Metal-CD-Review: CELESTY – Legacy Of Hate (2004)

celesty-legacy-of-hate_500

Alben-Titel: Legacy Of Hate
Künstler / Band: Celesty (mehr)
Veröffentlichungsdatum: 10. Mai 2004
Land: Finnland
Stil / Genre: Epic Power Metal
Label: Arise Records

Alben-Lineup:

Antti Railio – Vocals
J-P Alanen – Guitars
Tapani Kangas – Guitars
Juha Mäenpää – Keyboards
Ari Katajamäki – Bass
Jere Luokkamäki – Drums

Track-Liste:

1. Intro (00:57)
2. Unbreakable (05:02)
3. Dream (04:44)
4. Breed from the Land Unknown (04:51)
5. Army of the Universe (06:50)
6. Settlement (06:43)
7. Shelter (04:53)
8. Legacy of Hate Part I (10:35)
9. Legacy of Hate Part II (10:41)

Ruhe dich auf deinen Lorbeeren aus – oder gehe noch einen Schritt weiter.

Was, ja was soll man machen wenn man bereits ein fast perfektes Debütalbum abgeliefert hat (REIGN OF ELEMENTS, Review) und nach einem potentiell einschneidenden Besetzungswechsel das zweite Album ansteht ? Sicher stehen einige Bands auch heute noch vor dieser Frage – wobei ein Wechsel des Leadsängers durchaus markante Folgen nach sich ziehen kann. Aber auch das erstgenannte, man nenne es einmal Luxusproblem tritt hie und da auf; und sei es nur gefühlt. Dass Bands ihre Energien und Ideen bereits bei einem Debütalbum verpulvern und folglich Probleme haben, diese selbst auferlegte Messlatte noch zu toppen ist zwar selten – aber es kommt vor.

Die Finnen von CELESTY indes scheinen Probleme wie diese nicht gekannt zu haben – und das trotz dessen, dass Leadsänger Kimmo Perämäki die Band nach seiner furiosen Darbietung auf REIGN OF ELEMENTS schon wieder verlassen hatte. So wurde der vielleicht wichtigste Band-Posten neu besetzt – und zwar mit dem bis dato unbekannten Antti Railio. Kombiniert man diese Information nun mit der Tatsache, dass das Debütalbum qualitativ kaum noch Luft nach oben ließ – so hätte man doch annehmen müssen, dass LEGACY OF HATE weit hinter seinen Vorgänger zurückfallen würde. Doch das ist glücklicherweise ein Irrtum; ein vergleichsweise heftiger sogar.

Schließlich vermag es das ambitionierte Zweitwerk der Finnen den bereits grandiosen Vorgänger noch zu übertrumpfen. Und das ist beileibe kaum vorstellbar, wenn man dem Debüt wieder und wieder lauscht – aber schlicht wenig bis nichts entdeckt, was den allgemeinen Hörgenuss markant trüben könnte. Mit Ausnahme dessen vielleicht, dass die ein oder andere Über-Nummer fehlte – und das Album vor allem als Ganzes überzeugte. Das Geheimnis von LEGACY OF HATE bleibt somit nicht lange ein eben solches: CELESTY haben schlicht alle Qualitäten des Vorgängers übernommen, dafür aber noch einige besonders herausragende Nummern obendrauf gepackt. Und allzu lange dauert es auch nicht, bis die erste davon durch die Boxen rauscht.

Zuvor lauscht man jedoch dem bereits ebenfalls sehr starken Auftakt mit der flotten Hymne UNBREAKABLE und dem etwas gemächlicheren DREAM, sowie dem überraschend stimmigen BREED FROM THE LAND UNKNOWN – in dem einige neue Komponente in Form von düstereren Momenten (wie einige Gesangselemente des Black oder Death Metal) hinzugefügt werden. Spätestens mit ARMY OF THE UNIVERSE ist es dann aber soweit: CELESTY feuern aus allen Rohren, und liefern eine der vielleicht mächtigsten Genre-Hymnen überhaupt ab. Eine, die man wenn schon nicht im Alben-Kontext zumindest alleinstehend immer wieder hören wird – hier stimmt einfach alles, vom exzellent aufeinander abgestimmten Gesang über die symphonischen Keyboardeinlagen bis hin zum grandiosen Refrain; in dem Schlagzeug und Gitarren geradezu explodieren. Im Hintergrund, und für all jene die noch tiefer in die Materie einsteigen wollen lauert dabei noch immer die für das Album erdachte, fantastische Konzept-Geschichte – die zwar nicht gänzlich vor Kitsch gefeit ist, aber dennoch ihresgleichen sucht und eine willkommene Abwechslung zu den im Genre üblicherweise besungenen Themen darstellt. Der Himmel ist eben nicht das Limit…

Auch das folgende SETTLEMENT lebt; obwohl im großen und ganzen etwas getragener gehalten, von der gekonnten Symbiose aus Klargesang, Chören und aggressiv-bestimmten Gesangspassagen. Der Refrain kann eine ganz ähnliche Wirkung entfalten wie schon bei ARMY OF THE UNIVERSE – nur in einem noch düstereren Kontext. SHELTER hingegen beraumt wieder eine lockerere Atmosphäre an – und überzeugt mit starken Keyboard-Elementen und einer weiteren hervorragenden Darbietung von Leadsänger Antti Railio; der sich in den Strophen auch mal von einer etwas sanfteren Seite zeigt ohne die nötige Power vermissen zu lassen. SHELTER ist gleichzeitig auch die letzte Möglichkeit, vor dem großen Alben-Finale Luft zu holen – denn das hat es in sich.

Und so geschieht es: nach dem fulminanten ARMY OF THE UNIVERSE gesellen sich noch zwei weitere Titel zur Liste der Alben-internen, aber sicher auch allgemeinen Genre-Highlights hinzu. LEGACY OF HATE ist als epischer Zweiteiler schließlich mit das Beste, was das Genre anzubieten hat – und zwar bis heute. Mit diesen enorm vielschichtigen, abwechslungsreichen und unterhaltsamen 10-Minuten-Titeln wird das Album entsprechend pompös abgeschlossen – wobei es vorkommen könnte, dass man etwas verdutzt aus dieser Hörerfahrung hervorgeht; allerdings im positiven Sinne. Fairerweise sollten aber auch jene Aspekte genannt werden, die gegen das Album sprechen. Eine Sache gibt es tatsächlich: das Intro ist wie schon beim Vorgänger eher zu vernachlässigen. Da es das aber schon gewesen ist, ändert sich in Bezug auf die Gesamtwertung nicht viel; eigentlich sogar gar nichts.

All das lässt eigentlich nur eine Schlussfolgerung zu: mit LEGACY OF HATE haben sich CELESTY nicht nur selbst übertroffen, sondern auch einen echten Meilenstein abgeliefert. Einen, der die Position der Band als eine der wichtigsten Power Metal-Acts aus Finnland festigen sollte – sodass es umso bedenklicher ist, dass man heute nur noch wenig von der Band hört. Doch wer weiß schon, was die Zukunft bringt. Bis dahin gilt es, sich weiterhin mit den Erstwerken der momentan noch recht übersichtlichen Band-Diskografie auseinanderzusetzen – und einfach zu genießen. Die grandiosen Einzelleistungen der Mitglieder, das starke Alben-Konzept und die mehr als stimmige Gesamtwirkung machen es möglich.

Absolute Anspieltipps: Alle


100button

„Eines der stärksten Genre-Alben überhaupt.“

Über Kommentare Freut Sich Jeder.

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.