TV-Kritik / Serien-Review: THE WALKING DEAD (Staffel 6)

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Originaltitel: The Walking Dead Season 6
Relation: Fortsetzung der fünften Staffel
Typ: TV-Serie
Umfang / Laufzeit: 16 Folgen (je ca. 45 Minuten)
Land: USA
Produktion: Circle of Confusion, Valhalla Motion Pictures
Idee: Frank Darabont, Robert Kirkman (Comic), Tony Moore (Comic)
Genre: Drama / Horror / Endzeit
Tags: The Walking Dead | Rick Grimes | Zombies | Überleben

Staffel 6 | Episodenliste (Deutsche & Englische Titel)

1 – First Time Again | Herdentrieb
2 – JSS | Kämpfer
3 – Thank You | Danke
4 – Here Is Not Here | Hier ist nicht hier
5 – Now | Hier und Jetzt
6 – Always Accountable | Wer die Wahl hat
7 – Heads Up | Die Wand
8 – Start To Finish | Nicht das Ende
9 – No Way Out | In der Falle
10 – The Next World | Die neue Welt
11 – Knots Untie | Lösung
12 – Not Tomorrow Yet | Die Nacht vor dem Morgen
13 – The Same Boat | Im selben Boot
14 – Twice As Far | Keine Gleise
15 – East | Nach Osten
16 – Last Day On Earth | Der letzte Tag auf Erden

Nicht nur die Gruppe um Rick betreffen Unsicherheiten.

Inhalt: Nachdem die Machtverhältnisse in der befestigten Stadt Alexandria neu ausgelotet wurden, haben sich der ehemalige Sheriff Rick Grimes und sein Gefolge gut in der vorerst sicheren Umgebung eingelebt. Selbst zu den eigentlichen Einwohnern der Stadt pflegen sie einen immer besseren Kontakt – und bringen sie ihnen auch einige der Tricks und Kniffe bei, die sich während ihrer langen Reise durch das Zombie-Ödland als patent erwiesen haben. Das scheint auch bitter nötig, schließlich hat die Gruppe mit einem so noch nicht dagewesenen Zombie-Ansturm zu kämpfen. Doch sind die Untoten beileibe nicht die einzigen Gegner, die den Überlebenden zu schaffen machen: auch eine mysteriöse Organisation, deren Mitglieder sich schlicht die Wölfe nennen; tritt auf den Plan. Offenbar scheinen sie nichts anderes zu wollen als Alexandria zu infiltrieren und wahllos zu töten… doch selbst nachdem diese Gefahr vorerst gebannt werden kann, bleibt die Situation heikel. Als die Gruppe eine weitere Siedlung mit friedlich gesinnten Überlebenden entdeckt, beschließt man Handel zu treiben – doch es scheint, als lauere noch eine andere Gruppierung im Hintergrund. Und auch ein spezieller Name fällt immer wieder… doch wer genau ist dieser Negan, und was hat er vor ? Doch selbstverständlich haben auch Rick, Carl und alle anderen ihre ganz eigenen Probleme – offenbar stehen der Gruppe gravierende Entscheidungen bevor.

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Mit The Walking Dead geht die erfolgreichste Pay-TV-Serie aller Zeiten in die nächste Runde.“ (Quelle foxchannel.de)

Kritik: Nun also wurde sie komplett im Pay-TV ausgestrahlt – die mittlerweile sechste Staffel von THE WALKING DEAD. Fakt ist: auch dieses Mal haben wieder unzählige Zuschauer eingeschaltet, ob nun in den USA oder in Deutschland – eine sicherlich erfolgreiche Ausstrahlung im Free-TV wird folgen. Die Begeisterung für das Zombie-Franchise scheint ungebrochen – auch, da die sechste Staffel mit dem neuen Schauplatz Alexandria, einer daraus resultierenden neuen Gruppendynamik, neuen Charakteren und dem Auftreten zweier großer Feind-Gruppen viel versprochen hat. Dies gepaart mit den anderen, grundsätzlichen Stärken der Serie – wie etwa dem großzügigen Fokus auf die Charaktere, den einstweilen schockierenden Überraschungen sowie den soliden handwerklichen Aspekten inklusive der Zeichnung einer halbwegs glaubwürdigen post-apokalyptischen Welt sollten Fans auch während der 16 Episoden langen sechsten Staffel bei Laune halten.

