Filmkritik: „Star Wars: Episode 2 – Angriff Der Klonkrieger“ (2002)

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Originaltitel: Star Wars: Episode II – Attack Of The Clones
Regie: George Lucas
Mit: Ewan McGregor, Natalie Portman, Hayden Christensen u.a.
Land: USA
Laufzeit: ca. 142 Minuten
FSK: ab 12 freigegeben
Genre: Science Fiction, Abenteuer, Fantasy
Tags: Prequel | Anakin Skywalker | Obi-Wan Kenobi | Galaxis | Bürgerkrieg

Die Macht ist… schwach in Dir.

Kurzinhalt: Die gesamte Galaxis ist in Aufruhr – denn die schwer einzuschätzende Separatistenbewegung um deren geheimnisvollen Anführer Count Dooku (Christopher Lee) gewinnt immer mehr an Macht. Noch können die Jedi allerdings nicht viel tun – mit Ausnahme dessen, zumindest die hübsche Senatorin Amidala (Natalie Portman) zu beschützen. Das hatte Obi-Wan Kenobi (Ewan McGregor) schon zuvor getan – während nun auch sein Schüler Anakin Skywalker (Hayden Christensen) zu einem jungen Mann herangewachsen ist, der in der Lage ist verschiedene Aufträge auszuführen. Diesen scheint er sich indes besonders zu Herzen zu nehmen – er entwickelt immer mehr Gefühle für Amidala, obwohl dies laut den gängigen Jedi-Statuten untersagt ist. Zwar hatte es Obi-Wan noch nie wirklich leicht mit seinem hitzköpfigen Schüler gehabt… doch langsam aber sicher scheint er sich völlig seiner Kontrolle zu entziehen.

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Kritik: Achtung, Spoiler ! Nach dem eher missglückten ersten Teil der großen STAR WARS-Prequelreihe aus dem Jahre 1999 (siehe Review zu DIE DUNKLE BEDROHUNG) legte Franchise-Schöpfer George Lucas bereits gute drei Jahre später den zweiten Teil seiner neu begonnenen Trilogie vor – den ANGRIFF DER KLONKRIEGER. Trotz des relativen finanziellen Erfolges von EPISODE 1 hatte er dabei vor allem eines im Rücken: den Unmut vieler Fans, die regelrecht enttäuscht waren über den neuerlichen Ausverkauf und die viel zu kindliche Gestaltung ihres einst heiß geliebten STAR WARS-Franchise. Sicher konnte Lucas so neue Fan-Schichten erobern und vor allem auch eine deutlich jüngere Generation für das STAR WARS-Universum begeistern – doch insbesondere alteingesessene Puristen konnten wenig mit dieser neuen Auslegung des einst eher düsteren Weltraumepos anfangen. Für das STAR WARS-Mastermind gab es demnach nur zwei Möglichkeiten. Entweder, er würde die neue Linie konsequent weiterfahren und dafür weiterhin auf wenig Gegenliebe stoßen, dafür aber möglicherweise umso vollere Kassen vorfinden – oder aber er würde das Genörgel der Fans nicht als solches links liegen lassen, sondern es stattdessen als berechtigte Kritik in Bezug auf Episode 2 und 3 aufarbeiten.

Glücklicherweise scheint sich Lucas letztendlich doch noch auf die zweite anberaumte Möglichkeit besonnen zu haben, sodass sich EPISODE 2 schon eher wieder wie ein typischer STAR WARS-Film anfühlt. Zumindest theoretisch; denn das Ausbleiben der geradezu peinlichen Slapstick-Einlagen, des viel zu kindlichen Humors und der Popcorn-Atmosphäre der ersten Episode ist in jedem Fall als Zugewinn zu bezeichnen. Analog zur nunmehr wieder etwas düstereren Atmosphäre und der Altersfreigabe ab 12 zeigte sich Lucas außerdem bestrebt, die wirklich interessanten Aspekte des STAR WARS-Universums herauszuarbeiten. Viele Szenen aus EPISODE 2 sind so nicht mehr nur bloßes Schauwerk; wie etwa die länglichen Podracer-Sequenzen oder die kitschige Unterwasser-Stadt aus Teil 1 – sondern beinhalten spürbar mehr Elemente aus den Bereichen der (ernsthaften) Charakterzeichnung sowie der eigentlichen Hintergrundgeschichte. Da Episode 2 auf einem guten Weg ist, dass in EPISODE 4 zu bestaunende politische Dilemma (ein Imperium gegen den Rest der Welt) expliziter aufzuschlüsseln, werden folgerichtig auch mal einige längere Dialoge oder allgemein ruhigere Szenen eingeschoben. Das sorgt mitunter für einen etwas zähen Filmfluss – der aber immerhin informativ und so gesehen auch eine echte Offenbarung gegenüber der quirlig-bunten Action-Szenerie aus EPISODE 1 ist.

