Filmkritik: „E.T. – Der Außerirdische“ (1982)

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Originaltitel: E.T. The Extra-Terrestrial
Regie: Steven Spielberg
Mit: Henry Thomas, Drew Barrymore, Dee Wallace u.a.
Land: USA
Laufzeit: ca. 126 Minuten
FSK: ab 6 freigegeben
Genre: Science Fiction, Drama
Tags: Außerirdischer | Junge | Familie | Gefahr | Nach Hause

So rührend wollte noch niemand nach Hause telefonieren.

Kurzinhalt: Als eines Tages eine Gruppe Außerirdischer auf der Erde landet um zu forschen, werden sie jäh von einer handvoll auf den Plan gerufener FBI-Agenten und NASA-Wissenschaftler unterbrochen. Da die fremden Wesen vermutlich gefangengenommen wären, fliehen sie – und lassen dabei aus Versehen ihren jüngsten Spross zurück. Der flüchtet sich daraufhin in eine nahe Vorstadtsiedlung, und trifft alsbald auf den 10-jährigen Elliot (Henry Thomas). Nach dem ersten Schreck scheinen sich die beiden tatsächlich anzufreunden – woraufhin Elliot den Außerirdischen auf den Namen E.T. tauft. Auch stellt er ihn seinen Geschwistern vor, die zunächst verdutzt reagieren – sich aber ebenfalls schnell mit der liebenswerten Kreatur anfreunden. Die stellt sich schnell als echter Vielfraß heraus, sodass die Küche und die hiesigen Kinderzimmer des öfteren auf den Kopf gestellt werden – und doch schaffen es die Kinder, ihn vor ihrer Mutter zu verbergen. Nach und nach lernt E.T. sogar die menschliche Sprache, woraufhin er einen besonderen Wunsch äußert: er will nach Hause telefonieren, und wieder mit seinen Eltern vereint werden. Problematisch ist nur, dass die Wissenschaftler dem Wesen bereits auf den Fersen sind – und so ein Wettlauf gegen die Zeit beginnt.

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Kritik: Achtung, Spoiler ! Es war einmal im Jahre 1982, als ein vielversprechender Nachwuchs-Regisseur E.T. ins Rennen schickte – die Geschichte um ein seltsames außerirdisches Wesen, das sich mit dem jungen Elliot (Henry Thomas) anfreundet. Einige Millionen Zuschauer, 4 Oscars und mehr als drei Jahrzehnte später ist die eigentlich von Drehbuchautorin Melissa Mathison (DER SCHWARZE HENGST, DER INDIANER IM KÜCHENSCHRANK) erdachte Geschichte noch immer in aller Munde – und Regisseur Spielberg längst eine Hollywood-Legende. Eine einstweilen umstrittene, das bleibt kaum aus – doch in jedem Fall war die frühere Schaffensperiode des Amerikaners von so manchem auch heute noch gern gesehenen Highlight gekennzeichnet. Nach dem WEISSEN HAI, UNHEIMLICHE BEGEGNUNGEN DER DRITTEN ART und dem ersten INDIANA JONES sollte E.T. der erste waschechte Familienfilm der bunten Filmografie Spielberg’s sein – einer, der im Laufe der Jahre und Jahrzehnte andere Filmemacher nicht von ungefähr inspirierte (siehe zum Beispiel JOEY oder DER FLUG DES NAVIGATORS). Doch selbst wenn man den mittlerweile in Stein gemeißelten Kultstatus des Films einmal gedanklich außen vor lässt, so finden sich mindestens drei Gründe warum er als Kinder- respektive Familienfilm brillant funktioniert und angenehm zeitlos wirkt. Ob nun in der Originalen, oder anlässlich des 20sten Jubiläums digital überarbeiteten Fassung.

Der erste Grund, oder auch die erste markante Stärke von E.T. liegt wohl in seiner gelungenen Art der Inszenierung; und damit auch der erzielten Gesamtwirkung. Spielberg hat es schließlich geschafft die Geschichte sowohl jüngeren Zuschauern zumuten zu können, als auch ältere zu begeistern. Und somit im besten Fall genau das abzuliefern, was auch angedacht war – eine generationsübergreifende Familienunterhaltung. Anders und in Gegensätzen gesagt: E.T. ist für ein jüngeres Publikum geeignet, und das ganz ohne die erwachsenen Mitseher durch eine zu simple oder gar infantile Machart zu vergrätzen. Der Zweite Grund für die zeitlose, intensive und verträumte Wirkung ist in Falle von E.T. ein regelrechtes Doppel-Feature – und wird durch die Rolle des jungen Elliot und dessen Darsteller Henry Thomas begründet. Zweifelsohne handelt es sich um eine sympathische, durch und durch glaubwürdige Rolle, die dazu noch die perfekte Identifikationsmöglichkeit für jüngere Zuschauer offeriert – und die durch den damals erst 10-jährigen Schauspieler respektabel verkörpert wurde. Der dritte Hauptgrund für das Funktionieren von E.T. als Familienfilm mit allerhand sehenswerten Elementen ist dann schlicht in der überragenden Cinematographie zu suchen und zu finden: Spielberg ließ hier eher ruhige Bilder für sich sprechen, verzichtete auf hektische Schnitte oder allzu drastisch-künstliche Effekte – sodass bereits das erste Aufeinandertreffen von Elliot und E.T. denkwürdig ausfällt und die eher behutsame Erzählweise unterstreicht.

