Metal-CD-Review: SHAMAN – Immortal (2007)

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Alben-Titel: Immortal
Künstler / Band: Shaman (mehr)
Veröffentlichungsdatum: November 2007
Land: Brasilien
Stil / Genre: Power Metal
Label: Scarlet Records

Alben-Lineup:

Léo Mancini – Guitars
Fernando Quesada – Bass
Ricardo Confessori – Drums
Thiago Bianchi – Vocals

Track-Liste:

1. Renovatti (02:59)
2. Inside Chains (04:23)
3. Tribal by Blood (04:17)
4. Immortal (05:53)
5. One Life (05:03)
6. In the Dark (04:17)
7. Strength (04:17)
8. Freedom (04:43)
9. Never Yield (04:47)
10. The Yellow Brick Road (08:18)

Bis zur Unsterblichkeit, und noch viel weiter.

Manche Power Metal-Combos sorgen einfach immer wieder für Überraschungen – ob freudige oder aber solche, die man geneigt ist eher skeptisch zu beäugen. Auch im Falle des vorliegenden Releases IMMORTAL gibt es einen eben solchen, wenn man so will gar gewaltigen Spannungsmoment – der nicht unwesentlich mit einem für das Genre wichtigen Faktor namens Leadgesang verbunden ist. Doch zunächst lohnt sich ein kurzer Blick zurück: SHAMAN wurde ursprünglich von Andre Matos und zwei weiteren Musikern gegründet, die um die Jahrtausendwende alle bei der brasilianischen Combo ANGRA ausgestiegen waren. Gründe dafür gab es sicherlich mehrere – wobei die Vermutung nahe liegt, dass auch gewisse (und in diesem Fall nicht vorhandene) Freiheiten eine Rolle gespielt haben könnten. Und tatsächlich, wie man heute weiß kam der speziell der Ausstieg von Andre Matos einem Befreiungsschlag gleich. Und, das ist das besondere: für beide Seiten. ANGRA wurden unter der Führung ihres neuen Leadsängers Edu Falaschi erfolgreicher denn je, und Andre Matos konnte sich mit SHAMAN richtig austoben. Das erste Ergebnis seiner Ambitionen konnte man dann auf RITUAL (Review) bestaunen, dem Debüt-Album von SHAMAN – ein Album, dass dem Brasilianer und seinen Kollegen in so gut wie jeder Hinsicht gelungen ist.

Was dann im Jahre 2005 folgte, war allerdings wieder leicht bedenklich. Sicher, REASON (Review) ist kein schlechtes SHAMAN-Album geworden – aber eben auch kein gutes, speziell in Anbetracht des die Messlatte förmlich sprengenden RITUAL. Doch auch ganz unabhängig von etwaigen Vergleichen stellte sich ein etwas merkwürdiges Gefühl ein: das Album wirkte auffallend unentschlossen, man probierte sich in viele Richtungen aus – ohne dass das eigentliche Potential der Band und der einzelnen Mitglieder vollständig ausgeschöpft wurde. So zumindest fühlte es sich an – sodass es umso spannender ist, sich dem 2007 erschienen Nachfolger IMMORTAL zu widmen. Jedoch, und um den Bogen zur noch leicht verschlüsselten Botschaft zu Beginn des Reviews zu schlagen; hatte sich wieder etwas markantes getan. Etwas wenn man so will unglaubliches – Andre Matos hatte die Band (oder sollte man gar sagen, seine Band) bereits nach zwei Studioalben wieder verlassen. Was genau dahinter steckte, bleibt schwer zu sagen – Fakt ist aber, dass er erneut eine Band gründete. Die hörte dieses Mal schlicht auf den Namen ANDRE MATOS.

Nach dem bereits eher unentschlossen Vorgänger REASON galt es in Bezug auf IMMORTAL also analog zu ohnehin innerhalb der Band vorhandenen musikalischen Unsicherheiten auch noch einen einschneidenden Lineupwechsel zu verkraften – und das hört man dem Album auch definitiv an. Weder orientierten sich SHAMAN hier an ihren Ursprüngen (also am Sound von ANGRA sowie dem grandiosen RITUAL), noch sorgten sie im allgemeinen für eine klare Marschrichtung – sodass man also durchaus von einem REASON 2.0 sprechen könnte. Das wäre vielleicht noch kein allzu großer Beinbruch – dass der neue Leadsänger Thiago Bianchi hier aber kaum mit der ehemaligen Leadstimme von Andre Matos konkurrieren kann, vielleicht schon eher. Die gesamte Gesangsdarbietung auf IMMORTAL klingt bestenfalls zweckdienlich – man brauchte schnell Ersatz, und den bekam man auch. Probleme findet man aber nicht nur in Bezug auf den Leadgesang: IMMORTAL klingt merkwürdig auf modern getrimmt (durch die Produktion, Stimmeffekte und mehr), trumpft immer wieder mit unpassenden elektronischen Sounds auf und hat darüber hinaus kaum interessante Riffs, Refrains oder Soli-Parts zu bieten.

So dauert es auch nicht allzu lange, bis man auf die ersten argen Momente trifft: TRIBAL BY BLOOD beispielsweise wirkt mit seinem teils aggressiven Anstrich (in Bezug auf Gesang und Instrumentalisierung) vollkommen deplatziert – und klingt einfach nicht; man nenne es echt. Das Problem der fehlenden Glaubwürdigkeit zieht sich aber auch durch noch folgendes. So hätte der Titeltrack IMMORTAL durchaus etwas werden können – doch speziell der Leadgesang ist erschreckend schwach und damit unwirksam. Interessant ist, dass SHAMAN auf IMMORTAL schon öfter versuchten, unverkennbar-traditionelle Sound-Elemente (die noch am ehesten auf die Verbindung zu ANGRA hinweisen) einzustreuen – doch hilft das nicht viel, wenn die Emotionalität selbst bei potentiell spannenden Balladen wie ONE LIFE oder IN THE DARK weitestgehend auf der Strecke bleibt. Dabei sind diese Balladen sogar noch das hörenswerteste am Album – es ist schier unglaublich, wie SHAMAN speziell in Bezug auf die Uptempo-Nummern wie beispielsweise STRENGHT derart versagen konnten. Der neue Leadsänger macht es nicht viel besser, da er die hohen Lagen im Gegensatz zu seinem Vorgänger kaum zu meistern vermag und er viel zu oft etwas schief klingt (siehe FREEDOM). Der Ausstieg von Andre Matos hat der Band also keineswegs gut getan – ganz im Gegensatz zu ANGRA, die nach Matos‘ Weggang erst so richtig durchstarteten. Doch SHAMAN ? Das sieht nicht gut aus.

Absolute Anspieltipps: ONE LIFE, NEVER YIELD


40button

„Ein Schatten der früheren SHAMAN.“

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