Doch auch wenn George Lucas damit die Wünsche vieler Fans erhört und sinngemäß aufgegriffen hat, traf er auch in Bezug auf EPISODE 2 eine Fehlentscheidung. Eine solche, die weniger mit dem Inhalt des Films; als vielmehr mit der Gestaltungsarbeit als solches zu tun hat. Anders gesagt: mit EPISODE 2 näherte er sich zwar wieder stärker dem eigentlichen STAR WARS-Flair, gleichzeitig könnte der Film aber auch als der bisher künstlichste Teil betrachtet werden. Und das liegt sicher nicht nur daran, dass der Film erstmals komplett mit Digitalkameras gedreht wurde. Künstlich bedeutet in diesem Fall, dass auf so viel CGI-Effekte zurückgegriffen wurde wie nie zuvor – und das selbst in Bezug auf kleinere Elemente. So kann man sich nicht des Gefühls erwehren, echte Kulissen vergeblich zu suchen – was im Zusammenspiel mit den nicht immer guten oder zumindest stark vereinfachten Effekten (wie etwa bei der grellen Klonbasis auf Kamino) für eine eher unwirkliche, selten greifbare Atmosphäre sorgt. Derweil haben die ebenfalls vorhandenen, aber eher seltenen Action-Szenen eines der Probleme aus EPISODE 1 übernommen: sie sind viel zu bunt, formelhaft – und sehen mit den kantigen Klonkriegern und ihren Riesenwummen einfach nicht besonderes hübsch aus.

Selbst die potentiell hochkarätigsten Szenen, wie beispielsweise die in denen eine ganze Horde Jedi ihre Lichtschwerter zückt – verkommen so zu einem verdächtig seelenlosen Spektakel. Einem, in dem viel Wert auf Bilder gelegt wurde – jedoch und offenbar in einer dem Film eher wenig dienlichen Form. Schließlich verkehrt sich die allgemeine Hochglanzoptik ins Gegenteil: EPISODE 2 wirkt schlicht zu steril, um nachhaltig fesseln zu können. Spätere Kampfszenen wie die zwischen Yoda und Count Doku sind dann ebenfalls nur mit einem dezenten Schmunzeln, denn mit einem wirklichen Staunen zu betrachten – zumal man keinen der beiden Charaktere sonderlich gut porträtiert hat und die Empathie eher auf der Strecke bleibt. Das gleiche gilt im übrigen auch für die etwas zu ausführlichen Liebesszenen zwischen dem immer heißblütigeren Anakin und seiner eher gelangweilt wirkenden Padme. Hier wurde dann doch etwas zu sehr in die Klischee-Kiste gegriffen, eine nennenswerte Sympathie entsteht für keinen der beiden Charaktere. Immerhin: mit Szenen wie der Andeutung zum Bau des Todessterns, oder aber dem Tod des Vaters von Boba Fett hat man hie und da doch noch den Bogen zu den Original-Filmen geschlagen; auch wenn diese kleinen Elemente etwas forciert wirken.

Fazit: Nach der in vielerlei Hinsicht enttäuschenden EPISODE 1 ist es George Lucas auch mit der vermeintlich stärkeren EPISODE 2 nicht gelungen, das Ruder herumzureißen – wenn auch aus gänzlich anderen Gründen. Sicher; in EPISODE 1 hatte er stark mit der inhaltlichen und atmosphärischen Auslegung seines Franchise zu kämpfen, und merzte die damals getroffenen Fehlentscheidungen in Bezug auf EPISODE 2 größtenteils aus. Der zweite Teil ist wieder wesentlich atmosphärischer, mit Ausnahme der hölzernen Romanze inhaltlich interessanter; und wenn man so will auch originalgetreuer als sein viel zu kitschiger Vorgänger. Problematisch ist nur, dass Lucas im gleichen Atemzug noch eine andere Entscheidung traf – eine solche, die sich mit der größtmöglichen technischen Raffinesse von EPISODE 2 beschäftigte. Offenbar hat er seine Ziele erreicht, zumal er selbst beteuerte stolz auf die Effekte des Films zu sein – doch ist die Wirkung der gesamten optischen Gestaltung eine ärgerlich künstliche, sterile, wenig greifbare. Und sicher auch eine lieblosere. Befand man sich mit EPISODE 1 noch inmitten einer deutlich zu farbenfrohen (aber immerhin aufwendig gestalteten) Kinderwelt, in der es für erwachsene Zuschauer wenig zu holen gab – sieht man sich in EPISODE 2 am ehesten mit einer oberflächlich wirkenden Zwischensequenz eines Videospiels konfrontiert. Letztendlich sind beide Varianten nicht schön – erst Recht nicht, wenn man sie mit dem einst ehrwürdigen STAR WARS-Franchise in Verbindung bringen muss. Vielleicht liegen EPISODE 1 und 2 qualitativ gar nicht so weit auseinander – doch dass George Lucas zum zweiten Male mehrere gravierende Fehlentscheidungen traf, muss entsprechend honoriert werden.

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„Ein inszenatorisch fragwürdiges, ärgerlich seelenloses Spektakel – und bis heute der schlechteste STAR WARS-Film.“

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