Abgesehen davon vermag es E.T. auch in so gut wie allen anderen Bereichen zu überzeugen – und sei es in Bezug auf die gelungene Maskenarbeit. Markant: E.T. sieht grundsätzlich eher fremdartig und dezent gruselig aus; was zu einer der vielen quasi nebenbei präsentierten Botschaften des Films führt: der erste Eindruck (der in diesem Fall gar von dem ein oder anderen Angst-Schrei garniert wird) kann täuschen. Der Soundtrack stammt von John Williams und entzündet eine seltsame Mischung aus Bombast und Emotionen – die aber gut funktioniert, und nur in vereinzelten Szenen etwas zu dick aufgetragen wirkt. Das gilt teilweise auch für die wohl kritischste Rolle des Films, die von Gertie – die von einer noch sehr jungen Drew Barrymore verkörpert wird. Hierbei kann man sich kaum des Gefühls erwehren, als sei vieles explizit auf eine gewisse kindliche Niedlichkeit getrimmt – die in Anbetracht der einstweilen zu abgebrühten Sprüche schlicht wenig glaubwürdig wirkt und so dezent im Gegensatz zum handfesten Porträt von Elliot steht.

Was bleibt, ist die eigentliche Geschichte – die im Endeffekt zwar nicht sonderlich überraschend ausfällt, dafür aber alles hat was ein guter Kinderfilm braucht. Und sogar noch etwas mehr – schließlich stehen den schon eher üblichen Elementen wie der Selbsterkenntnis, der grenzenlosen Freundschaft oder der Bereitschaft für andere einzustehen noch die Aspekte der Science Fiction zur Seite. Die sollten dann zwar tatsächlich nur jüngere begeistern – doch allein die berühmten Fahrrad-Flugszenen vor der Kulisse des Vollmondes oder die Darstellung des Raumschiffes gegen Ende sollten jedem in Erinnerung bleiben. Ein Film, der den Spagat zwischen kindgerechter Erzählweise und; man nenne sie einmal Bonus-Elementen für Erwachsene noch besser hinbekommen hat war der spätere FLUG DES NAVIGATORS (Review). Doch irgendwer musste es schließlich erst vormachen – was die Wichtigkeit von E.T. nochmals unterstreicht.

Fazit: E.T – der Außerirdische, oder: wie schreibt man Filmgeschichte. Stephen Spielbergs‘ frühes Werk schafft den Spagat zwischen dem (Sparten-)Dasein als reiner Kinderfilm und einer generationsübergreifenden, so gut wie jeden begeisternden Familienunterhaltung. Auch wenn das Szenario einstweilen fantastisch und dezent abgehoben erscheint, so wartet der Film mit eher bodenständigen Kernaussagen auf – die auch die kleinsten verstehen sollten; und die es im besten Fall vermögen die Erwachsenen zu Tränen zu rühren. Inszenatorisch und handwerklich macht E.T. alles richtig – von der behutsamen Art der Kameraführung über die gelungene Kulissen- und Maskenarbeit bis hin zu den starken und rundum sympathischen Charakteren gibt es nichts zu mäkeln. Grundsätzlich könnte man E.T. ’nur‘ als ausgezeichneten Film mit kleineren Schwächen betrachten – doch sein wegweisender Status und die gut zu beobachtende Tatsache, dass er viele andere Genre-Werke beeinflusste führen unweigerlich dazu; dass er sich den Status eines zeitlosen Meisterwerkes verdient hat.

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„E.T. ist abenteuerlich, spannend und fantastisch – aber auch angenehm ungekünstelt, ehrlich und rührend. Ein Zeitloser, wichtiger Kinder- und Familienfilm.“

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2 Gedanken zu “Filmkritik: „E.T. – Der Außerirdische“ (1982)

  1. Ein Kultfilm, aus einer Zeit in der das (US) Kino noch schön und charmant sein konnte. Allerdings hat mich der Film damals emotional so beeindruckt, ähnlich wie „The Neverending Story“, dass ich mich fast schon scheue ihn wieder zu sehen. Es ist in der Tat schon ewig her, dass ich den Film gesehen habe. Mag sich zwar in diesem Fall albern anhören, aber oft sind die Emotionen so überwältigend, dass man sich an einen Film nicht mehr herantraut, auch wenn man weiß, dass es das übliche Happy End geben wird. Aber E.T. in diesem Sauerstoffzelt…puuuh.

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    1. Ist mir selbstverständlich auch bekannt, dieses Phänomen… da hat wohl jeder seine speziellen Filme, die ihn auf eine ganz besondere Art und Weise bewegen. Bei ET hatte ich diese ‚Probleme‘ (eigentlich ist es ja gegenteiliges) nicht; wohl aber auch da ihn seeeeehr spät zum ersten Mal gesehen habe. Genauer gesagt erst zu dem Zeitpunkt, an dem ich diese Rezension verfasst habe; wie auch immer das passieren konnte. Aber hör mir auf z.B. mit MILLIONS… Danny Boyle hat es einfach geschafft, mich dranzukriegen 😉

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