Filmkritik: „Angels Sing Aka Mein Nachbar Der Weihnachtsmann“ (2013)

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Originaltitel: Angels Sing
Regie: Tim McCanlies
Mit: Harry Connick Jr, Connie Britton, Willie Nelson u.a.
Land: USA
Laufzeit: ca. 87 Minuten
FSK: ab 0 freigegeben
Genre: Drama, Komödie
Tags: Weihnachten | Festtage | Familie | Schicksal | Liebe

Wenn Fluch und Segen nah beieinander liegen.

Kurzinhalt: Da der texanische College-Professor Michael Walker (Harry Connick Jr.) kurz vor der Weihnachtszeit vor dem Verkauf seines Hauses steht, sucht er für sich und seine Familie eine neue Bleibe. Einerseits darf das Budget der Familie dabei nicht übersteigen werden – andererseits aber möchte er vor allem seinen Sohn David (Chandler Canterbury) glücklich machen, während ihn seine Frau Susan (Connie Britton) bei jeder Entscheidung zur Seite steht. Wie es der Zufall will, trifft Michael eines Tages auf einen kauzigen alten Hausbesitzer namens Nick (Willie Nelson) – der sein Anwesen gerne verkaufen möchte. Und das sogar zu einem Spottpreis – wenn der Käufer nur seinen Vorstellungen entsprechen und die spezielle Tradition des Hauses fortsetzen würde, die eng mit dem Weihnachtsfest verbunden ist. Doch offenbar stehen Michael und das Weihnachtsfest in keinem guten Verhältnis – Gründe dafür finden sich in der Vergangenheit und seiner Beziehung zu seinen Eltern (Kris Kristofferson und Fionnula Flanagan). Und so sträubt sich der Familienvater sichtlich, sich im Rahmen der kommenden Festlichkeiten entsprechend zu engagieren… bis sich ein weiterer Schicksalsschlag ereignet.

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Kritik: Achtung, Spoiler ! Wenngleich der deutsche Titel des amerikanischen Spielfilms ANGELS SING eher ungünstig gewählt wurde und am ehesten auf einen Film für ein deutlich jüngeres Publikum inklusive einer großen Portion Weihnachts-Klamauk schließen lässt, ist MEIN NACHBAR DER WEIHNACHTSMANN in Wahrheit eine gleichermaßen realitätsnahe wie bittersüße Tragikomödie. Eine solche; die auf einer gleichnamigen Romanvorlage von Turk Pipkin basiert und eine Amerikanische Familie in den Mittelpunkt stellt, welche schon so manch schlimmen Schicksalsschlag verkraften musste. Die Folge: speziell der Vater hadert mit den weihnachtlichen Festlichkeiten, für ihn sind sie mit einer schrecklichen Erfahrung verbunden – und auch sein 10-jähriger Sohn droht aufgrund eines Sterbefalls in der Familie ähnlichen Denkmustern zu verfallen.

Dennoch, und trotz der einstweilen emotional aufwühlenden Situationen inszeniert Regisseur Tim McCanlies seinen Film stets mit einer gewissen Leichtigkeit. ANGELS SING ist eben kein tiefenpsychologisches Drama, sondern vielmehr eine Mischung aus einer lockeren saisonalen Komödie und einer großen Portion Herzschmerz – was ihn nicht unbedingt von zahlreichen anderen Filmen des Genres abhebt. Immerhin: die Figuren sind durchgehend sympathisch, speziell Harry Connick Jr als etwas eigenwilliger Familienvater und sein Filmsohn Chandler Canterbury überzeugen dabei mit ihrem niemals angespannten, weitestgehend glaubwürdigen Spiel. Leicht problematisch ist in diesem Zusammenhang wohl nur die Rolle des mysteriösen Nick, gespielt von Willie Nelson. Nicht unbedingt aufgrund der Besetzung – aber doch in Bezug auf die Ausrichtung des Films, der so letztendlich doch noch den Schliff eines verkappten Fantasy-Märchens mit einem nicht nur sprichwörtlichen guten Geist erhält.