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Daryl und Rick aka die knallharten Jungs auf Besorgungstour.

Dabei ist THE WALKING DEAD keine großartige TV-Serie per se – sondern eher eine, die nach der starken ersten und eventuell auch zweiten Staffel (Review) starke qualitative Einbußen verzeichnete und die Zuschauergemeinde seit jeher spaltet. Gründe dafür gibt es bekanntlich einige – wie es unter anderem auch im ausführlichen Beitrag zur fünften Staffel der Serie (Review) ausgeführt wurde. In Bezug auf die sechste Staffel kamen und kommen aber nun sogar jene ins Wanken, die geneigt waren über viele kleinere Schwächen des Franchise hinwegzusehen und der Serie seit jeher die Treue halten. Einer der aktuelleren Gründe hierfür ist vor allem in der großen (und etwas längeren) Final-Episode zu finden, die nicht wenige als Enttäuschung ansehen. Dies ist aber nicht der einzige Grund, ganz ähnliche Anwandlungen der Macher gab es auch schon vorher – doch dieses Mal könnten sie das Fass schlicht zum überlaufen gebracht haben. Und tatsächlich: das lange versprochene Highlight, auf das man so lange hingearbeitet hatte; entpuppt als regelrechte Farce. Und das ganz unabhängig von der Comicbuch-Vorlage oder in Bezug auf das Franchise selbst. Kurzum: so etwas macht man einfach nicht.

Es gehört sich für keine TV-Serie, derart ausführlich auf ein versprochenes Highlight hinzuarbeiten – nur, um die Ausführung in einem weiteren, ärgerlichen Cliffhanger enden zu lassen. Wobei es das noch nicht einmal genau trifft, denn wenn man so will besteht die gesamte finale Episode aus nichts anderem als diesem Cliffhanger. Und das ist für ein groß angekündigtes, pompös umworbenes Staffel-Finale schon etwas mau – ob es sich dabei nun um THE WALKING DEAD handelt oder ein anderes, imaginäres. So wurden und werden alteingesessene Fans aufgrund der Gestaltung der sechsten Staffel durchaus auf eine neuerliche Probe gestellt werden – das Hinwegsehen über die ständigen Entgleisungen der Verantwortliche fällt schwerer und schwerer. Schließlich ist jener besagte Cliffhanger längst nicht das einzige Problem.

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Auch Carl findet neue Freunde… und Feinde.

So finden sich – neben den schon in den früheren Reviews zur Serie behandelten Negativ-Aspekten wie einer gewissen Eintönigkeit, nicht immer durchdachten Ideen und einiges mehr – besonders in der sechsten Staffel weitere Hinhaltungs-Taktiken und andere Ärgernisse. In Bezug auf die ständigen Cliffhanger und Vertröstungen auf später scheinen die Macher erst gar keinen Hehl daraus zu machen, dass sie damit auf eine zusätzliche Bindung der Zuschauer abzielen – was offenbar sehr gut funktioniert. Die Frage ist allerdings, wie lange. Denn selbst wenn man für satte fünf Staffeln geneigt war, über derlei (und dabei sicherlich vergleichsweise plumpen) Maßnahmen hinwegzusehen, verliert irgendwann jeder die Geduld. Vielleicht wäre das auch gar nicht so schlecht – eine Art Denkzettel könnten die Verantwortlichen schließlich in jedem Fall gebrauchen.

Besonders ärgerlich ist dabei nach wie vor, dass THE WALKING DEAD schlicht so viel besser sein könnte. Das Setting mit seiner regelrechten Zombie-Apokalypse ist zeitlos und zumindest in Verbindung mit einer groß angelegten TV-Serie einzigartig; die Charaktere sind gut besetzt, die Darsteller geben ihr bestes, der Unterhaltungswert ist theoretisch enorm. Doch während schon die vorangegangenen Staffeln an vielen kleineren Unstimmigkeiten zu leiden hatten, summieren sie diese nun auf ein gänzlich neues Niveau. Anders, und frei heraus gesagt: THE WALKING DEAD wirkt vor allem in der sechsten Staffel nicht selten hirnlos. Das mag zwar irgendwie zum Thema passen, doch vermutlich wäre jeder beliebige Hobby-Autor auf bessere Ideen gekommen als die Verantwortlichen. Es scheint dabei fast ein Gesetz geworden zu sein, dass irgendetwas besonders negativ auffällt. Mal sind es die Ideen selbst, ein anders Mal die Inszenierung eben dieser. So gibt es auch dieses Mal wieder einige zwar überraschende (und wie immer auf eine gewisse Schock-Wirkung abzielende) Charakter-Tode – doch wie es dazu kommt, ist in vielen Fällen einfach nur hanebüchen und spottet einer jeden Beschreibung.

