Filmkritik: „Pan“ (2015)

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Originaltitel: Pan
Regie: Joe Wright
Mit: Levi Miller (II), Garrett Hedlund, Hugh Jackman u.a.
Land: USA
Laufzeit: ca. 112 Minuten
FSK: ab 12 freigegeben
Genre: Fantasy, Abenteuer
Tags: Peter Pan | Waisenjunge | Waisenkind | Nimmerland

In der heutigen Zeit sicher eines der schöneren Reiseziele.

Kurzinhalt: Der junge Peter (Levi Miller) hat es als Waisenkind in den Zeiten des Zweiten Weltkriegs selten leicht. Er lebt in einem von harter Hand geführten Kinderheim mit vielen weiteren Leidensgenossen, die vergeblich auf die Rückkehr ihrer Eltern oder einen anderen Wink des Schicksals warten. Doch zeigt sich, dass einige der hier beheimateten Kinder plötzlich verschwinden – wohin, dass erfährt bald auch Peter. Schließlich wird er eines Nachts von Piraten entführt – die auf einem fliegenden Schiff zwischen dieser Welt und dem sogenannten Nimmerland hin- und herreisen. Offenbar um neue Arbeitskräfte zu gewinnen und die Waisenkinder wohl niemand vermissen würde. Und so wird auch Peter zu harter Arbeit verdonnert, bis er auf den aufgeweckten James Hook (Garrett Hedlund) trifft – der schon immer von einer Flucht träumte. Doch dafür müssten die beiden erst an Blackbeard (Hugh Jackman) vorbeikommen…

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Kritik: Achtung, Spoiler ! Wer hat noch nicht von ihm gehört – dem stets fröhlich umher fliegenden, niemals erwachsen werdenden Waisenjungen PETER PAN aus Nimmerland ? In der Tat ist die bereits 1904 von James Matthew Barrie uraufgeführte (und ursprünglich für ein älteres Publikum erdachte) Geschichte nach wie vor in aller Munde; und sei es in merklich abgeänderten oder modernisierten Varianten. In Hollywood hat man das Potential des gerne in Kinderbüchern behandelten Stoffes schon lange erkannt – doch bis auf den Disney-Animationsklassiker PETER PAN von 1953, den mit einem erwachsenen PETER PAN auftretenden HOOK von Stephen Spielberg; sowie die gleichermaßen fantasievolle wie dezent kitschige (aber dennoch sehr gute, siehe Kritik) 2003’er Filmversion von Pj Hogan  blieb es bisher eher ruhig um das im wahrsten Sinne des Wortes beflügelnde Franchise. Das allerdings sollte sich 2015 plötzlich doch noch ganz schnell ändern – mit der schlicht PAN betitelten Bombast-Verfilmung von Joe Wright, die satte 150 Millionen US-Dollar Produktionskosten veranschlagt hat. Wobei das zwar ein ganz schöner Brocken ist, selbst für Hollywood-Verhältnisse – aber im Endeffekt doch kein allzu großer Schock. Schließlich war auch die 2003’er Verfilmung mit ebenfalls denkwürdigen 100 Millionen Dollar Kosten alles andere als ein Low-Budget-Projekt.

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Viel wichtiger sollte aber ohnehin die Frage sein, was Joe Wright respektive die verantwortlichen Ideengeber dazu bewegt hat, eine weitere Verfilmung zum Thema anzuberaumen. Vielleicht war es tatsächlich so, dass man der Geschichte eine neue, möglichst an das Original angelehnte Facette abgewinnen wollte – was die wohl beste aller im Raum stehenden Möglichkeiten wäre. Immerhin ist auch genau das der Clou des Films, der erzähltechnisch weitaus früher ansetzt als alles bisherige – und so gesehen eine bis dato unbekannte Vorgeschichte erzählt. Das könnte man natürlich als spannende Angelegenheit betrachten, doch gleichzeitig handelt es sich hier auch um den eigentlichen Fluch des Films. Schließlich besteht mit Filmen wie diesem durchaus die Gefahr, das bestehende PETER PAN-Universum in einer gewissen Art und Weise zu entmystifizieren. In diesem Fall bedeutet das, dass man möglicherweise zu viele Informationen preisgibt respektive neu hinzudichtet. Erst Recht natürlich wenn man annehmen müsste, PAN wäre nur der erste einer ganzen Reihe von neuen PETER PAN-Filmen, die sich jeweils eine andere Ursprungsgeschichte vornehmen. Denn nachdem man nun den jungen Peter auf seinem Weg vom Waisenkind hin zum eigentlichen Titelhelden begleitet hat, böten sich sicher noch etwaige Ausführungen zum neu eingeführten BLACKBEARD an. Oder aber zu Hook, der in diesem Film so gar nicht mit dem bisher etablierten Bild harmonieren will, und keinerlei Anzeichen dafür gibt jemals auf die Seite der bösen Schergen zu wechseln. Oder, oder…

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Doch sollte man nicht den Teufel an die Wand malen. Überhaupt scheint man der eben beschrieben Gefahr in PAN in so weit aus dem Weg zu gehen, als dass man erzählerisch gar nicht erst aus dem Vollen schöpft – sondern eher eine typische Auserwählten-Story in das PETER PAN-Universum pflanzt und den erst zweifelnden Helden mehr und mehr über sich hinauswachsen lässt. Und das zumeist ohne näher auf die angerissenen Charaktere einzugehen. Dass das Schicksal des jungen Peter als Waisenjunge ein eher trauriges ist oder sein sollte, wird beispielsweise nicht offenbar – was aber nicht einmal ansatzweise so gravierend wiegt wie die Tatsache, dass die in PAN gezeichnete Fantasie-Welt (will heißen, Nimmerland) so unglaubwürdig porträtiert wird wie niemals zuvor. Besonders arg hat es dabei wohl die Allein-Herrschaft des sagenhaften Piraten BLACKBEARD getroffen, dessen Motive man kaum nachvollziehen kann – und unter dem zahlreiche entführte Waisenkinder heranwachsen, um für ihn als Sklaven in einer riesigen Mine zu arbeiten. Offenbar aber ohne jemals aufzubegehren oder ihre Handlungen zu hinterfragen. Somit trifft es sich der Film-Logik nach auch gut, dass mit dem jungen Peter ein möglicher Auserwählter nach Nimmerland gelangt – der die Sklaverei abschaffen oder zumindest Pate für die Rebellion stehen könnte. So weit, so gut – und so wenig nachvollziehbar.

