Metal-CD-Review: DARK MOOR – Project X (2015)

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Alben-Titel: Project X
Künstler / Band: Dark Moor (mehr)
Veröffentlichungsdatum: 6. November 2015
Land: Spanien
Stil / Genre: Power Metal
Label: Scarlet Records

Alben-Lineup:

Enrik García – Guitars
Alfred Romero – Vocals (lead)
Roberto Cappa – Drums
Ricardo Moreno – Bass

Track-Liste:

1. November 3023 (01:07)
2. Abduction (04:43)
3. Beyond the Stars (04:57)
4. Conspiracy Revealed (03:06)
5. I Want To Believe (04:59)
6. Bon Voyage! (06:18)
7. The Existence (04:06)
8. Imperial Earth (04:30)
9. Gabriel (04:14)
10. There’s Something In The Skies (08:04)

Ein Höhenflug oder doch eher ein Reinfall ?

Gut 2 Jahre nach ARS MUSICA (Review) legen die Spanier der mittlerweile legendären Genre-Combo DARK MOOR ein weiteres Studioalbum vor – das mittlerweile zehnte. Dieses horcht auf den Namen PROJECT X – und beschäftigt sich wie schon der Vorgänger mit einem vielversprechenden Konzept. Wer die bereits veröffentlichte Videosingle zu GABRIEL gesehen hat, wird dabei in etwa erahnen können worum es geht: um nicht weniger als Außerirdische, interstellare Entführungen respektive Offenbarungen – und vielleicht auch die Evolution der Menschheit. Das abermals gelungene Cover-Artwork unterstreicht die Idee, sich mit PROJECT X auf eine ganz besondere musikalische Entdeckungsreise innerhalb des übergeordneten Genres zu begeben – die Frage ist nur, ob DARK MOOR die ihnen gegebenen Chancen dieses Mal voll ausschöpfen. Zwar waren die Spanier stets weit davon entfernt, eine Krise zu durchleben (wobei der Weggang von Elisa C. Martin dem recht nahe kam) – doch nach dem eher lauwarmen ARS MUSICA wäre es doch mal wieder an der Zeit für ein rundum gelungenes Album.

Der große Schreck folgt jedoch sogleich, und das so schnell wie bei sonst keinem anderen Album dieses Jahres: PROJECT X hat einige alles andere als überhörbare Schwächen. Da wäre zum einen die effektive Gesamtwirkung der Abmischung – die deutlich zu kraftlos wirkt und auch etwas zu zentriert klingt. Gerade das konnten DARK MOOR schon wesentlich besser. Der breite, reichhaltige und vollmundige Klang von Alben wie ANCESTRAL ROMANCE rückt jedenfalls in weite Ferne – warum, das weiß nur die Band selbst. Des weiteren scheint es dezente Probleme in Bezug auf einen der wichtigsten Posten zu geben: den Leadgesang. Was genau es ist, und ob ein Großteil der hier etablierten Wirkung nicht doch mit der eher unvorteilhaften Abmischung zusammenhängt bleibt offen – Fakt ist nur, dass Alfred Romero wesentlich lustloser, angestrengter und auch stilistisch unsicherer klingt als sonst. Selbst sein Akzent scheint sich in eine nicht unbedingt wünschenswerte Richtung entwickelt zu haben: wo er auf den Vorgängern noch am ehesten als englischer native speaker durchgegangen ist, hört man ihm nunmehr deutlich an dass er bezüglich seiner Aussprache zu kämpfen hat.