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Carol hat dieses Mal nicht nur mit Morgan, sondern auch ihren eigenen Dämonen zu kämpfen…

Das gleiche gilt auch für einzelne Situationen, in denen sich die Charaktere befinden – man kann sich des öfteren einfach nur an den Kopf fassen und fragen, was genau bloß in den Köpfen der Macher vorgegangen ist. Infolge dessen hat die Serie auch stark in Bezug auf eine ehemalige Stärke zu knabbern: die der Glaubwürdigkeit. Sicher, allzu realistisch war die Serie noch nie; wobei es sich bei einem Begriff wie diesem immer um eine Auslegungssache handelt. Doch nun schlagen einige Anwandlungen der Charaktere dem Fass schlicht den Boden aus. Da hilft es leider auch nicht mehr viel, wenn die Zombie-Scharen weiterhin stimmig inszeniert werden (die Arbeit der Kostüm- und Maskenbildner beispielsweise ist nach wie vor exzellent) und man allerlei theoretisch spannende, bedrohliche Situationen vorstellt. Denn spätestens wenn man geneigt ist sich in die Charaktere hineinzuversetzen, ist es um die Atmosphäre geschehen.

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Die Schauplätze sind abwechslungsreich, die Vielfalt groß… und die Stimmung dennoch getrübt.

Fazit: Neben einigen alten, sicherlich noch immer aktuellen Fragen um den Sinn und Unsinn sowie die Zukunft von THE WALKING DEAD gesellen sich mit der sechsten Staffel noch ganz andere Probleme hinzu – vornehmlich solche, die aus dem augenscheinlich etwas frechen Gebaren der Macher hervorgehen. Man kann sich einstweilen kaum des Gefühls erwehren, als wäre es ihnen relativ egal was mit ihrem Franchise geschieht – solange die Zuschauer nur weiterhin einschalten. Das mag zwar auch auf nicht wenige andere TV-Serien zutreffen, doch in diesem Fall scheint es besonders offensichtlich. Die dafür zu Rate gezogenen Mittel sind entweder plump oder ärgerlich (Stichwort übertriebene Cliffhanger), oder beziehen sich auf eine ungewöhnliche Nachlässigkeit der Drehbuchautoren und Verantwortlichen am Set. Was und wie es genau erzählt wird scheint langsam aber sicher egal zu sein. Doch was müssen die Macher der Serie über ihre Zuschauer denken, wenn ihnen inhaltliche und erzählerische Qualitäten egal sind ? Fakt ist: es bleibt nicht mehr viel über. An den soliden handwerklichen Aspekten, d.h. vor allem den Zombies hat man sich schon lange satt gesehen, die gelegentlichen Splatter-Einlagen locken keinen mehr hinter dem Ofen hervor, die Probleme der einzelnen Charaktere wiederholen sich. Das Potential von THE WALKING DEAD scheint mit der sechsten Staffel jedenfalls endgültig brachzuliegen. Doch es wird weitergehen – vielleicht ja mit der ein oder anderen Überraschung (was zu hoffen wäre), doch vermutlich ohne Rücksicht auf qualitative Verluste. Schade…

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„Auf eine überdurchschnittliche fünfte Staffel folgt die bisher ärgerlichste – eine, die eher den Charme einer verkappten Comedy offenbart als eine ansprechende Survival-Atmosphäre zu erschaffen.“

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Ein Gedanke zu “TV-Kritik / Serien-Review: THE WALKING DEAD (Staffel 6)

  1. Ich glaube ich gehöre zu der winzigen Minderheit die die Meinung vertritt, dass die Serie maßlos überbewertet wird. Mir gehts da genauso wie mit „Game of Thrones“. Irgendwie habe ich da keinen Bedarf.

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