Filmkritik: „Durch Den Tod Versöhnt / End Of The Spear“ (2005)

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Originaltitel: End Of The Spear
Regie: Jim Hanon
Mit: Louie Leonardo, Chad Allen, Chase Ellison u.a.
Land: USA
Laufzeit: ca. 108 Minuten
FSK: ab 12 freigegeben
Genre: Drama
Tags: Eingeborene | Ureinwohner | Urwald | Missionierung | Kontakt

Zwischen Bäumen, Speeren und Bibeln.

Kurzinhalt: Im Jahre 1956 versucht der christliche Missionar Steve Saint (Chad Allen) in einem vom dichten Bewuchs umgebenen Dschungel-Dorf einem einheimischen Stamm die christliche Nächstenliebe näherzubringen – den sogenannten Huaorani. Dabei scheint es ihm weniger wichtig, die Glaubensgemeinschaft der Christen zu vergrößern – er möchte den Stamm lediglich davor bewahren, sich selbst respektive im Kampf mit verfeindeten Nachbarstämmen auszulöschen. Mit dabei sind einige Freunde, sowie auch seine Familie – wobei er einen besonders guten Draht zu seinem 8-jährigen Sohn Steve (Chase Ellision) hat – und ihm auf dieser Mission eine ganz andere Lebensweise als die ihm bisher bekannte aufzeigen möchte. Eines Tages kommt es aber zu einem Zwischenfall: Nate wird trotz seiner Friedfertigkeit und seiner Bemühungen dem Stamm zu helfen ermordet, wie auch einige seiner engsten Freunde. Der zunächst fassungslose Steve hat allen Grund zu Trauern – und dennoch spürt er schon früh das Verlangen, die außergewöhnliche Arbeit seines Vaters fortzusetzen; nicht zuletzt da er sein Leben gab für das, an was er glaubte.

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Kritik: Achtung, Spoiler ! DURCH DEN TOD VERSÖHNT; oder im Original END OF THE SPEAR ist ein Drama von Jim Hanon, der sich für seinen zweifelsohne besonderen Film auf eine gleichnamige Buchvorlage gestützt hat. Die wiederum stammt von Steve Saint – also jener tatsächlich existierenden Person, mit deren Charakterisierung sich der Film befasst. Größtenteils geht es dabei um das Jahr 1956, in dem die sogenannte Operation Auca stattgefunden hat. Der Film wird aus einer Rückblende des nunmehr gealterten, damals 8-jährigen Steve Saint erzählt – und legt seinen Fokus dabei explizit auf das außergewöhnliche Aufeinandertreffen zweier Kulturen. Dabei fällt vor allem eines schnell und positiv auf: Regisseur Jim Hanon hat es trotz einiger eigentlich für sich sprechender Szenen vermieden, vorschnell Partei für die eine oder die andere Seite zu ergreifen. Wohl auch, da es so gut wie unmöglich erscheint, in Anbetracht des für den gewöhnlichen Zuschauer zutiefst exotischen Szenarios standardisierte Attribuierungen vorzunehmen. Nein, END OF THE SPEAR wird weitestgehend neutral erzählt – und kann daher weder als Rechtfertigung für das Vorgehen der Christen in Bezug auf etwaige Missionarstätigkeiten, noch als Werbefilm für traditionelle Lebensarten verstanden werden.

Schließlich geht es abseits von den mannigfaltigen (und im Film lediglich angeschnittenen) politischen, religiösen und moralischen Hintergründen ohnehin eher um die Menschen, die an der Operation beteiligt waren – und das auf beiden Seiten. Neben dem glaubhaft und nachvollziehbar dargestellten Engagement der Missionare erhält man so auch einen überraschend authentisch wirkenden Eindruck in die Lebensweise eines Indianerstammes – mit allen dazugehörigen fremden Elementen, aber sicherlich auch Grausamkeiten. Eingebettet wird die Geschichte in simple; gleichzeitig aber auch malerische und geradezu poetische Bilder – beispielsweise wenn die markante gelbe Propellermaschine über den satt-grünen Dschungelwäldern und tiefblauen Flüssen ihre Erkundungs-Runden dreht. Gerade diese Szenen werden einem auch ohne die inhaltlichen Bezüge im Gedächtnis bleiben – auch, da die musikalische Untermalung stets passig erscheint und mit ihrer Mixtur als eher klassischen und sphärisch-verträumten Elementen eine intensive Atmosphäre etabliert. Jim Hanon ist so vor allem eines gelungen: keine seine veranschlagten Szenen wirkt aus dem Kontext gerissen oder gar lieblos inszeniert. Vielmehr entsteht ein höchst atmosphärisches Gesamtbild, welches den Zuschauer selbst in den Momenten in denen die Handlung in den Hintergrund rückt intensiv zu fesseln vermag.

Fazit: Die Botschaft, die man sich als Zuschauer aus END OF THE SPEAR mitnimmt; wird zweifelsohne eine jeweils andere sein. Aber genau darin liegt auch eine der klaren Stärken des Films – der mit seiner ungewöhnlichen und wahren Geschichte, den wuchtigen Bildern, dem stimmigen Soundtrack und nicht zuletzt dem grandiosen Schauspiel zu überzeugen weiß. Vor allem der junge Nachwuchs-Darsteller Chase Ellison liefert hier schlicht überragend ab – was den Film in seiner Endwertung noch einmal ausdrücklich positiv beeinflusst. Dafür, dass er gerade einmal 10 Millionen US-Dollar gekostet hat und man sicher nicht direkt an ihn denkt, wenn es um die vielleicht besten Filme aus dem Jahr 2005 geht – schneidet er schlicht überraschend gut ab und kann problemlos als Geheimtipp bezeichnet werden. Ob nun aus Sicht einer bestimmten Interessengruppe wie den beiden hauptsächlich im Film behandelten; oder aber auch – und das ist das schöne – ganz unvoreingenommen.

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„Ein außergewöhnlicher Film über eine außergewöhnliche Begebenheit.“

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