CD-Review: D’ARTAGNAN – Seit An Seit (2016)

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Alben-Titel: Seit An Seit
Künstler / Band: D’Artagnan (mehr)
Veröffentlichungsdatum: 26. Februar 2016
Land: Deutschland
Stil / Genre: Pop / Schlager
Label: Sony Music

Alben-Lineup:

Ben Metzner – Leadvocals, Dudelsack, Flöten
Tim Bernard – Vocals, Gitarre
Felix Fischer – Vocals, Gitarre, Bass

Track-Liste:

1. Seit An Seit
2. Ehre Wem Ehre Gebühret
3. Komm Mit
4. Bis Zum Letzten Atemzug
5. Meine Liebste Jolie
6. En Garde
7. So Wie Du
8. Für Immer Dein
9. 7 Meilen
10. Freiheit
11. Tourdion
12. Rabenballade
13. Mann Mit Der Eisernen Maske
14. Heldenlied

Wenn es aus dem Feuer- ein Plüschschwanz wird.

Wer die Musiklandschaft der letzten Jahre beobachtet hat, der wird es bereits festgestellt haben: der deutsche Schlager ist wieder absolut im Kommen und allgemein salonfähig. Zumindest wenn er nicht zu altbacken klingt – und die entsprechenden Interpreten mit einem gewissen, möglichst unverwechselbaren Image versehen werden. In solchen Fällen scheint es dann auch fast keine Rolle mehr zu spielen, ob es sich um den klassischen Schlager oder um deutlich modernere, in vielerlei Hinsicht aufgepeppte Varianten handelt. Neben einer für sich stehenden Galionsfigur wie Helene Fischer verkörpert die deutsche Band SANTIANO etwa all das, was durch ein geschickt vermarktetes Zusammenspiel von seicht-eingängiger Musik und einer großen Portion Seefahrer-Romantik entstehen kann. Und auch wenn gerade diese Formation nicht ausschließlich das Genre des Schlagers bedient, scheint das dahinterstehende Prinzip eher einfach – wie auch die Musik selbst. Und genau darum geht es im Schlager: die Texte müssen verständlich sein, die Melodien zum Mitschunkeln anregen, die Kompositionen schnell Emotionen wecken.

Auf diesen Zug springen nun auch D’ARTAGNAN aus Franken auf – eine Band, die sich ebenfalls Gedanken über ihr Image gemacht hat und nun die Sparte des sogenannten Musketier-Rock für sich beansprucht. Was genau das bedeutet, liegt auf der Hand: D’ARTAGNAN haben im Kostüm-Fundus eines beliebigen Mantel- und Degenfilms gegraben und präsentieren sich in Videos und Interviews als Natur-affine, stets romantisch-schmachtende Barden – wobei es auch vorkommen kann, dass sie sich auf ein edles Ross schwingen und mit vom Wind zerzausten Haar durch die Prärie reiten. Ob bereits das tatsächlich eine gewisse Abenteuerlust weckt oder einfach nur lächerlich wirkt, muss wohl jeder für sich selbst entscheiden. Doch geht es in diesem Fall ohnehin weniger um das inszenierte Image, als um das Angebot hinsichtlich des musikalischen Materials. Und das hätte zumindest Potential, anders als vieles zu sein was man heute im Radio hört. Immerhin ist Band-Kopf Ben Metzner Stamm-Mitglied bei FEUERSCHWANZ – einer seit 2004 bestehenden Mittelalter-Rockformation mit ebenfalls sehr einfachen, in vielerlei Ohren aber dennoch kultigen musikalischen Ergüssen. Was vor allem dann eine passende Attribuierung zu sein scheint, wenn ohnehin schon gewisse Säfte fließen

