technisch-handwerklichen Part mit seinen satten Bildern und dem hervorragenden Schauspiel.

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„Ein eindringliches Porträt einer Freundschaft – und ein echtes Kleinod.“

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Ein Gedanke zu “Filmkritik: „Mickybo Und Ich“ (2004)

  1. Ich mochte den Film sehr und habe ihn zum Zeitpunkt des Erscheinens zu einem meiner Lieblingsfilme erklärt. Auch irgendwo im 9 – 10 /10 Bereich. Eine Blu-Ray/HD-Auswertung wäre meinerseits begrüßenswert, um sich nochmal ein aktuelles Bild zu machen.

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