Filmkritik: „The Human Centipede 3 – Final Sequence“ (2015)

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Originaltitel: The Human Centipede III (Final Sequence)
Regie: Tom Six
Mit: Dieter Laser, Eric Roberts, Robert LaSardo u.a.
Land: USA
Laufzeit: ca. 95 Minuten
FSK: ab 102 freigegeben
Genre: Horror
Tags: Centipede | Tausendfüßler | Franchise | Trilogie

Darauf haben Film-Fans (nicht) gewartet.

Kurzinhalt: Bill Boss (Dieter Laser) hat wahrlich keine leichte Zeit. Als Gefängnis-Leiter im George H. W. Bush Prison will ihn einfach niemand respektieren – die Gefangenen begehren ständig auf und lachen über seine Ambitionen, endlich so etwas wie Disziplin zu etablieren. So kommt es, dass der hiesige Gouverneur (Eric Roberts) kurz davor ist, ihn auszutauschen – wobei er ihm allerdings noch eine kurze Gnadenfrist einräumt. Zwei Wochen hätte Bill noch Zeit, die Dinge im Gefängnis in den Griff zu kriegen – was beinahe scheitert. Doch dann hört er endlich auf seine rechte Hand Dwight (Laurence R Harvey), der eine ganz und gar merkwürdige Idee hat. Er will einen menschlichen Tausendfüßler erschaffen – und zwar mit der Hilfe des bekannten Regisseurs Tom Six, der mit THE HUMAN CENTIPEDE 1 und 2 bereits in einem fiktiven Rahmen zeigte dass dergleichen theoretisch möglich wäre. Und so beschließt man, die aufsässigen Gefangenen tatsächlich nach und nach aneinanderzunähen… und den Gouverneur bei seinem nächsten Besuch hoffentlich glücklicher zu machen.

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Kritik: Achtung, Spoiler ! Einige hart gesottene Filmfans werden sie kennen, andere zumindest von ihr gehört haben – die Rede ist von THE HUMAN CENTIPEDE, einer berühmt-berüchtigten Filmreihe des holländischen Regisseurs Tom Six. Tatsächlich ist die mit dem dritten Franchise-Teil abgeschlossene Trilogie das bis heute einzige Werk des Holländers, der die Filme entsprechend mitproduzierte und die Drehbücher verfasste. Doch auch wenn man vermuten könnte, dass es sich hier um eine echte Herzensangelegenheit des Filmemachers handeln müsste – eine, in die er möglicherweise sogar viel Arbeit, Zeit und Geld gesteckt hat – ist THE HUMAN CENTIPEDE nicht weniger als eine der wohl streitbarsten Filmreihen aller Zeiten. Sicher ist es grundsätzlich angenehm, zwischen all dem Hollywood-Einheitsbrei auch mal auf eine deutlich unkonventionellere, rebellische oder explizit verstörende Filmkost zu stoßen – doch gibt es auch hier Grenzen. Das müssen nicht einmal die des schwer zu definierenden guten Geschmacks sein, der im Falle von THE HUMAN CENTIPEDE ein ums andere Mal auf die Probe gestellt wird – sondern speziell auch die des eigentlich schon relativ dehnbaren Begriffes der Filmkunst.

So zeigte der Holländer mit dem ersten Teil der Trilogie (Review) auf, wie ein Horror-Thriller mit bis dato nie dagewesenen Elementen des Body-Horrors aussehen könnte. Da die Idee des Films absurd genug war, um nicht wenige Zuschauer anzulocken wurde das Ganze ein Erfolg – auch, wenn der erste Teil unter Anwendung gängiger Wertungs – und Betrachtungsmaßstäbe ein maximal durchschnittlicher war. Immerhin hatte er sich den Status eines durchaus kuriosen Kleinods erworben, den viele als regelrechte Mutprobe verstanden. Nicht unbedingt, weil die Gewalt stets explizit dargestellt wurde – sondern weil das detailgetreu veranschaulichte Experiment es vorwegnahm, sich eigene Horror-Gedanken über eine schier unvorstellbare Situation wie die gezeigte zu machen. Problematischer wurde es dann mit dem zweiten Teil des Franchise (Review), in dem Tom Six seine kruden Ideen endgültig pervertierte – und ein ekelerregendes Schlachtfest auf die Beine stellte, das bis heute seinesgleichen sucht. Glücklicherweise muss man sagen, denn selbst andere Werke mit expliziten Gewaltdarstellungen wie beispielsweise A SERBIAN FILM (ob tatsächlich ausgeführte oder nur angedeutete) wurden hier dezent in den Schatten gestellt. Vor allem, da die dargestellte Gewalt keine wie üblich überspitzte war – sondern eine vergleichsweise realistisch anmutende und zudem vollkommen zusammenhanglose.

