Filmkritik: „Star Wars: Episode 1 – Die Dunkle Bedrohung“ (1999)

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Originaltitel: Star Wars: Episode I – The Phantom Menace
Regie: George Lucas
Mit: Liam Neeson, Ewan McGregor, Natalie Portman u.a.
Land: USA
Laufzeit: ca. 136 Minuten
FSK: ab 6 freigegeben
Genre: Science Fiction, Abenteuer, Fantasy
Tags: Prequel | Darth Vader | Kindheit | Anakin Skywalker

Möge die Macht (nicht) mir Dir sein.

Kurzinhalt: Als der erfahrene Jedi-Ritter Qui-Gon Jinn (Liam Neeson) und sein junger Padawan Obi-Wan Kenobi (Ewan McGregor) auf den Planeten Naboo geschickt werden um Friedensverhandlungen durchzuführen, kommt es zu einen Zwischenfall. Obwohl die hiesige Zivilisation eine friedliebende ist, werden die beiden werden plötzlich von Truppen der Handelsförderation angegriffen – und erfahren, dass die eigentliche Königin Amidala (Natalie Portman) bereits in den Fängen der Aggressoren ist. Die haben den Planten kurzerhand besetzt, und planen noch viele weitere Maßnahmen um ihre Geldbeutel aufzufüllen. Trotz der widrigen Umstände schaffe es die Jedi, die Königin zu befreien – woraufhin sie fliehen und nach Tatooine gelangen; einem eher unscheinbaren Wüstenplanteten. Hier trifft die neu zusammengewürfelte Gruppe auf den jungen Anakin Skywalker (Jake Lloyd), der es als Sklavenjunge nicht leicht hat. Speziell Qui-Gonn sieht schnell ein großes Potential in dem Jungen – und nimmt sich seiner an; obwohl er mit Obi-Wan bereits einen Schüler unter sich hat. Doch um Anakin aus der Sklaverei zu befreien sind noch einige Hürden zu nehmen…

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Kritik: Achtung, Spoiler ! Mit der zeitlichen Einordnung der Ereignisse der alten STAR WARS-Filme deutete Goerge Lucas bereits vor vielen Jahren an, dass es irgendwann einmal eine Fortsetzung geben könnte. Eine Fortsetzung in Form eines Prequels, versteht sich – welches folglich nicht bei Episode 7 der sagenumwobenen Geschichte um den ewigen Kampf zwischen den Jedi-Rittern und dem dunklen Imperium anknüpfen; sondern mit den ersten drei bisher vernachlässigten Episoden beginnen würde. Allein die Entstehungshintergründe und die vielen Besonderheiten des Franchise könnten dabei ganz Bände füllen – doch selbst in Anbetracht der großen Beliebtheit steht fest, dass die STAR WARS-Filme mitunter starken Qualitätsschwankungen ausgesetzt waren. Oder sollte man vielleicht eher sagen: sie waren es, sind es noch immer – und werden es vermutlich auch in Zukunft sein ? Schließlich steht die nächste STAR WARS-Trilogie bereits in den Startlöchern. Allzu lange wird es nun nicht mehr dauern, bis Episode 7 als ‚echtes‘ Sequel der alten Kultstreifen in den hiesigen Lichtspielhäusern anlaufen wird. Es bleibt spannend, was genau die Verantwortlichen in den Filmen zeigen werden – und vor allem wie sich die neuen Filme im Vergleich zu den alten anfühlen werden.

Doch soll es heute vornehmlich um den Beginn der Geschichte gehen – und damit den vierten STAR WARS-Film aus dem Jahre 1999, DIE DUNKLE BEDROHUNG. Über das warum, dass wann und wo der Veröffentlichung kann man sich nach wie vor streiten – doch bleibt einem ohnehin nicht viel mehr übrig als sich den Geschicken der verantwortlichen Rechteinhaber zu fügen. Das war zum Zeitpunkt von Episode 1 noch immer Franchise-Schöpfer George Lucas – der seine Rechte mittlerweile zu einem mehr als stolzen Preis an den Disney-Konzern verkaufte. Was das in Bezug auf die neue Trilogie bedeuten könnte, wird sich noch zeigen – wobei zu hoffen bleibt, dass sie die Geister nicht ganz so sehr scheiden wird wie im vorliegenden Fall. EPISODE 1 ist schließlich der erste laut aufschreiende Kandidat wenn es darum geht, den potentiell schlechtesten aller STAR WARS-Filme zu küren. Gründe dafür gibt es mehrere – von denen zumindest einige in den folgenden zwei gestellten Fragen – und als Rezension der etwas anderen Art – abgehandelt werden.

Warum ist EPISODE 1 ein guter STAR WARS-Film ?

