Filmkritik: „Dead Rising: Watchtower“ (2015)

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Originaltitel: Dead Rising: Watchtower
Regie: Zach Lipovsky
Mit: Jesse Metcalfe, Meghan Ory, Virginia Madsen u.a.
Land: USA
Laufzeit: ca. 118 Minuten
FSK: ab 18 freigegeben
Genre: Horror, Action
Tags: Zombies | Untote | Epidemie | Seuche | Videospiel

Der schmale Grat zwischen Zombie und Mensch.

Kurzinhalt: Trotz einer großen Zombie-Epidemie in den USA hat die hiesige Regierung scheinbar alles im Griff. Menschen; die aufgrund eines Bisses infiziert werden, können schließlich mithilfe eines speziellen Serums davor bewahrt werden sich wirklich in fleischfressende Untote zu verwandeln. Als der Reporter Chase (Jesse Metcalfe) mit einer Kollegin in einer Kleinstadt unterwegs ist um eine mögliche Sensations-Story zu erhaschen, geschieht plötzlich etwas unerwartetes: offenbar wirkt das Serum bei einigen der Infizierten nicht mehr. Im darauf folgenden Tumult werden die beiden Reporter getrennt – und Chase schließt sich mit der heißblütigen Crystal (Meghan Ory) zusammen, die er zuvor noch relativ erfolglos interviewt hat. Man entschließt, sich erst einmal zu verstecken und vorsorglich zu bewaffnen – und die Öffentlichkeit mit laufenden Berichterstattungen aus dem Zentrum des Krisenherds auf dem Laufenden zu halten. Allerdings wird das in Anbetracht der stetig wachsenden Zombie-Schar und dem Erscheinen einer rebellischen Biker-Gang zunehmend schwieriger… als dann auch noch das Militär auf den Plan tritt und plant das gesamte Gebiet zu bombardieren, ist das Chaos endgültig perfekt.

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Kritik: Achtung, Spoiler ! Wie lange es den Zombiefilm als Subgenre des klassischen Horrorfilms schon gibt, darüber könnte man sich wahrlich streiten. Aber ob er nun tatsächlich erst mit George A. Romero seinen großen Durchbruch schaffte oder eigentlich schon Jahrzehnte vorher – die von den sogenannten Wandelnden Toten ausgehende Faszination für das Fremde, Gefährliche und unmittelbar Lebensbedrohliche hat seit jeher einen Platz in der internationalen Filmlandschaft. Und so wird auch die Flut an sich dem Zombie-Kanon anschließenden Neuerscheinungen kaum abnehmen. Den 2015 veröffentlichten, US-Amerikanischen Film DEAD RISING: WATCHTOWER markiert dabei insofern eine Besonderheit, als dass es sich um eine Videospiel-Verfilmung handelt. Die sind zwar vergleichsweise selten, stehen dafür aber umso öfter unter einem schlechten Stern – und das nicht nur, da Videospiel-Freunde eher harte Kritiker sind und die jeweilige Vorlage bestmöglich umgesetzt wissen wollen. Viel eher ist es so, dass sich einige derjenigen die sich bereits an das Unterfangen einer Horror-Videospielverfilmung gewagt haben in vielerlei Hinsicht versagt haben – und Namen wie Uwe Boll stellvertretend für ein Rezept stehen, das so nur selten aufgegangen ist.

Für DEAD RISING sieht es indes gar nicht mal so schlecht aus. Hauptsächlich, da Regisseur Zach Lipovsky das auf die Leinwand gebrachte Spektakel relativ stilsicher und mit einem gewissen; in diesem Falle sicher nicht ganz unwichtigen Hang zur Selbstironie inszeniert hat. So wird bereits in den ersten Minuten offenbar, dass vergleichsweise viel Mühe in das Projekt gesteckt wurde. Die sinnige Schauplatzwahl, die Liebe zum Detail zum Beispiel in Bezug auf die unzähligen Statisten und die Kostüme; oder aber die versierte, direkte und klar Action-orientierte, in Bezug auf eine allgemeine Hektik gerade noch annehmbare Kameraführung sprechen klar für das handwerkliche Engagement der Macher – und sorgen für einen hohen Unterhaltungswert. Überraschenderweise machen auch die Darsteller eine durchgehend gute Figur. Vor allem das wechselhafte Spiel von Jesse Metcalfe in der wohl wichtigsten Hauptrolle erscheint stets charmant und ist dabei – zumindest für Genre-Verhältnisse – als vergleichsweise glaubwürdig zu bezeichnen. Trotz, oder gerade wegen des immer wieder anberaumten ironischen Untertons. Auch mit der Wahl seiner weiblichen Mitstreiterin und Badass-Amazone Meghan Ory, oder aber dem fiesen Gegenspieler hat man nichts falsch gemacht; während der Auftritt von Rob Riggle als Zombie-Experte klar für die meisten Schmunzler sorgt. Zwar kann DEAD RISING niemals über (s)eine gewisse Formelhaftigkeit hinwegtäuschen, aber größtenteils geht das Konzept auf.

Größtenteils – denn abgesehen von den bereits aus dem Videospiel bekannten; im Film eigentlich relativ selten vorkommenden Waffenbau-Experimenten und gelegentlichen Splatter-Einlagen geht es dann doch nicht ganz so spektakulär zu. Das ist eine Feststellung, die vor allem auf die eigentliche Story zu beziehen ist – die im Gegensatz zu etwaigen Klassikern des Genres offensichtliche Gesellschaftskritik nicht mehr nur unterschwellig oder versteckt einbringt, sondern offen zelebriert. Das kann hie und da schon etwas ernüchternd wirken – vor allem natürlich dann, wenn es um das nicht mehr ganz so überraschende und stark überzeichnete Finale samt der enthaltenen Kernbotschaft geht. Immerhin: in Sachen Aktualität und Relevanz ist DEAD RISING: WATCHTOWER ganz vorn dabei. Die Medienlandschaft ist ein einziges Tollhaus, Skrupel gibt es nirgendwo; und die Sehnsucht nach heimlichen Helden ist groß. Das ist zwar keine besonders neuerliche Feststellung, aber in diesem Falle dennoch eine amüsant präsentierte.

Fazit: Sicher, DEAD RISING ist kein Meilenstein der Filmgeschichte – aber dennoch überzeugt er sowohl als solide Videospiel-Verfilmung, als auch als unabhängiger Zombie- respektive Splatterfilm mit einem kaum zu übersehenden Hang zur Überzeichnung. Während die eigentliche Idee und die Ausführung der Hintergrundgeschichte eher schwach sind und vor allem eingefleischte Genre-Fans langweilen könnten, spielt DEAD RSING seine Stärken in nahezu allen anderen Bereich aus – was ihn klar über den Durchschnitt rettet. Die handwerklichen Aspekte sind gelungen, die Darsteller ebenso wie ihre verkörperten Charaktere trotz Klischee-Alarm angenehm; die fulminante Mixtur aus Witz und Atmosphäre funktioniert. DEAD RISING ist so vor allem eines geworden: ein gut gemachter und verdammt unterhaltsamer Zombiefilm für Zwischendurch, der trotz seiner Spieldauer von knapp 2 Stunden niemals langatmig wird.

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„Überraschend gut aufgehende Kombination aus Atmosphäre und Spaß.“

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