Schließlich wirkt der Film eher wie eines derjenigen Werke, die einen besonderen Moment der Selbstreflexion oder auch Selbst-Erkenntnis im Rahmen einer in diesem Sinne passenden Jahreszeit in den Vordergrund stellen – ganz ohne eine zusätzliche Meta-Ebene anzuberaumen oder sich der Phantasterei hinzugeben. Das ist einerseits ein echter Zugewinn, zumal der Film eben nicht überproduziert ist und angenehm unspektakulär inszeniert wird – anderseits aber verhindert das kaum, dass er einen leicht faden Beigeschmack hinterlässt. Und das liegt hauptsächlich an den störenden, plötzlich alles andere als bodenständigen Untertönen in Bezug auf die westliche Lebensart. Sicher sollte die Darstellung hier etwas zugespitzt ausfallen; doch verfehlt der Film eventuell seine eigentliche (d.h. universelle) Intention, wenn das Weihnachtsfest eben nicht mit Nächstenliebe verbunden wird – sondern vielmehr mit einer ärgerlichen Kommerzialisierung, einem pompösen Kitsch und eventuell auch einer gewissen Portion Wahnsinn.

Vielleicht wäre man also besser beraten gewesen, die Geschichte nicht unbedingt an einem potentiell polarisierenden christlichen Feiertag wie Weihnachten festzumachen – wäre da nicht die Buchvorlage. So lässt es sich ANGELS SING getreu seines Titels natürlich auch nicht nehmen immer wieder etwaige Singstimmen erklingen zu lassen, die den ein oder anderen Weihnachts-Hit schmettern. Gerade das wird nicht jedem gefallen, zumal man das Gefühl hat als wären sich die Macher selbst uneinig darüber gewesen wie diese Elemente darzustellen wären. Mal inszenieren sie die Gesänge (und auch andere, nicht ganz so traditionelle Bräuche wie das Zupflastern von Häusern mit Elektro-Schmuck) als nötige atmosphärische Anhängsel einer vermeintlich besinnlichen Zeit – und mal zeigen sie selbst auf, wie nervig und unnötig ein eben solches Gebaren sein kann. Interessanterweise aber kommt man dennoch zu einem einstimmigen Ergebnis: ob von Leid geplagt oder vom Leben beschenkt, ob Christ oder Angehöriger einer anderen Religion, ob gottesfürchtig oder Atheist – irgendwann packt es sicher alle, das Weihnachtsfieber. Was hier in den Bereich der Tragik, und was in den Bereich der Komödie fällt; darüber erlauben sich die Macher kein Urteil – es bleibt Auslegungssache.

Fazit: ANGELS SING ist ein Paradebeispiel für einen Film der Marke weder-noch. Weder handelt es sich um einen typischen und im besten Falle Herz-erwärmenden Weihnachtsfilm für die ganze Familie, noch um ein unabhängig wirksames Drama vor einem saisonalen Hintergrund. Vielmehr ist der Film eine Mischung aus beidem, sodass Lachen und Weinen in diesem Falle nah beieinander liegen. Allerdings, und das ist eine klare Schwäche; ohne jemals wirklich aus dem emotionalen Vollen zu schöpfen. Eigentlich hätten die guten Leistungen der Darsteller dafür gesprochen – doch letztendlich wird man schlicht zu wenig warm mit dem Porträt und dem Schicksal der Familie; was auch der vergleichsweise simplen Story, den zu häufigen Gesangseinlagen und den stark vereinfachten Charakterporträts geschuldet ist. Zudem geht vieles geht in der einstweilen kruden Mischung aus angestrengt-überdrehtem Weihnachts-Spektakel und ernsthafter Schicksalsbewältigung unter – man sieht, auch hier kann sich der Film nicht wirklich entscheiden. Man sollte sich also selbst ein Bild machen, eine klare Empfehlung kann diesbezüglich aber nicht ausgesprochen werden.

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„Vieles geht auf, anderes bleibt auf der Strecke – ein Mittelding in jeder Hinsicht.“

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