Metal-CD-Review: GAMMA RAY – Insanity And Genius (1993)

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Alben-Titel: Insanity And Genius
Künstler / Band: Gamma Ray (mehr)
Veröffentlichungsdatum: 28. September 1993
Land: Deutschland
Stil / Genre: Power Metal
Label: Noise Records

Alben-Lineup:

Jan Rubach – Bass
Thomas Nack – Drums
Kai Hansen – Guitars
Ralf Scheepers – Vocals
Dirk Schlächter – Guitars, Keyboards

Track-Liste:

1. Tribute to the Past (05:04)
2. No Return (04:06)
3. Last Before the Storm (04:28)
4. The Cave Principle (06:51)
5. Future Madhouse (04:07)
6. Gamma Ray (Birth Control cover) (05:20)
7. Insanity & Genius (04:30)
8. 18 Years (05:23)
9. Your Tørn Is Over (03:52)
10. Heal Me (07:32)
11. Brothers (05:14)

Die letzte Stufe vor dem Erreichen des Gipfels.

INSANITY AND GENIUS ist nicht nur das dritte offizielle GAMMA RAY-Album der Hamburger Kult-Combo – sondern so gesehen auch das letzte ihrer ersten Schaffensperiode von 1990 bis 1993. Das besondere ist, dass Ralf Scheepers hier letztmalig den Leadgesangsposten übernahm – bevor er das Zepter an Gitarrist Kai Hansen weiterreichte. Wie man heute weiß, hat erst dieser markanter Lineup-Wechsel zum eigentlichen Aufstieg der Band in den Power Metal-Olymp geführt – sodass man die Entscheidung zweifelsohne begrüßen kann. Zumal Ralf Sheepers später bei PRIMAL FEAR ebenfalls sehr gut aufgehoben war – und auch er weiterhin das machen konnte, was er schon immer liebte. INSANITY AND GENIUS wohnt also durchaus ein Gefühl des besonderen inne – aber vielleicht interpretiert man diese gefühlte Aufbruchstimmung auch retrospektiv in das Hörerlebnis hinein.

Fakt ist dagegen, dass die ersten drei GAMMA RAY-Alben eher weniger mit dem späteren Sound-Outfit der Band am Hut haben – sondern grundsätzlich eher entspannt, rockig und entsprechend feucht-fröhlich daherkommen. Doch im Gegensatz zum lauen Vorgänger SIGH NO MORE (Review) hat INSANITY AND GENIUS schon wesentlich mehr von der eigentlichen GAMMA RAY-Essenz zu bieten. Zumindest strotzt schon der Opener TRIBUTE TO THE PAST vor einer ungeahnten Kraft, überzeugt mit einem hymnisch-eingäniggen Refrain – was auch für LAST BEFORE THE STORM gilt. Doch zwischen den flotten und angenehm erhabenen Hymnen finden sich interessanterweise auch eher experimentelle Ansätze – wie etwa in THE CAVE PRINCIPLE, das einen markanten Spannungsbogen vorzuweisen hat und speziell in instrumentaler Hinsicht brilliert. Jene auf dem Album häufiger vorkommenden Experimente fallen aber nicht immer derart zufriedenstellend aus – auch das Gegenteil kann der Fall sein. Vornehmlich dann, wenn sich GAMMA RAY etwas zu sehr dem eigentlichen Alben-Titel angepassten respektive dem dahinterstehenden Konzept widmen. Schlussendlich klingt die wahnsinnige Seite der Band hier etwas zu aufgedreht, und Nummern wie FUTURE MADHOUSE oder INSANITY GENIUS folglich höchst gewöhnungsbedürftig.

Etwas unglücklich ist auch der für die Band eigentlich stellvertretende Titel GAMMA RAY ausgefallen, was vor allem an den eher platt inszenierten Strophen liegt. Gegen Ende des Albums wird es dann allerdings noch einmal interessant: im Party-tauglichen YOUR TURN IS OVER übernimmt plötzlich Gitarrist Dirk Schlächter den Leadgesang, und im darauf folgenden HEAL ME Kai Hansen – bei dem es zumindest in diesem Fall aber gesanglich eher drunter und drüber geht. Letztendlich entsteht so vor allem ein Eindruck: ein recht variabler. Wenn man so will, könnte man allerdings auch als relativ unentschlossen bezeichnen – wirklich rund klingt das Album in seiner Gesamtheit nicht, eher wie eine bunt gemischte und teils skurrile Ansammlung von überdurchschnittlichen, aber keineswegs ausgezeichneten GAMMA RAY-Nummern. Handwerklich, gesanglich und in Bezug auf die Produktion gibt es dagegen nichts zu mäkeln.

Absolute Anspieltipps: TRIBUTE TO THE PAST, LAST BEFORE THE STORM, THE CAVE PRINCIPLE


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„GAMMA RAY haben es selbst festgestellt: Genie und Wahnsinn liegen nah beieinander.“

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Ein Gedanke zu “Metal-CD-Review: GAMMA RAY – Insanity And Genius (1993)

  1. Das letzte Werk mit Scheepers vor der großen Wende mit Hansen am Mikro und der Etablierung des klassischen Gamma-Ray-Sounds, aber dennoch sind die Ansätze zum späteren Stil bei den schnellen Songs schon vorhanden. Live knallen die Songs um eines mehr und haben schon die Power, für die man Gamma Ray danach kennt. Für mich ist das eigentlich schon der Übergang zu Land of the free und zum späteren Sound. Es wäre interessant, das ganze Album von der klassischen Gamma Ray Besetzung zu hören (also nicht nur die 3 Songs von blast of the past).
    Wer die alten Queen-Werke kennt, wird hier und da ein paar Einflüsse oder gar Zitate raushören: Heal Me ist schon ordentlich von Queen inspiriert und ich finde Kais Gesang gar nicht drunter und drüber, sondern er bringt die Emotionen, die ich bei Scheepers sehr technischem Gesang vermisse.
    Bei Future Madhouse ist im Break auch ein Zitat von Queens „Brighton Rock“ versteckt…
    Am band-eigenen Titelsong kann man aber nicht meckern, da dies eine Cover-Version ist! Mehr als der Refrain im Original hergibt, kann Gamma Ray aus „Gamma Ray“ nicht rausholen…

    Aber insgesamt finde ich das Album irgendwie auch nicht rund. Die schnellen und geradlinigeren Songs zünden, auch die Ballade, aber die experimentellen Songs versauen irgendwie den Gesamteindruck. Eine Hälfte sehr gut, die andere… naja…Manchmal ist das Ganze eben nicht besser als die Summe der Einzelteile. Ich manchen Fällen stören die schwächeren Songs nicht den Gesamteindruck. Aber hier schon.

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