Metal-CD-Review: ANGRA – Aurora Consurgens (2006)

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Alben-Titel: Aurora Consurgens
Künstler / Band: Angra (mehr)
Veröffentlichungsdatum: 30. Oktober 2006
Land: Brasilien
Stil / Genre: Power Metal
Label: Steamhammer

Alben-Lineup:

Rafael Bittencourt – Guitars
Felipe Andreoli – Bass
Aquiles Priester – Drums
Edu Falaschi – Vocals
Kiko Loureiro – Guitars, Keyboards

Track-Liste:

1. The Course of Nature (04:30)
2. The Voice Commanding You (05:29)
3. Ego Painted Grey (05:49)
4. Breaking Ties (03:30)
5. Salvation: Suicide (04:22)
6. Window to Nowhere (06:01)
7. So Near So Far (06:11)
8. Passing By (06:31)
9. Scream Your Heart Out (04:24)
10. Abandoned Fate (03:09)

Geschichten von der aufsteigenden Morgenröte.

Die Diskografie der brasilianischen Power Metaller von ANGRA ist zweifelsohne eine bewegte. Eben so, wie man es auch von einer regelrechten Genre-Institution erwarten würde – die beileibe nicht nur die brasilianische Power Metal-Kultur mitgeprägt hat. Dass aber selbst eine Band wie ANGRA nicht davor gefeit war, auch mal ein deutlich schwächeres Album zu veröffentlichen zeigte sich mit dem dritten Studioalbum FIREWORKS (Review) – welches trotz vieler einzigartiger Elemente deutlich hinter den beiden Vorgängern HOLY LAND (Review) und ANGELS CRY (Review) anstehen musste. Viel Zeit, das offenbar relativ brachliegende Potential der Band zu bedauern gab es allerdings nicht. Schließlich folgte mit dem 2001’er Album REBIRTH (Review) die nicht nur sprichwörtliche Wiedergeburt von ANGRA, welche die Band in gänzlich neue Sphären katapultierte – auch dank der neuen Besetzung. Mit dem Nachfolger und der quasi-Compilation TEMPLE OF SHADOWS (Review) aus dem Jahre 2004 setzte man dem Ganzen dann auch noch die Krone auf – so kräftig, vielfältig und über wirklich alle Maßen versiert klang bis dato noch kein ANGRA-Album.

Betrachtet man nun AURORA CONSURGENS, das 2006’er Album der Band; so hätte man eigentlich erwarten können dass ANGRA die neuerliche Tradition der hervorragenden Veröffentlichungen fortsetzen würden. Immerhin wäre so auf eine gute bis sehr gute Trilogie unter alter Besetzung (ANGELS CRY, HOLY LAND, FIREWOKS) noch eine weitere, dieses Mal sogar ausgezeichnete entstanden (REBIRTH TEMPLE OF SHADOWS, AURORA CONSURGENS). Doch wie so oft zeigt sich: man sollte immer mit Überraschungen rechnen, ob positiven oder negativen. In welche Richtung AURORA CONSURGENS letztendlich tendiert, muss ein jeder für sich selbst ausmachen – doch Fakt ist, dass sich abermals etwas in Bezug auf das Soundgewand der Band getan hat. Die Veränderungen sind sogar recht gravierend: von der direkten, unmittelbaren und eher unkomplizierten Wirkung eines TEMPLE OF SHADOWS muss man in jedem Fall Abschied nehmen.

Doch das muss nicht zwingend schlechtes bedeuten – nur, dass eine extreme Umgewöhnung notwendig sein dürfte. Schließlich klingt AURORA CONSURGENS allgemein düsterer und eventuell auch schwergängiger als alle bisherigen ANGRA-Alben – und das in Bezug auf so gut wie alle Elemente. Das Riffing wirkt nun schwerer und nicht mehr ganz so verspielt, das Tempo wird immer wieder markant gedrosselt – und auch der Leadgesang von Edu Falaschi hat sich der neuerlichen Atmosphäre angepasst. Wenn man so will klingt er etwas bodenständiger und nicht mehr ganz soweit ausholend wie zuvor; das gleiche gilt auch für viele der Kompositionen. Mit denen zielt man nun nicht mehr darauf ab, möglichst sofort zündende Hymnen zu erschaffen – sondern eher progressiv angehauchte Stampfer, die erst nach und nach ihren Charme entfalten. Dafür ist bereits der Opener THE COURSE OF NATURE ein hervorragendes Beispiel, der zudem mit einer ansprechenden Instrumentalstrecke im späteren Verlauf aufwartet. THE VOICE COMMANDING YOU ist dann am ehesten das, was man als schmackige Hymne bezeichnen könnte – und die funktionieren bei ANGRA spätestens seit REBIRTH hervorragend.

Was dann folgt, beinhaltet einige nicht wirklich überraschende aber zweifelsohne starke Momente (WINDOW TO NOWHERE, SCREAM YOUR HEART OUT) – aber eben auch die potentiellen Knackpunkte des Albums. So werden das merkwürdige SO NEAR SO FAR, die eher abgedroschene Ballade ABANDONED FATE oder eine Nummer wie BREAKING TIES sicher nicht jedermann gefallen – tatsächlich scheint speziell hier der eher harmlos-rockige bis Radio-taugliche Anstrich eher ungewöhnlich für ANGRA. Das gelingt der Band in PASSING BY schon besser: hier vermengen sich jene zugänglichen Elemente mit einigen typischen ANGRA-Trademarks wie einer grandiosen Instrumentalstrecke oder den furios-kräftigen Gesangsausbrüchen von Edu Falaschi. Dennoch kann man eines nicht verhehlen: AURORA CONSURGENS klingt insgesamt deutlich glattgeschliffener; und wenn man so will auch Mainstream-tauglicher als seine Vorgänger. Das hat wie so oft Vor- und Nachteile – wirkt sich im Vergleich mit dem grandiosen Vorgänger aber verständlicherweise eher negativ auf die Wertung aus. Es gilt, das Album in mehreren Durchläufen für sich zu entdecken, ob als Fan oder als Neueinsteiger – und zu hoffen, dass ANGRA noch einmal ein Mammut-Werk wie TEMPLE OF SHADOWS auf die Beine stellen können.

Absolute Anspieltipps: THE COURSE OF NATURE, THE VOICE COMMANDING YOU, SALVATION SUICIDE, WINDOW TO NOWHERE


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„Teilweise etwas weichgespült und bei weitem nicht so gut wie der Vorgänger – aber noch immer eine solide Leistung.“

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