Metal-CD-Review: CELESTY – Mortal Mind Creation (2006)

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Alben-Titel: Mortal Mind Creation
Künstler / Band: Celesty (mehr)
Veröffentlichungsdatum: 23. Oktober 2006
Land: Finnland
Stil / Genre: Epic Power Metal
Label: Dockyard 1 Records

Alben-Lineup:

Antti Railio – Vocals
Teemu Koskela – Guitars
Tapani Kangas – Guitars
Juha Mäenpää – Keyboards
Ari Katajamäki – Bass
Jere Luokkamäki – Drums

Track-Liste:

1. Lord of Mortals (04:43)
2. Unreality (05:04)
3. Demon Inside (06:40)
4. War Creations (04:30)
5. Empty Room (05:23)
6. Among the Dreams (04:36)
7. Back in Time (04:08)
8. Arrival (04:43)
9. Last Sacrifice (05:24)

Irgendwann kommt die Zeit für Veränderungen.

Nach ihren beiden Ausnahme-Alben REIGN OF ELEMENTS (Review) und LEGACY OF HATE (Review) schickten sich die Finnen von CELESTY 2006 erneut an, einen markanten Genre-Beitrag abzuliefern. Wie schon zuvor galt es, sich nicht auf den Lorbeeren der Vergangenheit auszuruhen – obwohl es sich die Power Metaller gerade nach dem wahnwitzigen LEGACY OF HATE durchaus verdient hätten. In Bezug auf das dritte Album MORTAL MIND CREATION hieß das vor allem: CELESTY wagten abermals einen Schritt nach vorn, indem sie ihr vorheriges Meisterwerk nicht kopierten – sondern ihren Sound in eine neue Richtung lenkten. In der Tat ist das Drittwerk der Finnen wesentlich schroffer, rauer und in gewisser Weise auch klassischer ausgefallen – der bombastische Power Metal mit stets flotten Tempi und massivem Keyboardeinsatz ist auf MORTAL MIND CREATION einem bodenständig-rockigeren Sound gewichen; der zudem mit einem dezenten Retro-Touch garniert wurde und Parallelen zur Genre-Entwicklung in den 80er Jahren aufwirft.

Und auch wenn das per se nicht schlecht ist, muss man sich als Konsument der ersten beiden Alben erst einmal an den neuen Sound der Band gewöhnen. Zum einen, da man sicher nicht mit derlei Entwicklungen hat rechnen können – und zum anderen, da MORTAL MIND CREATION im Gegensatz zu den Vorgängern nicht den Vorteil hatte und hat, dass die vertretenen Nummern sofort zünden. Dort, wo die Hörer zuvor noch mit perfekt aufeinander abgestimmten Keyboardelementen, einem flotten Grundtempo und eingängigen Refrains vor der Kulisse einer ganz und gar kosmischen Hintergrundgeschichte geködert wurden; gibt es nun vermehrt bodenständiges auf die Lauscher. Das Album präsentiert so vermehrt griffig-rockige Titel, die von einem nunmehr wesentlich schrofferen Riffing und mehr Variabilität in jeder Hinsicht getragen werden. Will heißen: eingeschlagene Marschrichtungen können sich auch innerhalb eines einzelnen Titels mehrmals verändern.

Analog dazu zeigt sich insbesondere Leadsänger Antti Railio von einer bis dato unbekannten Seite – von einer wesentlich kräftigeren und raueren. Das passt gut zum neuen, nicht mehr ganz so verspielten Konzept – wobei die schon mit dem ersten Album anberaumte Hintergrundgeschichte auch hier weitergeführt wird. Man sollte das Ganze schlicht als neues Kapitel betrachten – als gleichermaßen spannendes auf der positiven, wie allerdings auch dezent weniger wirksames auf der anderen Seite. Denn während der Opener LAND OF MORTALS noch bestens als rassiger Genre-Stampfer funktioniert, klingt das folgende UNREALITY vor allem im späteren Verlauf etwas zu modern und allein dadurch überhaupt nicht nach CELESTY. Ähnliches gilt auch für das gesanglich stark gewöhnungsbedürftig vorgetragene DEMON INSIDE – das trotz der durchaus knackigen Riffs merkwürdig weichgespült klingt.

Diese Feststellung zieht sich unglücklicherweise auch durch die nächsten Titel – beim noch recht knackigen WAR CREATIONS etwas weniger als beim etwas unentschlossen wirkenden EMPTY ROOM. Den Schwachpunkt des Albums aber markiert die Ballade AMONG THE DREAMS – die mit der bisher bedenklichsten Darbietung des Leadsängers aufwartet (erst Recht, wenn man den starken Vorgänger zu Vergleichszwecken heranzieht) und mit dem Zusammenspiel aus ein wenig Akustik-Geplänkel und heftig verzerrten E-Gitarren einfach nicht überzeugen kann. Ein Bruchteil der alten Kraft und Spielfreude der Band kommt dann zumindest mit BACK IN TIME auf – bevor sich mit ARRIVAL dann doch noch die lang ersehnte Gänsehaut einstellt. Leider etwas zu spät – doch zeigen CELESTY hier auf, wo ihre eigentlichen Stärken liegen. Warum sich also nicht darauf besinnen ?

Der Rausschmeißer LAST SACRIFICE ist dann ebenfalls überraschend temporeich und kraftvoll – und bewegt sich irgendwo zwischen dezenten Trash-Anleihen und dem Sound der alten CELESTY-Alben. Gerade dies könnte noch einmal darauf hinweisen, dass sich die Band selbst nicht sicher war was genau sie mit MORTAL MIND CREATION erreichen wollten. Schließlich kommen auf diesem Album – und das trotz der gerade einmal 9 enthaltenen Titel – einige verschiedene Eindrücke zusammen, sodass es am ehesten wie eine Art Experiment wirkt. Ein etwas unentschlossenes leider – dass durchaus seine Momente hat, aber vor allem im Ganzen wenig konsequent wirkt.

Fazit: Da LEGACY OF HATE als direktes CELESTY-Vorgängeralbum und markante Perle des Finnischen Power Metal der eher bombastischen Sorte nicht einmal einen Millimeter Luft nach oben ließ, konnte MORTAL MIND CREATION eigentlich nur hintenan stehen. Das geschieht tatsächlich – aber nicht nur deswegen; sondern auch aufgrund der neuen, eher unglücklichen Sound-Ausrichtung der Band. Die mag zwar überraschend daherkommen, und letztendlich funktioniert sie auch – doch die somit erzielte Wirkungskraft ist deutlich weniger spektakulär. Oder anders gesagt: anstelle der alten Qualitäten sind neue getreten, die sich allerdings nicht mit den alten messen lassen. Besonders nennenswert ist eigentlich nur das starke Riffing – hinsichtlich der Strukturen und Kompositionen, des Leadgesangs und der Refrains hat man sich sogar deutlich verschlechtert. Zumindest relativ betrachtet – das Album ist noch immer alles andere als ein Reinfall, doch ist das hier dargebotene Material schon eher mit dem Output anderer Bands zu verwechseln. Auch wenn diese nicht unbedingt im übergeordneten Genre des Power Metal aktiv sein müssen… was eher ein schlechtes Zeichen ist. So hat MORTAL MIND CREATION seine wahren Stärken nur in den Momenten, in denen sich die Band an ihrem eigentlichen Sound orientiert – was in etwa einem Drittel des Albums entspricht.

Absolute Anspieltipps: LORD OF MORTALS, BACK IN TIME, ARRIVAL


60button

„Originell und abwechslungsreich, aber bei weitem nicht so treffsicher wie die Vorgänger.“

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