Metal-CD-Review: DAWN OF DESTINY – To Hell (2015)

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Alben-Titel: To Hell
Künstler / Band: Dawn Of Destiny (mehr)
Veröffentlichungsdatum: 02. Oktober 2015
Land: Deutschland
Stil / Genre: Power Metal
Label: Phonotraxx Publishing

Alben-Lineup:

Jens Faber – Guitars, Bass, Vocals (backing)
Dirk Raczkiewicz – Keyboards
Jeanette Scherff – Vocals (lead)
Philipp Bock – Drums
Felix Gebhart – Guitars

Track-Liste:

1. Hide Our Sorrow (04:55)
2. Fire (03:02)
3. From Paradise (03:45)
4. To Hell (03:37)
5. Scream (04:07)
6. Hateful Heart (06:23)
7. Burn in the Fire (05:25)
8. Only the Ocean Knows (07:38)
9. Light in the Night (04:35)
10. Destroy My World (05:10)
11. Belief (05:12)
12. Life (04:11)
13. Forgive (04:43)

Wer wird denn gleich zur Hölle fahren…

Allzu lange liegt das letzte Album der deutschen Power Metaller von DAWN OF DESTINY noch nicht zurück – und doch meldet sich die Band schon jetzt erneut zu Wort. Mit TO HELL erscheint das mittlerweile sechste offizielle Studioalbum der fleißigen Bochumer – welches wie der Vorgänger F.E.A.R. (Review) satte 13 Titel respektive eine gute Stunde extravagante Power Metal-Kost anzubieten hat. Warum auch nicht, sollte man meinen – schließlich hat die Diskografie der Band bereits jetzt einiges zu bieten, wobei ein Ende der Inspiration nicht abzusehen ist. Dabei ist vor allem der Wandel respektive der natürliche Reifeprozess der Band interessant, der sich auch im Soundgewand der Alben niederschlägt. Wobei diese schon immer eines gemeinsam hatten: sie entbehrten nicht einer gewissen musikalischen Tiefe; sowohl auf inhaltlicher als auch emotionaler Ebene. So konnte man sich bereits mit den frühen, nur auf den ersten Blick typischen Genre-Alben markant von der Konkurrenz abheben – und speziell mit REBELLION IN HEAVEN (Review) ein Power Metal-Feuerwerk der Extraklasse kreieren. Ein solches, dass man trotz einiger sofort zündender Titel in mehreren Durchläufen für sich entdecken konnte – und eines, das lange nachhallen sollte.

Mit den darauf folgenden Alben wurde der Sound von DAWN OF DESTINY dann noch ein stückweit; man nenne es ernster oder erwachsener – sodass das Tempo auch mal markant gedrosselt wurde und zahlreiche schwerere Elemente (klanglich, aber auch emotional) das Gesamtbild dominierten. Mit dem vergleichsweise düsteren F.E.A.R. aus dem letzten Jahr setzte man dieses Konzept dann konsequent fort – mit einem kleinen aber feinen Wermutstropfen. Denn: so richtig konnte die einst so präsente, ausschlaggebende emotionale Berg- und Talfahrt der Marke DAWN OF DESTINY nicht zur Geltung kommen. Wie immer gab es zahlreiche exzellente Momente – doch insgesamt konnte man sich nicht des Gefühls erwehren, dass sich vielleicht doch ein wenig zu viel Gleichförmigkeit eingeschlichen hatte. Umso interessanter ist es daher, das neue Werk TO HELL zu betrachten – und die Essenz desselben abermals in zahlreichen Durchläufen nach und nach für sich zu entdecken; oder wenn man so will auch freizuschaufeln. Denn das Angebot bezüglich eines vergleichsweise intensiven Hör-Erlebnisses ist nach wie vor vorhanden. Klar ist: DAWN OF DESTINY bieten keine leicht verdauliche Metal-Kost für zwischendurch – sondern eher eine ganzheitlich-intensive Erfahrung, für die man sich auch entsprechend Zeit nehmen sollte.

Etwas stellt sich dann aber doch relativ schnell heraus: TO HELL hat es wieder, das typische DAWN OF DESTINY-Flair als Ergebnis vieler verschiedener Eindrücke. Ein sehr gutes Beispiel dafür findet sich bereits mit dem Opener HIDE OUR SORROW, oder auch dem Titeltrack TO HELL – der mit einer flotten, dezent stampfenden und angenehm rhythmischen Instrumentierung daherkommt und so sofort ins Ohr geht. Doch zeigt sich, dass es sich nicht wirklich um eine Power Metal-Hymne im klassischen Sinne handelt – trotz des in dieser Hinsicht allemal konkurrenzfähigen Refrains. Schließlich transportieren die Textinhalte und einige der gut platzierten Sound-technischen Raffinessen ein anderes, auch mal dezent bedrohliches Gefühl. Was man bei anderen Bands eventuell als Unentschlossenheit attribuieren könnte, erfüllt in diesem Fall voll und ganz seinen Zweck: man kann die Wirkung der Nummer nicht vorschnell beschreiben; ein jeder Hörer wird sie anders aufnehmen und verarbeiten.

