Metal-CD-Review: ANGRA – Temple Of Shadows (2004)

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Alben-Titel: Temple Of Shadows
Künstler / Band: Angra (mehr)
Veröffentlichungsdatum: 6. September 2004
Land: Brasilien
Stil / Genre: Power Metal
Label: SPV GmbH

Alben-Lineup:

Edu Falaschi – Vocals
Kiko Loureiro – Guitars, Keyboards
Rafael Bittencourt – Guitars
Felipe Andreoli – Bass
Aquiles Priester – Drums

Track-Liste:

1. Deus le Volt! (00:52)
2. Spread Your Fire (04:25)
3. Angels and Demons (04:11)
4. Waiting Silence (04:55)
5. Wishing Well (04:00)
6. The Temple of Hate (05:13)
7. The Shadow Hunter (08:05)
8. No Pain for the Dead (05:05)
9. Winds of Destination (06:56)
10. Sprouts of Time (05:10)
11. Morning Star (07:39)
12. Late Redemption (04:55)
13. Gate XIII (05:04)

Wo Schatten ist, ist auch Licht.

Im gerade erst begonnenen neuen Millennium standen die Zeichen gut für die brasilianischen Power Metaller von ANGRA. Schon 2001 hatten sie mit ihrem vierten Studioalbum REBIRTH (Review) eindrucksvoll aufgezeigt, dass sie sich nicht auf vorangegangen Lorbeeren ausruhen wollten – und mit einigen kleineren und größeren Veränderungen dafür gesorgt, dass sie ihr bis dato bestes Album abgeliefert hatten. Mit diesem sehr starken Auftakt einer neuen Band-Epoche und zeitlosen Klassikern wie dem wichtigen Debütalbum ANGELS CRY (Review) im Gepäck war man offenbar gerüstet, auch in Zukunft markant durchzustarten – wobei der erste diesbezügliche Versuch nach REBIRTH auf den Namen TEMPLE OF SHADOWS horcht und aus dem Jahre 2004 stammt. Zeitgleich handelt es sich hierbei um ein Album, welches das vielleicht überraschendste der bisherigen ANGRA-Diskografie ist – was mehrere Gründe hat.

Nicht wirklich überraschend, aber sehr gut ist; dass ANGRA auch dieses Mal ihr Potential vollständig ausschöpfen – und es schon längst nicht mehr gilt, sich an kleineren Unstimmigkeiten aufzuhalten. Die gab es schon auf REBIRTH nur sehr vereinzelt – und TEMPLE OF SHADOWS legt sogar noch einen drauf. Anders gesagt: wenngleich man annehmen konnte, dass sich REBIRTH bereits verdächtig nahe an einer wie-auch-immer gearteten Genre-Perfektion bewegte; wirkt das fünfte Studioalbum von ANGRA schlicht noch etwas runder, ergreifender und eindrucksvoller. Denn auch wenn die ureigenen Elemente, die man speziell mit traditioneller Musik aus Lateinamerika assoziieren würde deutlich sparsamer eingesetzt wurden; haben sich ANGRA um eine möglichst große Bandbreite an verschiedenen Stimmungen und eindrücken bemüht. Mit Erfolg: statt mit den mitunter recht einzigartigen, aber einstweilen auch etwas schleppend inszenierten exotischen Klängen eines HOLY LAND oder FIREWORKS trumpft TEMPLE OF SHADOWS mit einer wuchtigen Metal-Instrumentierung und der nötigen Portion Progressivität auf.

Vor allem zwei Elemente stehen dabei so stark im Fokus wie noch nie: der Leadgesang und die Gitarren. Ersterer stammt wie schon bei REBIRTH von Edu Falaschi, doch scheint sich der in Bezug auf TEMPLE OF SHADOWS noch einmal deutlich gesteigert zu haben. Sicher auch, weil er hier etwas mehr Abstand nimmt vom allgemein typischen Genre-Gebaren, und sich stattdessen überraschend kräftig inszeniert. Die gefühlvollen, balladesken Momente a’la WISHING WELL gelingen ihm allerdings auch vorzüglich – die Entscheidung, ihn ins Boot zu holen und Andre Matos zu verabschieden konnte spätestens jetzt als absolut richtige bezeichnet werden. Doch auch die Gitarren haben auf TEMPLE OF SHADOWS allerlei Glanzmomente. Während REBIRTH schon ein Schritt in eine deutlich Power Metal-lastigere Instrumentierung war, scheint nun der Zenit erreicht – zumindest was die technisch versierten, wunderbar klingenden Frickeleien und deren Wichtigkeit in den Kompositionen betrifft. Doch natürlich gibt es auch dieses Mal wieder einige akustische Passagen, verschiedene andere Instrumente oder auch mal ein gelungenes symphonisches Instrumental (GATE XIII) zu hören; was den Faktor der Abwechslung abermals steigert.

Eine Kleinigkeit, die das Album zusätzlich vom schon gelungenen Vorgänger REBIRTH abhebt; findet sich in einigen überraschenden Gastauftritten. So wird man nicht nur einige alte bekannte (Kai Hansen, Hansi Kürsch, Sabine Edelsbacher) entdecken – sondern auch, dass sich hier eine Größe wie Miro Rodenberg für einen Großteil der Keyboards verantwortlich zeichnet oder eher unbekannten klassischen Musikern aus Brasilien eine Bühne gegeben wird. Wenn man es negativ ausdrücken wollte, könnte man sagen dass ANGRA deshalb etwas weniger nach sich selbst respektive ihrer alten Form klingen – doch andererseits gibt gerade dieser gefühlte Compilation-Anstrich dem Album eine herrlich frische, zusätzlich gewichtige Note. Ohnehin wird man sich nicht daran stören, lauscht man erst einmal dem Alben-Auftakt mit dem wahnsinnigen SPREAD YOUR FIRE, dem antreibenden ANGELS AND DEMONS oder dem symphonisch angehauchten WAITING SILENCE. Aber auch im weiteren Verlauf lassen sich keinerlei Schwächen entdecken, selbst die eher ruhigen Momente wissen aufgrund des hervorragenden Handwerks und einer vergleichsweise immensen Glaubwürdigkeit durchweg zu überzeugen. Wenn man einmal in den Genuss kommt und sich eine handvoll Alben für eine einsame Insel aussuchen muss, sollte TEMPLE OF SHADOWS in jedem Fall dabei sein.

Absolute Anspieltipps: Alle


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„Ein Highlight in jeder Hinsicht.“

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