Metal-CD-Review: ANDRE MATOS – The Turn Of The Lights (2012)

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Alben-Titel: The Turn Of The Lights
Künstler / Band: Andre Matos (mehr)
Veröffentlichungsdatum: 2012
Land: Brasilien
Stil / Genre: Power Metal
Label: earMUSIC

Alben-Lineup:

Hugo Mariutti – Guitars
Andre Hernandes – Guitars
Andre Matos – Vocals
Bruno Ladislau – Bass
Rodrigo Silveira – Drums

Track-Liste:

1. Liberty (04:11)
2. Course of Life (05:40)
3. The Turn of the Lights (04:21)
4. Gaza (05:30)
5. Stop! (05:16)
6. On Your Own (05:40)
7. Unreplaceable (04:49)
8. Oversoul (05:30)
9. White Summit (04:00)
10. Light-Years (04:08)
11. Sometimes (03:23)
12. Fake Plastic Trees (Radiohead cover) (04:42)

Der letzte macht das Licht aus.

THE TURN OF THE LIGHTS ist das dritte offizielle Studioalbum aus der Feder von ANDRE MATOS – jenem brasilianischen Ausnahme-Künstler, der seinen außergewöhnlichen musikalischen Werdegang zunächst mit VIPER und ANGRA beschritt und später maßgeblich zur Gründung der Power Metal-Combo SHAMAN beitrug. Doch ist all das bekanntlich längst Geschichte – seit 2006 liegt nicht nur sein Augenmerk, sondern auch das der internationalen Hörerschaft auf seiner ersten wirklich eigenen Band ANDRE MATOS. Und tatsächlich: wenngleich das diesbezügliche Debüt TIME TO BE FREE (2007, Review) sicher nicht jedermann gefallen wird, sah es in Bezug auf den vergleichsweise opulenten Nachfolger MENTALIZE (2009, Review) schon wesentlich besser aus. Somit war es auch keine große Überraschung, dass irgendwann ein weiteres Album folgen würde, folgen musste – was letztendlich schon gute drei Jahre später geschah.

Dabei ist THE TURN OF THE LIGHTS gleich in mehrerlei Hinsicht interessant, denn eines war und ist im Falle des Brasilianers klar: er würde sich nicht bloß wiederholen, sondern sicher immer wieder für eine Überraschung sorgen. Und das ist ihm auch dieses Mal gelungen, wenngleich hierzu höchst gemischte Gefühle anzuberaumen sind. So klingt das Album nicht unbedingt sperriger als sein ohnehin schon stark progressiver Vorgänger, aber doch merklich weniger energetisch und weniger packend. Sicher war es schwer, eine regelrechte Metal-Oper wie MENTALIZE zu toppen – etwas merkwürdig aber erscheint es dennoch, dass Matos nun erneut den umgekehrten Weg ging und sich auf THE TURN OF THE LIGHTS fast ausschließlich auf seine ruhige und eher unspektakuläre Seite beschränkt. So ist Zurückhaltung leider auch eines der Stichworte, mit welchem man das Release treffend beschreiben könnte. Eine Zurückhaltung sowohl auf Seiten aller beteiligten Musiker, aber auch auf Seiten des Hörers – der hier möglicherweise ein ähnlich fulminantes und überraschendes Werk erwartet hat wie MENTALIZE.

Aber auch vollkommen unabhängig von etwaigen Vergleichen zeigt sich, dass es THE TURN OF THE LIGHTS schlicht an etwas fehlt. Nach dem noch soliden COURSE OF LIFE dümpelt das Album schließlich recht lange vollkommen Highlight-los vor sich her – und serviert dem Hörer dabei auch die ein oder andere eher gewöhnungsbedürftige Nummer. Nummern, die man theoretisch in zwei Kategorien unterteilen könnte. Die einen präsentieren einen eher balladesk angehauchten Sound mit neuerlichen Merkwürdigkeiten wie Verzerr-Effekten oder Flüstertönen im Hintergrund – wie etwa GAZA (bei dem der Gesang und die klassische Instrumentierung überhaupt nicht zusammenzupassen scheinen) oder ON YOUR OWN, das trotz der später zugeführten Härte harmlos klingt und sich in einer kuriosen Instrumentalstrecke verirrt. Die anderen Nummern sind dann vornehmliche solche, die einige gute Basis-Zutaten mitbringen – aber dennoch extrem verhalten klingen und sich schlicht so anfühlen, als würden sie sich gen nirgendwo entwickeln. Seien es der Titeltrack, das rockige STOP! oder das noch recht variable UNREPLACEABLE – wirklich gelungen erscheint hier wenig.

Gründe für den nunmehr eher langatmigen Sound finden kann wohl nur Matos selbst – doch Fakt ist, dass es THE TURN OF THE LIGHTS als Album eher schlecht bekommt. Vieles wirkt stark vereinfacht, selbst die Instrumental- und Soliparts reichen bei weitem nicht mehr an die Qualität der beiden Vorgängeralben heran – und auch Matos schien in Bezug auf den Leadgesang wieder einmal eine kreative Pause einzulegen denn sich wirklich ins Zeug zu legen. Vielleicht ist das ja auch die Folge einer gewissen Heimatlosigkeit respektive einer fehlenden Vision. Wenn man schon so viele Bands hinter sich hat, die nun quasi zur Konkurrenz gehören und dabei große Erfolge für sich verbuchen (wie ANGRA mit eigentlich all ihren Alben ab 2001 oder SHAMAN mit dem Überraschungs-Album ORIGINS, Review) – dann könnte man verständlicherweise ins Grübeln kommen. Natürlich ist respektive wäre das schade, zumal es sich hier um bloße Unterstellung handelt – was es aber umso ärgerlicher macht ist, dass ANDRE MATOS erst 3 Jahre zuvor gezeigt hatte dass es auch anders geht. Schließlich war MENTALIZE über viele Zweifel erhaben – eine Feststellung, die man auf THE TURN OF THE LIGHTS leider nicht mehr anwenden kann.

Absolute Anspieltipps: COURSE OF LIGHTS, LIGHT-YEARS


40button

„Auf ein solides und ein sehr gutes Album folgt ein insgesamt enttäuschendes.“

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