Filmkritik: „Der Sohn Von Rambow“ (2007)

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Originaltitel: Son Of Rambow
Regie: Garth Jennings
Mit: Bill Milner, Will Poulter, Jules Sitruk u.a.
Land: Frankreich, USA, Großbritannien
Laufzeit: ca. 96 Minuten
FSK: ab 6 freigegeben
Genre: Komödie, Drama
Tags: Kindheit | Vorbilder | Inspiration | Träume | Rambo

Helden mal anders.

Kurzinhalt: England, zu Beginn der 80er Jahre. Der junge Will (Bill Milner) lebt mit seiner verwitweten Mutter Mary (Jessica Hynes), seiner Schwester und seiner pflegebedürftigen Großmutter innerhalb der strengen Glaubensgemeinschaft der Bretheren. Doch auch wenn sich Will längst mit den hiesigen Gepflogenheiten arrangiert hat, läuft nicht alles rund – vor allem nicht in der Schule. Eines Tages, als Will aus religiösen Gründen wieder einmal den Klassenraum verlassen muss; trifft er auf den störrischen Außenseiter Lee (Will Poulter). Trotz dessen, dass die beiden scheinbar Welten trennen kommen die beiden schnell auf einen gemeinsamen Nenner: sie haben ein Faible für den Film. Während es bei Will vor allem die Neugier, die Abenteuerlust und der Reiz des Verbotenen ist; scheint Lee das Filmen in die Wiege gelegt – weshalb er seinen neuen Freund kurzerhand für eine seine zahlreichen Hobby-Projekte einplant, dass er bald auf einem Talent-Wettbewerb präsentieren möchte. Kurz darauf bekommt Wills Mutter Besuch vom Vorstand der örtlichen Glaubensgemeinde, repräsentiert von Bruder Joshua (Neil Dudgeon)…

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Kritik: Achtung, Spoiler ! Garth Jenning’s SON OF RAMBOW (was kein Rechtschreibfehler ist, sondern eher lizenzrechtliche Gründe hat) geht es vordergründig um eine Etappe im Lebensweg der beiden vor-pubertären Hauptfiguren Will und Lee – und um den Konflikt zwischen vorgegebenen Regeln und einem aufkeimenden Freiheitsdrang. Das besondere: auch wenn SON OF RAMBOW im Kern als klassisches Coming Of Age-Drama fungiert, erzählt Garth Jennings seine Geschichte zweier Freunde dennoch erfrischend anders. Ein Grund dafür ist seine auffällig lockere, einstweilen auch mal explizit makabere Herangehensweise an eine Vielzahl von Themen – die dem Film einen überraschend humoristischen Anstrich verpassen. Einen, der dabei aber niemals allzu plump daherkommt – und einen, der die durchaus vorhandenen kritischen Untertöne nicht zu schmälern vermag. Gerade diese Mixtur macht SON OF RAMBOW letztendlich aus. Wie sicher auch sein Fokus auf das Medium Film an sich, welcher mit einer ganz ähnlichen Form der ungezwungenen Melancholie eingefangen wurde wie einst ein CINEMA PARADISO. Schließlich ist auch SON OF RAMBOW ein quasi-Garant dafür, dass man sich als Zuschauer problemlos in die Rolle der beiden Protagonisten versetzen kann – und dabei auch die ein oder andere eigene Kindheitserinnerung aufflammen könnte.

Doch selbst wenn das nicht der Fall ist, macht es Spaß den beiden ungleichen Freunden zuzusehen – und ihre ansteckende Begeisterung für das Kino und den Film zumindest für einen Moment zu teilen. Analog dazu erhält man aber auch ein Gefühl dafür, was es bedeutet sich schon im Kindesalter mit unterschiedlichen familiären und ansatzweise auch gesellschaftlichen Konfliktsituationen auseinandersetzen zu müssen – man trifft es also recht genau wenn man sagt, SON OF RAMBOW mit einem lachenden und einem weinenden Auge zu betrachten. Im späteren Verlauf hat der Film sowohl klare Stärken als auch dezente Schwächen – der Auftritt der Figur Didier Revol (Jules Sitruk) beispielsweise passt zum Konzept des Films, fühlt sich aber dennoch etwas zu forciert an. Voll punkten kann Garth Jennings dann mit jenen Szenen, in denen sich Traum und Realität vermischen – was auch der insgesamt höchst gelungenen Gestaltungsarbeit zu verdanken ist. Noch mehr als die geschickte Farb-Akzentuierung, der angenehme Schnitt oder der passig erscheinende Soundtrack fällt dann wohl nur noch die Leistung der beiden Jung-Darsteller Bill Milner und Will Poulter ins Gewicht – die bis dato kam Erfahrungen im Filmgeschäft hatten und dennoch hervorragend abliefern. Ihr spiel wirkt zu jedem Zeitpunkt authentisch und auf eine ganz eigene Art und Weise charmant.

Fazit: Ob als traditionelles Coming Of Age-Drama mit einem starken Fokus auf die Charaktere, eine Grenzen-überwindende Freundschaft und die Kraft der Imagination; oder aber als Hommage an das Medium Film an sich – SON OF RAMBOW überzeugt in nahezu jeder Hinsicht. Neben der gut ausgearbeiteten, vielschichtigen Geschichte bleibt vor allem das an den Tag gelegte Handwerk im Gedächtnis – der Film wirkt wenig beeindruckt von der Masse, und zeichnet einen ganz eigenen Stil. Gleichzeitig kann er sein Potential in Bezug auf viele Zuschauergruppen ausspielen: als reiner Kinderfilm hat er ebenso gute Karten wie als nostalgisch angehauchte Tragikomödie für Erwachsene. Im besten Fall schaut man ihn also im Kreise der Familie – so haben alle etwas davon.

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„Rebellisch, außerordentlich charmant und unterhaltsam – schon jetzt ein Klassiker.“

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2 Gedanken zu “Filmkritik: „Der Sohn Von Rambow“ (2007)

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