Metal-CD-Review: AGE OF ARTEMIS – The Waking Hour (2014)

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Alben-Titel: The Waking Hour
Künstler / Band: Age Of Artemis (mehr)
Veröffentlichungsdatum: 18. Juli 2014
Land: Brasilien
Stil / Genre: Melodic Power Metal
Label: Power Prog Records

Alben-Lineup:

Giovanni Sena – Bass, Guitars
Pedro Sena – Drums
Gabriel „T-Bone“ Soto – Guitars
Nathan Grego – Guitars
Alírio Netto – Vocals

Track-Liste:

1. Penance (01:31)
2. Under the Sun (04:58)
3. Broken Bridges (04:33)
4. The Waking Hour (04:38)
5. Hunger and Shame (04:14)
6. Melted in Charisma (04:53)
7. Childhood (06:37)
8. Your Smile (03:40)
9. Exile (03:56)
10. New Revolution (05:13)
11. Winding Road (05:21)

Vielleicht doch eher ein böses Erwachen ?

Mit ihrem überraschenden Debütalbum OVERCOMING LIMITS (2012, Review) konnten die Brasilianer von AGE OF ARTEMIS durchaus für Aufsehen sorgen – und das nicht nur, da man potentiell hochkarätigen Genre-Bands aus hiesigen Gefilden gerne eine Chance gibt respektive Gehör schenkt. Vielmehr war es das großzügige Angebot hinsichtlich einer enormen Abwechslung im Rahmen der 10 präsentierten Titel, mehr als nur soliden handwerklichen Leistungen und dem besonderen Produktions-Schliff eines Edu Falaschi. Die hatte vor allem einen Vorteil: AGE OF ARTEMIS klangen einstweilen so, als wären sie die heimlichen Nachfolger von ANGRA. Und das sogar mit der Fähigkeit, die beachtlichen Fußstapfen auch tatsächlich ausfüllen zu können. Die Kehrseite der Medaille dagegen offenbarte nur ein Problem: eine eigene Identität, oder analog dazu auch einen unverwechselbaren Sound konnten AGE OF ARTEMIS folgerichtig nicht anbieten. Nun, und gute 2 Jahre später scheint man sich aber gerade darum gekümmert zu haben: THE WAKING HOUR hat kaum noch etwas mit dem Vorgänger gemein und klingt wenn man so will wesentlich eigenständiger.

Allerdings offenbart sich nunmehr ein anderes, eventuell gravierenderes Problem: AGE OF ARTEMIS haben in Bezug auf ihr zweites Studioalbum in vielerlei Hinsicht eingebüßt. Was genau das Problem ist, lässt sich vermutlich nur schwer in Worte fassen – zumindest wenn man es möglichst versöhnlich ausdrücken möchte. Und doch gibt es eine Band, die einen ganz ähnlichen Werdegang durchgemacht hat: TWILIGHTNING aus Finnland. Während sie mit ihrem Debütalbum DELIRIUM VEIL (Review) ebenfalls ein beachtliches Power Metal-Feuerwerk abgeliefert hatten, entschieden sie sich im weiteren Verlauf dazu gänzlich andere Wege zu gehen – vornehmlich solche, die kaum noch mit dem eigentlich bedienten Genre am Hut hatten. Und genau das scheint nun auch bei AGE OF ARTEMIS zu passieren – ihr Album THE WAKING HOUR ist in etwa das, was das unentschlossene PLAGUE HOUSE PUPPET SHOW (Review) für TWILIGHTNING war. Mit einer gewissen Fantasie, versteht sich.

In erster Linie bedeutet das, das die Kompositionen insgesamt deutlich weniger voranpreschend und temporeich ausgefallen sind – und die geballte Kraft und Ausdrucksstärke des Vorgängers einer deutlich softeren, ganz und gar harmlosen Seite der Band gewichen sind. Wobei diese Bezeichnungen allein eventuell nicht ausreichen. Schließlich scheint es, als würden sich AGE OF ARTEMIS auf THE WAKING HOUR einstweilen explizit dem AOR-Mainstream anbiedern – mit einer extrem leichtgängigen Marschrichtung irgendwo zwischen einem modernen Melodic Metal, einem eingängigen Rock und dem glatt-geschliffenen Sound diverser Radiostationen. Was der Band bleibt, ist eigentlich nur ihr Gitarrensound inklusive einiger noch immer markanter Riffs (wie in BROKEN BRIDGES) – und die hie und da eingesetzten Elemente die doch noch darauf hinweisen, dass es sich hier um eine Band handeln könnte die nicht aus den USA kommt. Insbesondere die Refrains hat es auf THE WAKING HOUR arg getroffen: sie klingen mal so gar nicht nach einer zünftigen Melodic Metal-Band, sind stets etwas zu laut; und wirken nicht selten aufdringlich. Das kuriose: trotz einer gewissen, man nenne sie Softness bleiben diese Refrains überhaupt nicht im Ohr – sie eignen sich eher zum Vergessen. Was leider auch für den Leadgesang des grundsätzlich sehr wandelbaren Alírio Netto gilt – der hier vor allem Probleme in den höheren und kräftigen Lagen (einige Screams klingen beispielsweise auffällig bemüht) hat.

Selbst die noch halbwegs interessanten Nummern wie UNDER THE SUN, MELTED IN CHARISMA oder der Titeltrack (der eventuell noch der härteste des gesamten Albums ist) lassen sich so nur schwerlich verkosten. THE WAKING HOUR ist somit kaum noch mit dem grundsoliden Vorgänger zu vergleichen, was nicht das einzige Problem ist – schließlich ist es auch davon unabhängig ein überraschend langatmiges, Highlight-armes und mit Sicherheit auch viel zu gewöhnliches Album geworden. Eines, das mit dem Genre des Power Metal nicht mehr viel am Hut hat und selbst für Melodic Metal-Verhältnisse recht weichgespült daherkommt – in Anbetracht der bisherigen Diskografie aber einfach nur ärgerlich unentschlossen klingt. Die immer wieder eingestreuten, höchst verschiedenen und einen gewissen progressiven Anstrich vorgaukelnden Eindrücke sprechen da Bände – sie stören den Fluss und die Konsequenz des Albums. Einige vereinzelte Momente machen noch dezent Laune – wie etwa das verhältnismäßig überdurchschnittliche EXILE. Doch wenn man erst einmal zu Langweilern wie HUNGER AND SHAME, wahren Fremdschäm-Titeln wie YOUR SMILE oder einer gefühlten Vitor Veiga-Kopie in WINDING ROAD gelangt; dann ist es auch schon wieder vorbei mit jener Großzügigkeit, die man AGE OF ARTEMIS so gerne entgegengebracht hätte.

Absolute Anspieltipps: EXILE


40button

„Dann doch lieber eine bloße ANGRA-Kopie.“

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