Mit D’ARTAGNAN hat sich der Musiker nun aber tatsächlich einen echten Fehlgriff geleistet. Man mag zu etwaigen kommerziellen Gedanken stehen wie man will – denn wer würde nicht gern Geld verdienen und sich dafür möglicherweise auch dezent dem Geschmack der breiten Masse anpassen ? Doch wenn man dafür einen jeglichen Stolz über Bord wirft und der Hörerschaft ein Werk wie SEIT AN SEIT kredenzt – dann läuft irgendetwas gehörig schief. Dass das mit satten 14 Titel gespickten Titeln dabei so eine Qual ist, hat hauptsächlich zwei Gründe. Der erste liegt schlicht im Gesamteindruck des Liedguts begraben: derart einfach oder auch plump hat schon lange kein deutschsprachiges Album mehr geklungen. Auch nicht die Ergüsse von FEUERSCHWANZ, die sich vom lyrischen Eindruck gar nicht mal so weit entfernt von D’ARTAGNAN bewegen. Doch während die lust’gen FEUERSCHWANZ-Gelage immer den Beigeschmack des rauen, unkonventionellen und rebellischen hatten; geben sich D’ARTAGNAN unangenehm weichgespült und über alle Maßen harmlos. Es geht um Freundschaft, Liebe, Sehnsüchte… alles eingebettet in simpelste Melodien und eine klinisch akkurate Produktion, die keinen Platz für echte Atmosphäre lässt.

Der zweite, indirekte und nur bei einer gewissen Vorbelastung ersichtliche Grund bezieht sich auf die beileibe nicht nur oberflächliche Nähe zu SANTIANO. D’ARTAGNAN klingen einstweilen so, als würden sie ihr potentielles Vorbild eins-zu-eins kopieren. Seien es die zünftigen Männerchöre, die eingesetzten Instrumente, die beschwingten Refrains oder gar die Stimmfarbe in einzelnen Gesangspassagen – Titel wie BIS ZUM LETZTEN ATEMZUG, MEINE LIEBSTE JOLIE und sicher auch viele andere könnte man genauso gut auch auf einem Album der munteren Seefahrer wiederfinden. Und auch wenn sich die beiden Bands somit sehr stark ähneln – ob beabsichtigt oder nicht – haben SANTIANO einen Vorteil. Sie waren schlicht zuerst da. Auch wenn ihre Musik ebenfalls nicht einzigartig ist oder noch nie dagewesen war, versteht sich. In der großen deutschen Medienlandschaft aber haben sie eine Nische besetzt – in der D’ARTAGNAN nun keinen Platz mehr haben. Erst Recht nicht, wenn sie nichts neues versuchen – sondern nur weiter munter kopieren. Oder auch nicht, denn vielleicht liegt es einfach nur daran dass beide Bands an derselben Basis arbeiten.

Das Fazit fällt in diesem Fall entsprechend ernüchternd aus. SEIT AN SEIT ist von vorne bis hinten eine regelrechte Qual – angefangen vom Image und Auftreten der Band über die tatsächlich präsentierte, absolut uninspiriert-dahindudelnde Musik bis hin zu den sicherlich dennoch guten Verkaufszahlen. Anders gesagt: keines der 14 Lieder bleibt hängen oder ragt über den Status einer belanglosen SANTIANO-Kopie hinaus. So nicht, D’ARTAGNAN !

Absolute Anspieltipps: /


20button

„Prätentiös, uninspiriert, überproduziert, weichgespült, leicht zu verwechseln – so macht Musketier-Rock keinen Spaß.“

2 Gedanken zu “CD-Review: D’ARTAGNAN – Seit An Seit (2016)

  1. Jawohl…eine Band auf die wir lange warten mussten (Werbung hab ich auch schon gesehen). ^^ Wie ich sie „liebe“ diese Gruppen, die bisschen folkloristische Einflüsse in ihre Pop (oder Schlagermusik) einfließen lassen, sich nen putzigen Namen geben, aber nicht über das Niveau einer simplen Tanzband hinauskommen. Und da gibt es VIELE von. Für mich völlig uninteressant, wie SANTIANO & Co auch…spricht mich mal so gar nicht an. Wenn dann schon lieber richtig mit Subway to Sally oder Schandmaul. Vielleicht sind die schönen Männer auch eher etwas für Frauen? Ich muss bei dieser Band unweigerlich an Hanuta oder entfernt auch an Rügenwalder Mühle denken. ^^

    Warum die Firma Ferrero übrigens über zwei Jahrzehnte hinweg dieses Image bedienen musste, das frag ich mich immer noch, was hat dieses „so gut wie hausgemachte“ (haha) Produkt überhaupt mit Musketieren & Konsorten zu tun?

    Nur EIN Beispiel mit bekannten Comedians. ^^

    Über Werbung (Negativ- wie auch Positivbeispiele) könnte man auch ein eigenes Thema anschneiden, es gibt so viel scheußliches. ^^

    Gefällt 1 Person

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