Metal-CD-Review: ALMAH – Motion (2011)

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Alben-Titel: Motion
Künstler / Band: Almah (mehr)
Veröffentlichungsdatum: 16. September 2011
Land: Brasilien
Stil / Genre: Power Metal
Label: Laser Company Records

Alben-Lineup:

Marcelo Moreira – Drums
Paulo Schroeber – Guitars
Marcelo Barbosa – Guitars
Edu Falaschi – Vocals, Keyboards
Felipe Andreoli – Bass

Track-Liste:

1. Hypnotized (05:16)
2. Living and Drifting (04:01)
3. Days of the New (04:38)
4. Bullets on the Altar (04:32)
5. Zombies Dictator (04:39)
6. Trace of Trait (04:25)
7. Soul Alight (04:19)
8. Late Night in ’85 (03:44)
9. Daydream Lucidity (05:12)
10. When and Why (03:44)

Auf die eine Kehrtwende folgt die nächste.

Die Geschichte und Diskografie der brasilianischen Power Metal-Combo ALMAH ist zweifelsohne eine besondere – und dass nicht nur, da der hiesige Bandgründer und Leadsänger Edu Falaschi durch die ebenfalls aus Brasilien stammende Genre-Institution ANGRA (so gesehen der große Bruder von ALMAH) bekannt geworden ist. Auch die unglaubliche Variabilität des Sängers, die eine jede Veröffentlichung zu etwas ganz besonderem oder auch ureigenen macht; sowie die nicht unbedingt konsequente stilistische Marschrichtung liefern seit jeher reichlich Diskussionsstoff. So haben ALMAH ihre Karriere ihrem 2006’er Debütalbum begonnen (Review) – das von vielen positiv aufgenommen wurde, insgesamt aber noch etwas zurückhaltend klang, eine Überdosis Balladen kredenzte und sich zudem weit vom Sound des geistigen großen Bruders ANGRA entfernte. Eventuell zu weit – denn wie gut ALMAH tatsächlich klingen konnten, zeigten sie erstmals auf ihrem zweiten Album FRAGILE EQUALITY (Review). Hauptsächlich, weil man sich nicht darauf versteifte möglichst anders zu klingen als viele Mitbewerber – und so dennoch, oder gerade deshalb einen gleichermaßen qualitativen wie schlicht erstklassigen Power Metal präsentierte.

Umso merkwürdiger erscheint es da, dass man auf dem dritten Album der Brasilianer abermals eine 180-Grad-Kehrtwende vorfinden wird. Die bereits im Albentitel implizierte MOTION, also Bewegung; ist hier schließlich eine eher rückwärtsgewandte. Wenn überhaupt, denn so gezwungen-modern und anbiedernd klangen ALMAH wohl noch nie. Was also genau innerhalb der relativ kurzen drei Jahre zwischen FRAGILE EQUALITY und MOTION geschehen ist, wissen wohl nur die Bandmitglieder selbst – doch Fakt ist, dass es sich überaus negativ auf das dritte Album ausgewirkt hat. Und das auch ganz unabhängig von der Frage, ob ALMAH schon wieder einen Stilwechsel nötig hatten; was im allgemeinen wohl noch zu verkraften gewesen wäre – Abwechslung war und ist man von Edu Falaschi ja gewöhnt. Doch was MOTION dem Hörer dann tatsächlich serviert, gleicht einer kleinen Frechheit. ALMAH sind hier kaum, wenn nicht gar überhaupt nicht mehr wiederzuerkennen. Der Gründe dafür gibt es hauptsächlich zwei: zum einen klingt das Album im gesamten eher rockig und modern – zwar nicht in einem soften Sinn, aber ohne jemals das Genre des klassischen Power Metal zu bedienen – und zum anderen inszeniert sich auch Edu Falaschi eher unspektakulär.

Schließlich verzichtet er auf MOTION darauf, seine eigentliche Variabilität und Stimmkraft zu präsentieren – und singt stattdessen in einer durchgehend tiefen, von einem rauen Rock-Charme getragenen Stimmlage inklusive reichlich Whiskey und Zigaretten. Zumindest klingt es so – was zu einigen anderen Bands passen mag, aber doch nicht zu ALMAH. Auch das Instrumentenspiel passt sich dieser neuen, merkwürdigen Bar-Atmosphäre an – sodass man sich MOTION auch als Soundtrack für so manchen Hollywood-Actioner mit vermeintlich rauen Kerlen in den Hauptrollen vorstellen könnte. Was dem Album bleibt, ist das grundsätzlich gelungene Gitarrenspiel inklusive der schön schroffen Riffs – die wohl das einzige Highlight des Albums markieren. So hätte aus Nummern wie HYPNOTIZE vielleicht noch etwas werden können – doch die stumpfen Gesangspassagen und der ganz und gar peinliche Refrain verhindern weiteres. Die Refrains sind überhaupt das Stichwort: was helfen die extrem rauen, wenn man so will dreckig inszenierten Strophen; wenn man letztendlich doch alles in einem verwechselbaren, Mainstream-tauglichen Refrain versumpfen lässt ?

Immerhin offeriert sich somit ein weiteres Gedankenspiel: vielleicht sollten sich ALMAH mal an ein Trash Metal-Album wagen. Sicher bekäme Edu Falaschi auch das hin – und es wäre allemal sinniger, seine wie-auch-immer geartete düstere Seite in diesem Bereich auszuprobieren als wie hier in verkappten 08/15-Hardrock-Nummern mit einschläfernden Refrains. Selbst das noch am ehesten an ALMAH erinnernde DAYDREAM LUCIDITY klingt merkwürdig verhalten – dieses Mal in Bezug auf den Gesang. Sicher, der ein oder andere halbwegs ansprechende Soli-Part lässt sich vielleicht noch finden; und auch die Produktion ist über so gut wie alle Zweifel erhaben. Doch spätestens mit Titeln wie BULLETS ON THE ALTAR oder ZOMBIES DICTATOR (in dem Falaschi nun auch erstmals wild keift) weiß man, was man bekommt – alleine von ihren Titeln her klingen die Nummern wie ein schlechter Witz, und das sind sie auch. Was auch immer ALMAH und Edu Falaschi also geritten haben – es ist zu hoffen, dass es bei einem einmaligen Ausrutscher bleibt.

Absolute Anspieltipps: /


25button

„Auch wenn es draufsteht – das sind nicht ALMAH.“

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