Im weiteren Verlauf stellt sich heraus, dass viele der anderen markanten Band-Trademarks ebenfalls zurück respektive erneut stärker vertreten sind – von denen sich besonders die hie und da beigesteuerten männlichen Vocals von Jens Faber positiv bemerkbar machen. Überhaupt lässt TO HELL gesanglich keinerlei Wünsche offen: Jeanette Scherff agiert stark wie eh und je; ihre Darbietung in Titeln wie FIRE ist wenn man so will gar kultverdächtig und setzt ihren bisherigen Leistungen noch einmal die Krone auf. Noch etwas direkt deutlich werdendes gilt es dann ebenfalls nicht zu verhehlen: während man F.E.A.R. durchaus unterstellen konnte dass sich einige Lückenfüller auf dem Album befanden, sieht es in Bezug auf TO HELL wieder wesentlich besser aus. Insbesondere der Auftakt mit HIDE OUR SORROW, FIRE, FROM PARADISE und TO HELL fällt hier außerordentlich stark aus – und lässt den Gedanken, den Finger überhaupt in die Nähe der Skip-Taste zu bewegen; gar nicht erst aufkommen.

Doch natürlich sollen auch dieses Mal etwas getragenere Nummern vertreten sein – wie etwa HATEFUL HEART, welches interessanter- und seltenerweise von Jens Faber allein eingesungen wurde. Das ist eine willkommene Abwechslung; erst Recht wenn man den weiteren Verlauf der Nummer (unter anderem mit einer starken Akustik-Passage) betrachtet und sich vom abermals kongenialen Refrain und den tollen Riffs gefangennehmen lässt. Wer Abwechslung sucht, wird auf TO HELL ohnehin sehr gut bedient: schon die nächste Nummer BURN IN THE FIRE ist wieder eine, die man mit ihren deutlich aggressiveren Gesangspassagen so nicht erwartet hätte – und die durch ein außergewöhnliches Gesangs-Duett sowie dem Gegensatz aus lieblichen und schroffen Elementen abgerundet wird. Ähnliches gilt auch für ONLY THE OCEANS KNOWS – nur, dass das Ganze dieses Mal in eine dezent balladeskere Verpackung gehüllt wird.

Was bleibt, sind noch immer eine handvoll Titel – die mal mehr, mal weniger direkt zünden respektive begeistern. LIGHT IN THE NIGHT wirkt mit seinen noch stärkeren Gegensätzen beispielsweise etwas zu forciert, das abschließende FORGIVE als pure Ballade nicht mehr ganz so glanzvoll – während LIFE als mächtige Hymne an das Leben selbst noch einmal den Vogel abschießt und dabei angenehm an das ebenfalls starke PRAYING TO THE WORLD erinnert. Letztendlich gibt es also nur Kritik auf hohem Niveau: hätte man zwei oder drei der dezent schwächeren Nummern ausgespart und diese stattdessen in den anderen verbaut – wäre eine noch höhere Wertung sicher möglich gewesen.

Fazit: Ob es überraschend kommt oder nicht – nach dem dezent schwächeren F.E.A.R. sind DAWN OF DESTINY mit ihrem TO HELL wieder auf dem besten Wege, sich einen Platz im Genre-Olymp zu sichern. Doch nur von einer Steigerung zu sprechen, scheint in diesem Fall nicht wirklich auszureichen – TO HELL kann schließlich locker als eines der besten Studioalben der bisherigen Band-Diskografie angesehen werden. Und das ist in Anbetracht des bereits abgelieferten Materials durchaus etwas besonderes.

Absolute Anspieltipps: FIRE, TO HELL, BURN IN THE FIRE, LIFE


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„Ein rundum gelungenes, enorm facettenreiches Genre-Album mit starken Gesangsparts.“

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2 Gedanken zu “Metal-CD-Review: DAWN OF DESTINY – To Hell (2015)

  1. Ein sehr schönes und ausführliches Review. Es ist immer gut, wenn sich jemand wirklich intensiv mit unserer Musik beschäftigt.
    Bezüglich F.E.A.R. kann ich nur empfehlen, dass du dieses Album noch einmal inhalierst und die Stücke, die sich an der Story entlangarbeiten, erneut in dich einsaugst 🙂

    Vielen Dank für die positive Wertung

    Gefällt 1 Person

    1. Vielen Dank auch Dir für die nette Rückmeldung und den Besuch hier. Kommt ja schließlich nicht allzu oft vor, dass sich auch mal ein hochrangiger Musiker offiziell zu Wort meldet !

      Werde mir F.E.A.R. so oder so nochmal geben, das bleibt nicht aus… kommt selten vor dass ein Album nach ein paar Mal hören für immer aus dem Player verschwindet.

      Außerdem steht ihr hier weiterhin mit euren Alben verdammt hoch im Kurs… bei 6 rezensierten Alben komme ich auf eine Durchschnittswertung von 8,3 Punkten. Wüsste gerade nicht, wer die gleiche Anzahl Alben am Start hat und da mithalten kann. Crystal Eyes (8,1 im Schnitt bei ebenfalls 6 Alben) vielleicht, auch wenn die Genre-Auslegung eine etwas andere ist.

      Also in jedem Fall: weiter so 🙂

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