Filmkritik: „Sind Wir Schon Da“ (2005)

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Originaltitel: Are We There Yet ?
Regie: Brian Levant
Mit: Ice Cube, Aleisha Allen, Philip Bolden u.a.
Land: USA
Laufzeit: ca. 95 Minuten
FSK: ab 6 freigegeben
Genre: Komödie
Tags: Kinder | Erziehung | Vaterfigur | Reise | Anarchie

Ein Roadtrip, der (nicht) an die Substanz geht.

Kurzinhalt: Während seiner Arbeit in einem Laden für spezielle Sport-Raritäten entdeckt der notorische Playboy und Lebemann Nick (Ice Cube) die wunderhübsche Suzanne (Nia Long). Schnell beschließt er, sie unbedingt für sich gewinnen zu wollen – was seiner Meinung nach auch kein allzu großes Problem darstellen sollte. Wie sich zeigt hat Suzanne aber etwas, mit dem Nick so gar nicht warm werden kann – zwei Kinder (Philip Daniel Bolden, Aleisha Allen) nämlich. Dennoch bleibt er an ihr dran, kommt ins Gespräch und hilft ihr bald in ihrem stressigen Alltag aus – wofür er bei seinen Freunden nur Spott erntet. So richtig eindeutig scheint die Beziehung der beiden nicht, doch es kommt zu einer Bewährungsprobe. So will Suzanne endlich herausfinden, wie ernst es Nick wirklich mit ihr meint – und erteilt ihm daraufhin die Aufgabe, ihre beiden Kinder von Portland nach Vancouver zu bringen. Da es weder per Schnellflug noch per Bahnreise klappt, entschließt sich Nick für eine Fahrt mit dem Auto – und ein turbulentes Chaos beginnt.

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Kritik: Achtung, Spoiler ! Ice Cube, oder bürgerlich auch O’Shea Jackson ist einer der wohl bekanntesten Us-Amerikanischen Rapmusiker welche auch im Filmgeschäft Fuß gefasst haben. Und das schon recht früh respektive parallel zur eigentlichen Karriere als Musiker – wobei der Solo-Karriere eine Mitgliedschaft in der berühmt-berüchtigten Genre-Formation NWA vorausgegangen war. Dass er trotz aller dort an den Tag gelegten Gangster-Attitüden auch einen ganz eigenen Sinn für Humor hat, machte er indes schon relativ früh klar. Neben auf authentisch getrimmten Crime-Dramen a’la BOYZ N THE HOOD folgten schließlich alsbald spezielle Anarcho-Komödien wie FRIDAY. Speziell deshalb, weil sie eher auf ein bestimmtes Zielpublikum zugeschnitten waren – und sich so auch einen gewissen Kultstatus sichern konnten. Im Laufe der Zeit aber weiteten sich die Ambitionen des Multi-Talentes weiter aus – neben seiner Rap-Karriere und kleineren Gastauftritten kamen nun immer mehr Hauptrollen hinzu; sowie auch einige Arbeiten als Produzent und Drehbuchautor. Spätestens mit SIND WIR SCHON DA fand der Künstler dann auch einen Weg in die heimischen Wohnzimmer – die wohl gemerkt längst nicht mehr nur von eingefleischten Fans; sondern vor allem von Familien besetzt waren.

Wie gut oder schlecht ein weitestgehend glattgeschliffener Auftritt wie dieser nun zum einstigen Gesellschafts-Gegner Ice Cube passt; oder ob er damit etwas in Bezug auf seine Glaubwürdigkeit einbüßt sei einmal dahingestellt – Fakt ist nur, dass SIND WIR SCHON DA nicht viel mehr als eine absolut typische Hollywood-Komödie geworden ist. Das ist immerhin etwas, aber viel mehr ist dann auch tatsächlich nicht zu holen. Schließlich gilt es wie so oft, potentielle Film-Qualitäten nicht im Bereich der Hintergrundgeschichte, der durchaus fraglichen Moral oder bemerkenswert hochkarätigen Witzeleien zu suchen – sondern eher in Bezug auf das ausgelassene Spiel der Darsteller und einigen kleineren guten Ideen. So funktioniert die Symbiose aus Hauptdarsteller Ice Cube (der wie so oft etwas zu versteift agiert) und seinen beiden irgendwo zwischen frech und niedlich-naiv auftretenden Film-Schützlingen überraschend gut – und sorgt für den eigentlichen Unterhaltungswert.

Während; und das ist der Knackpunkt – viele der anberaumten Witze und Ideen bestenfalls als zweckdienlich, und schlimmstenfalls als peinlich und infantil bezeichnet werden können. Auch macht SIND WIR SCHON DA weder den Eindruck als sei viel Herzblut investiert worden, noch dass ein nennenswertes Fingerspitzengefühl an Tag gelegt wurde. Vieles wirkt eher grobschlächtig und unausgegoren – und wurde vor allem auch möglichst simpel gefilmt. In Bezug auf die technischen Aspekte hat der Film demnach auch nur wenig auffälliges, geschweige denn sich nachhaltig einprägendes zu bieten. Allerdings, und das ist durchaus positiv anzumerken – bleiben allzu hektische Spielereien und Schnitte aus.

Fazit: SIND WIR SCHON DA ist alles andere als ein großer Wurf geworden – weder als Familien-Komödie mit einer vergleichsweise nichtssagenden Moral, noch als kunterbunter Filmspaß für die Weihnachtszeit oder eher der hier auch gezeigten Feier des Jahreswechsels. Neben der nicht gänzlich stimmigen Besetzung der erwachsenen Rollen sorgt vor allem das doch recht häufige über-das-Ziel-hinausschießen für Verdruss: speziell in Anbetracht des einstweilen ärgerlich-peinlichen Fäkalhumors oder ganz und gar grotesker Einzel-Szenen (Stichwort Kampf gegen ein Reh) hätte man den Ball doch das ein oder andere Mal flach halten sollen. Dennoch entwickelt der Film einen gewissen leichtgängigen Fluss, macht hie und da sogar anarchischen Spaß – was vor allem den frechen Kinderdarstellern und der überspitzten Darstellung von diversen Alltags-Situationen zu verdanken ist.

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„Für den schnellen, harmlosen Filmspaß zwischendurch.“

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