Wer den ersten, vor allem aber den perfiden zweiten Teil von THE HUMAN CENTIPEDE gesehen hat, wird also in etwa abgeschätzt haben können was mit dem dritten und hoffentlich wirklich letzten Teil der Reihe auf ihn zukommen würde. Immerhin muss man Tom Six dabei eines zugute halten: er hat den zweiten Teil nicht bloß wiederholt oder die extremen Gewaltdarstellungen noch weiter ausgeführt – verglichen mit dem zweiten Teil sind die vereinzelten Folter-Szenen aus dem dritten sogar regelrecht harmlos. Allerdings zeigt sich auch, dass sein Unterfangen den dritten Teil etwas selbstkritischer, wie postuliert gar ironischer ausfallen zu lassen nicht ganz aufgegangen ist. Auch wenn man THE HUMAN CENTIPEDE 3 nun direkt ansieht dass es sich hier um alles andere als einen ernst gemeinten Film handelt; wird man auch im dritten Teil kaum auf die Idee kommen, lauthals loszulachen. Anders gesagt: dass die Situation nun deutlich überspitzter wirkt, ändert nichts am ekelerregenden Grundprinzip des Films. Und damit ist nicht die eigentliche Idee eines menschlichen Tausendfüsslers gemeint –  sondern eher, wie Tom Six mit dieser umgeht.

Doch auch ganz nüchtern betrachtet, und unter der einstweilen schwerfallenden Ausklammerung der Vorgänger fühlt sich THE HUMAN CENTIPEDE 3 einfach nur verdächtig sinnlos an – und sorgt statt für markante Ekel-Momente (nicht, dass die es besser gemacht hätten) oder den Anflug eines Unterhaltungswertes eher für konsequente Ärgernisse. So erscheint es fragwürdig, warum man den grundsätzlich fähigen Hauptdarsteller Dieter Laser in der hiesigen Rolle nur wild herümbrüllen ließ. Die ständigen verbalen Ausuferungen fangen schnell an, zu nerven – und lassen erst gar nicht zu, dass ein wie-auch-immer geartetes Charakterporträt entsteht. Aber damit hatte Tom Six ohnehin stets Probleme, beziehungsweise liegt sein Fokus auf anderen Bereichen. Die Idee, dass die beiden Hauptcharaktere aus THE HUMAN CENTIPEDE 3 jeweils die aus dem ersten und dritten Teil des Franchise sind ist nun ebenfalls nicht mehr neu – und wirkt in der hiesigen Konstellation einfach nur albern. Umso verwunderlicher ist es, wieso man dennoch einige bekannte Gesichter in den Nebenrollen wiederentdeckt – wie etwa Tommy Lister oder Eric Roberts. Die steuern alle entsprechend wenig zum Film bei – mit Ausnahme eines Auftritts, mit dem man so vielleicht nicht gerechnet hätte. Die Rede ist von Tom Six höchstselbst, der sich dank der zusätzlichen Film-im-Film-Ebene in das hiesige Gefängnis begibt um die erste ‚echte‘ HUMAN CENTIPEDE zu begutachten – und sich bald darauf übergeben muss, weil ihm das Ganze doch etwas zu explizit wird. Hier handelt es sich um die wohl einzige gelungene, angenehm augenzwinkernde Szene des gesamten Films.

Fazit: Dass THE HUMAN CENTIPEDE 3 die spätestens mit dem zweiten Teil in indiskutabel gewordene, bedenklich pervertierte Trilogie um einen menschlichen Tausendfüßler nicht mehr retten würde; war zu erwarten. Immerhin bleibt man von einem weiteren ekelerregenden Dauer-Schlachtfest nach Facón des zweiten Teils verschont – doch ändert das nichts an der allgemein gegen Null tendierenden Sinnhaftigkeit des unnötigerweise auf eine Trilogie ausgedehnten Franchise. Die Versuche von Tom Six, sich nun selbst auf die Schippe nehmen zu wollen schlagen fehl, beziehungsweise werden erst gar nicht konsequent verfolgt – sodass der dritte Teil sich wider erwarten ganz ähnlich anfühlt wie seine Vorgänger. Oder sollte man eher sagen, ähnlich verstörend ? Wobei die verstörende Wirkung nicht mehr von den heftigen Gewaltdarstellungen ausgeht, oder der nunmehr dezent ausgelutschten Vorstellung in einen menschlichen Tausendfüßler eingereicht zu werden – sondern vielmehr vom allgemein dilettantischen Eindruck des Films und dem mehr als übertriebenen Spiel des Hauptdarstellers Dieter Laser. Der schreit, keift und ekelt schließlich so unkontrolliert in der Gegend herum, dass einem die Nackenhaare zu Berge stehen.

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„Ein gutes hat der dritte Teil – er ist der letzte. Hoffentlich.“

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