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Dass das Porträt von Blackbeard dann ebenfalls ein recht oberflächliches bleibt, ist kein Wunder. Sicher handelte es sich um eine eher leichte Rolle für Hugh Jackman, der hier mindestens ebenso eigentümlich-überzeichnet agiert wie in der IRON MAN-Reihe. Die wohl größten Fehlbesetzungen des Films sind allerdings Garrett Hedlund als Hook (der ein wenig zu sehr Saubermann und Frauenheld geworden ist), Rooney Mara als gefühlt zu alte Tiger Lily; und Amanda Seyfried als wiederum zu junge, wenig Wärme ausstrahlende Mutter von Peter. Die einzige Entdeckung des Films ist daher wohl Newcomer Levi Miller, der die Rolle des Titelhelden engagiert spielt – und zumindest versucht, der erschreckend kühlen Geschichte einen Hauch von Emotionalität einzuverleiben. Das gelingt aber nur äußerst bedingt – schließlich besteht der Film vor allem aus Technik, beziehungsweise definiert sich schlussendlich durch die Präsentation überaus rasanter Kamerafahrten und Spezialeffekte. Damit war zwar zu rechnen – doch ein wenig mehr Herzblut und Gefühl hätte man dennoch investieren können. So aber dümpelt der Film relativ ungalant vor sich her, nur um sich in den bombastischen Action-Szenen zu entladen. Die sorgen dann auch tatsächlich für reichlich Kurzweil – tragen aber wenig zur wichtigen Atmosphäre des Films bei.

Dann gibt es da noch einen ebenfalls recht pompösen Soundtrack von John Powell, der für die nötige Dramatik sorgt – speziell während der beiden neu interpretierten, vom Cast eingesungenen Popmusikstücke (welche die Piraten als Hymnen nutzen) aber eher peinlich und unpassend wirkt. Die letzte große Enttäuschung des Films ist aber sicherlich das Finale, welches nur verdächtig wenig Sinn ergibt. Und dieser verwirrende Eindruck ist beileibe nicht nur auf die plötzlich doch nicht unerhebliche Macht der Elfen zurückzuführen. Es scheint eben das auch bei den Sklaven greifende Prinzip zu gelten: ohne einen Anführer (der allerdings nicht viel mehr macht als anwesend zu sein) läuft hier – warum auch immer – nichts.

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Fazit: Es war zwar irgendwo zu erwarten – und doch ist es ärgerlich, dass PAN als neueste Verfilmung des PETER PAN-Universums kaum begeistern kann. Die Story und insbesondere die Charaktere bleiben flach und werden nach typischen, alles andere als fantastischen Schemata gestrickt – was dazu führt, dass sowohl die Emotionen als auch die nötige Empathie für den Hauptcharakter weitestgehend ausbleiben. Einige markante Fehlbesetzungen und ein insgesamt eher klinischer, überhasteter Gesamteindruck runden das Ganze negativ ab. Wenn PAN etwas zu bieten hat, dann sind das seine Effekte – die mit Ausnahme der Darstellung der wohl fürchterlichsten Vogelgestalten aller Zeiten insgesamt gelungen erscheinen, aber eben nur für einen äußerst oberflächlichen Unterhaltungswert sorgen. Dann doch lieber die 2003’er Verfilmung von Pj Hogan – in der wesentlich mehr Originaltreue und Herzblut steckt.

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„Erschreckend klinisch, substanzlos und bar jeder Form der Magie.“

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5 Gedanken zu “Filmkritik: „Pan“ (2015)

  1. Da gewinnt auch jeder Kritiker doch auch glatt wieder etwas Liebe nicht nur für die Peter Pan Verfilmung von 2003, sondern auch für „Hook“ von Spielberg. Ich habe „Pan“ noch nicht gesehen. Levi Miller ist zuckersüß, aber Trailer und Clips hinterlassen einen bitteren und klinischen Geschmack…schockiert war ich ja von der „Smells Like Teen Spirit“ Szene, da bin ich einfach sprachlos wie man auf so eine uncharmante Idee kommen kann, das kann nur mit diesem zwanghaften Moderniesierungswahn von Filmen zusammenhängen. Vielleicht bin ich da ja zu konservativ, aber ich mag es nicht.

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    1. Yepp, irgendwie passt hier wenig zusammen… worunter vor allem die Atmosphäre des Films zu leiden hat. Ich wusste nicht so Recht, ob ich das Ganze eher belächeln oder mich vielleicht doch lieber gehörig Fremdschämen sollte… nennenswert spannend, dramatisch oder gar abenteuerlich-episch (das war das, was ich in etwa erwartet hatte) ist er jedenfalls nicht.

      Das einzige worüber ich bei diesem Film nachdenke ist wohl, ob sich die ein oder andere Szene nicht doch für eine Slideshow eignen würde… andererseits kann oder sollte man das vielleicht nicht machen, weil man solche Machwerke damit in gewisser Weise ehrt… in diesem Fall heißt es also ganz klar: bitte NICHT noch mehr davon^^.

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