Vor allem, da es sich schlicht gut anfühlt die dereinst begonnene, noch so viel Möglichkeiten offenbarende Geschichte fortgesetzt respektive von Beginn an erzählt zu wissen. EPISODE 1 setzt zeitlich in der Kindheit von Anakin Skywalker, dem späteren Darth Vader ein – und präsentiert so ein beinahe lückenloses Porträt der vielleicht wichtigsten Figur des gesamten STAR WARS-Universums. Natürlich darf dabei auch nicht der junge Obi-Wan fehlen, der später ebenfalls noch eine wichtige Rolle spielen wird. Zudem scheint es nur gut und richtig, dass man als Zuschauer viele weitere Details über die Welt von STAR WARS erfahren kann. Es gibt wahrlich viel zu erzählen; wobei dies Dinge sein können die sich mehr oder weniger direkt auf die alten Filme beziehen – oder auch gänzlich andere. Spannend, und vor allem angenehm fantastisch bleiben die Schilderungen allemal. EPISODE 1 kann den Zuschauer abermals in fremde Welten entführen, sie für das außergewöhnliche Handlungs- und Figurenuniversum begeistern. Ein sichtlich gewaltiger Produktionsaufwand, viel Liebe zum Detail und eine im Vergleich zu den alten Filmen deutlich aufpolierte, aber letztendlich doch zeitlose Optik lassen auch die technischen Aspekte hervorstechen – die sich in grandios inszenierten Sequenzen wie dem Pod-Rennen immer wieder zu neuen Höhepunkten aufschaukeln. Aber auch bei EPISODE 1 wird vor allem der typische, rundum versierte Soundtrack für die nötige Gänsehaut und ein dezentes Nostalgie-Gefühl sorgen. Die Darsteller machen ihre Sache gut – auch wenn sie dezent hinter ihren Möglichkeiten zurückbleiben.

Und warum ist EPISODE 1 ein schlechter STAR WARS-Film ?

So interessant, mutig und in gewisser Weise auch zuvorkommend die Idee gewesen sein mag, die STAR WARS-Saga von Beginn an zu erzählen – EPISODE 1 hat im Endeffekt nur noch verdächtig wenig mit den alten, zu recht mit einem Kultstatus versehenen STAR WARS-Filmen am Hut. Mit Ausnahme einiger wichtiger behandelter Figuren, das versteht sich von selbst – doch liegt das Problem vielmehr in der Machart und der Ausrichtung des Films begründet. Während man also durchaus von einer gewissen inhaltlichen (und somit rückwirkenden) Konsequenz ausgehen kann, hat George Lucas die Fangemeinde vor allem aufgrund seiner neuerlichen; man nenne es Verniedlichung vieler STAR WARS-Aspekte gespalten. Dies beginnt bereits mit der optischen Gestaltungsarbeit, die zwar einerseits ein typisches STAR WARS-Gefühl aufkommen lässt – anderseits aber, und dieses Gefühl überwiegt – deutlich zu bunt, kitschig und vielleicht auch beliebig ausgefallen ist. In jedem Fall ist es vorbei mit der einstigen Bedrohlichkeit bestimmter Elemente sowie der vergleichsweise spannungsgeladenen und einzigartigen Atmosphäre der alten Filme. Analog dazu scheint es Lucas mit EPISODE 1 darauf anzulegen, möglichst alle Zielgruppen bedienen zu wollen – also nicht nur die nunmehr gealterten STAR WARS-Zuschauer von damals. Das wäre vielleicht noch verständlich – nicht aber, dass er es offenbar auf eine ganz bestimmte Zielgruppe abgesehen hat: Kinder.

Schließlich ist EPISODE 1 in vielerlei Art und Weise auch ein fantasievolles, bunt-durchtriebenes Vergnügen für deutlich jüngere Zuschauer – wofür es nicht erst die verdächtig trivial anmutenden und viel zu langen Podracer-Sequenzen, kitschige Elemente wie die Unterwasserstadt oder den Charakter des Jar Jar Binks braucht. Der kann zeitgleich als eine der ärgerlichsten Ideen des Films betrachtet werden – denn bis auf einen gehörigen Nerv-Faktor und eine viel zu große Portion eines einstweilen unpassenden Slapsticks hat er nicht viel zu bieten. Doch selbst wenn man die neuerliche Ägide des kindlichen einmal komplett ausblendet, bleibt ein alles andere als guter STAR WARS-Film zurück – denn auch inhaltlich sieht es eher mager aus. Nicht nur, dass sich die Handlung des Films in nur wenigen Worten zusammenfassen lässt; auch die Charaktere kommen mitunter viel zu kurz. Insbesondere Auftritte wie die des neuen, rein optisch dezent lächerlichen Sith-Schülers Darth Maul verpuffen so im nichts. Um diese Leere zu füllen, setzte man auf allerlei Effekte – die größtenteils hübsch anzusehen sind, aber es keinesfalls vermögen das Gefühl einer enormen Enttäuschung zu lindern.

Fazit: EPISODE 1 gehört ohne Zweifel zum STAR WARS-Erzählkanon und macht die Doppel-Trilogie (die bald eine Triple-Trilogie sein wird) erst komplett – doch hat der Film weder nennenswertes mit den alten Teilen gemein, noch ist er für sich betrachtet ein gelungenes Weltraum-Epos. Schuld daran ist in erster Linie die viel zu kindliche, wenn nicht gar infantile Aufmachung und Ausrichtung des Films. Mit der richtet man sich am ehesten an eine deutlich jüngere Zielgruppe, und hat daher für allen anderen nur wenig zu bieten; erst Recht nicht für die Fans der alten Original-Filme. Sicher, es ist nicht verkehrt einen Kinderfilm zu machen – doch ob dafür wirklich das STAR WARS-Franchise herhalten musste, ist eine andere Frage. Viele Fans sind in jedem Fall zu Recht verärgert – ob nur aufgrund der allgemeinen Oberflächlichkeit, des blödelnden Humors oder aber der inhaltlichen Redundanz bleibt offen; spielt letztendlich aber auch keine große Rolle. Im besten Fall kann EPISODE 1 daher als effektreicher, übertrieben bunter Familienfilm fungieren – bei dem man etwaige Hintergründe besser gleich komplett ausblendet.

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„Nur weil es sich um einen kindlichen Charakter dreht, muss man noch kein komplettes Franchise umdrehen.“

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