Metal-CD-Review: SHAMAN – Reason (2005)

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Alben-Titel: Reason
Künstler / Band: Shaman (mehr)
Veröffentlichungsdatum: 23. Mai 2005
Land: Brasilien
Stil / Genre: Power Metal
Label: AFM Records

Alben-Lineup:

Andre Matos – Vocals, Keyboards
Hugo Mariutti – Guitars
Luís Mariutti – Bass
Ricardo Confessori – Drums

Track-Liste:

1. Turn Away (04:25)
2. Reason (04:42)
3. More (The Sisters of Mercy cover) (04:06)
4. Innocence (04:39)
5. Scarred Forever (05:23)
6. In the Night (05:56)
7. Rough Stone (05:00)
8. Iron Soul (05:28)
9. Trail of Tears (03:52)
10. Born to Be (06:00)

Schon wieder eine Band der Tausend Gesichter. Oder waren es bloß zwei ?

Nach der mehr als interessanten Entwicklung der brasilianischen Power Metal-Institution ANGRA sah es um die Jahrtausendwende gut aus für drei ehemalige Mitglieder der Band: nicht nur, dass sie mit SHAMAN als mehr als ambitioniertes neues Metal-Projekt ins Leben riefen – das Debüt-Werk RITUAL (Review) schlug sogleich ein wie eine Bombe. Schlicht, da es ebenso genial wie einzigartig war und ist – und speziell Andre Matos alles richtig gemacht hatte. Gute 3 Jahre später sollte es dann an der Zeit sein für das zweite Studioalbum REASON – schließlich war das Potential weiterhin groß, die Energien der talentierten Musiker noch lange nicht verbraucht. Eine Frage aber stellte sich zweifelsohne: wie würden SHAMAN selbst mit einem Meilenstein wie RITUAL im Rücken umgehen ? Sicher hätten sich viele gewünscht, dass sie mit REASON ein ähnlich hochkarätiges, möglichst unverwechselbares Genre-Album auf die Beine stellen. Eben eines, wo nicht nur SHAMAN drauf steht – sondern auch SHAMAN drin ist.

Doch wo man zuvor von allerlei Verkehrungen des negativen (Ausstieg von Mitgliedern bei ANGRA) ins positive (Neugründung von SHAMAN und daraufhin Erfolg für beide Bands) sprechen konnte, sieht es in Bezug auf REASON schon wieder etwas anders aus. Wenn man so will, könnte man sogar sagen dass das Album erschreckend ist – nicht unbedingt erschreckend schlecht, aber doch erschreckend anders als sein Vorgänger. Sicher, es ist nur gut und richtig dass sich SHAMAN nicht bloß wiederholen wollten und sich weiterhin ausprobierten; ihr Talent sollte schließlich als Grundlage für so viele Bereiche fungieren können. Doch dass die Brasilianer schon nach einem Album eine Kehrtwende von 180 Grad vollziehen würden; damit war nun wahrlich nicht zu rechnen. Im Detail bedeutet das: REASON ist deutlich weniger energetisch und einzigartig als sein Vorgänger, streut immer wieder ungewöhnlich rockige sowie düstere Stimmungen ein – und auch der zuvor noch unglaublich abliefernde Andre Matos wirkt hier eher so, als würde er sich aus irgendeinem Grund zurückhalten.

Zurückhaltung ist dann wohl auch das Stichwort, wenn es um die Gesamtwirkung des Albums geht – das nicht schlecht geworden, aber schlicht und ergreifend etwas merkwürdig ist. Offenbar wussten selbst die Bandenmitglieder nicht so genau, wohin die Reise nun gehen sollte – was einen Umstand beschreibt, der dem Album zweifelsohne anzuhören ist. So klingt schon der Opener TURN AWAY als vermutlich härteste Nummer des Albums nicht mehr wirklich nach SHAMAN – und was darauf folgt, ist ebenfalls mit höchst gemischten Gefühlen zu betrachten. Das langatmige REASON beispielsweise funktioniert weder als rockige Ballade noch als rassiger Stampfer – der Soli-Part dudelt eher belanglos vor sich her, der Refrain wirkt ärgerlich weichgespült. Die Cover-Version von MORE ist dann interessant, aber auch nicht mehr – als Bonus-Track am Ende wäre das Ganze sicher besser aufgehoben. Auch IN THE NIGHT präsentiert sich relativ nichtssagend – trotz des symphonischen Einschübe und der offensichtlich an den Tag gelegten Energien; speziell Andre Matos legt sich hier ordentlich ins Zeug.

Doch ändert das nichts daran, dass viele der Nummern einfach nicht zünden und merkwürdig verhalten, harmlos und verwechselbar klingen. Den diesbezüglichen Höhepunkt erreicht man dabei sicher mit ROUGH STONE – einem der uninteressantesten Titel des Albums mit einem mehr als einschläfernden Refrain. Glücklicherweise gibt es aber auch eine Haben-Seite – mit Titeln wie INNOCENCE; welches eigentlich ’nur‘ die obligatorische Ballade des Albums markiert, aber eine verdammt gute ist und mit einem sagenhaften Spannungsbogen daherkommt. Auch SCARRED FOREVER klingt trotz seines etwas modernen Anstrichs gut, und überzeugt mit seinem vordergründig-schroffen Riffing als eine der härteren Nummern des Albums. IRON SOUL, TRAIL OF TEARS und BORN TO BE bewegen sich dann irgendwo dazwischen und sorgen für alles, nur keine Klarheit. Schlussendlich bleibt nur zu sagen: wer erwartet, dass SHAMAN hier ihre Erfolgsgeschichte des sagenhaften RITUAL fortsetzen, wird bitter enttäuscht werden. Wer dagegen offen für Veränderungen ist und nicht immer die volle Ladung Power Metal braucht, der könnte durchaus Gefallen am abwechslungsreichen, aber eben auch etwas unentschlossenen Sound des Albums finden.

Absolute Anspieltipps: TURN AWAY, INNOCENCE, SCARRED FOREVER


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„Nicht schlecht – aber kein Vergleich mit dem Vorgänger und schlicht eines der merkwürdigeren Genre-Alben.“

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