Dieser eher theoretische Teil der negativen Aspekte lässt sich indes auch auf die tatsächlichen Nummern übertragen – von denen viele überraschend schlecht abschneiden. Aus obigen, bereit genannten Gründen – aber auch aus anderen. Der Opener ABDUCTION mag als symphonisch angehauchter Stampfer noch ganz gut funktionieren; doch bereits mit der quasi-Ballade BEYOND THE STARS leistet man sich einen absoluten Fehlgriff. Hier handelt es sich um die bisher wohl bedenklichste Performance von Alfred Romero überhaupt – was im Zusammenspiel mit den merkwürdig-frohlockenden Hintergrundgesängen und der schwachen Instrumentierung für einen echten Schock sorgt. Das drauf folgende CONSPIRACY REVELEAD kommt ebenfalls viel zu gemächlich daher – während man mit I WANT TO BELIEVE schon wieder eine Ballade nachlegt. Die hat folglich mit den gleichen Problemen zu kämpfen wie BEYOND THE STARS, nur dass die störenden Hintergrundgesänge dieses Mal noch lauter sind. Überhaupt scheinen DARK MOOR ein gänzlich neues Konzept mit ihren Chören anzuberaumen – das allerdings überhaupt nicht aufgeht.

So klingt auch der Refrain von BON VOYAGE reichlich makaber. Sicher, gegen ein wenig Leichtigkeit oder musikalische Experimente hat niemand etwas einzuwenden (man denke nur an das ebenfalls eher untypische JUST ROCK aus ANCESTRAL ROMANCE) – doch es scheint, als sei das gesamte PROJECT X eine Art flaches gute-Laune-Musical geworden. Folglich aber auch eines, dass leider keine Bilder vor dem geistigen Auge entstehen lässt – dafür ist allein die Gesangsdarbietung zu schwach und die Abmischung zu unvorteilhaft. Warum DARK MOOR nicht zumindest einen etwas schmackigeren Titel nachlegen bleibt daher mehr als fraglich – offenbar verlassen sie sich voll und ganz auf ihre neue Soundausrichtung. Die Folge: der Opener ABDUCTION bleibt der flotteste, kräftigste und aussagekräftigste Titel des Albums. Und das verheißt beileibe nichts gutes, zumal selbst der nicht unbedingt als starkes Stück bezeichnet werden kann. Immerhin wagt man mit IMPERIAL EARTH noch einmal einen Schritt in die richtige Richtung – doch dafür ist es bereits zu spät. GABRIEL ist keine Übernummer, geht als etwas kräftigere Ballade aber in Ordnung – während der unspektakuläre Rausschmeißer THERES SOMETHING IN THE SKIES auch nicht mehr viel herumreißen kann.

Trotz des augenscheinlich spannenden Konzeptes ist das einzige, was sich somit auf diesem Album wirklich hören lässt; das Schlagzeugspiel von Roberto Cappa – sowie die typischen DARK MOOR-Soliparts von Enrik García. Während der Bass eher untergeht, ist speziell die Darbietung von Alfred Romero höchst bedenklich – er scheint in jeder Hinsicht arge Probleme zu haben, das Album stimmlich markant und stilsicher zu präsentieren. Im Zusammenspiel mit den wenig effektiven, langatmigen Nummern – die zudem noch verdammt schlecht abgemischt sind – ergibt sich so ein zutiefst enttäuschendes Gesamtbild. Und das war von einer Band wie DARK MOOR trotz des leichten Qualitätsabfalls mit ARS MUSICA nicht unbedingt zu erwarten. Die Hoffnung, dass die Band mit PROJECT X endlich wieder durchstarten würde muss jedenfalls – und leider – begraben werden. Wer sich die Special-Edition mit einigen früheren, damals noch von Elisa C. Martin eingesungenen Nummern besorgt – der wird endgültig feststellen müssen, dass es momentan alles andere als gut um die Band bestellt ist. Warum nur konnte man nicht wenigstens diese Titel (unter anderem vom großartigen THE GATES OF OBLIVION) unangetastet lassen ? Die Antwort steht in den Sternen…

Absolute Anspieltipps: ABDUCTION, IMPERIAL EARTH


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„Mit Abstand das bis heute schlechteste DARK MOOR-Album.“

2 Gedanken zu “Metal-CD-Review: DARK MOOR – Project X (2015)

    1. In jedem Fall Danke für die Rückmeldung. Ich dachte schon ich bin der einzige der so denkt / dem es auffällt, dass sich Dark Moor definitiv verschlechtert haben – erst Recht in Anbetracht der doch weitestgehend positiven Reviews, die man so findet.

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