Filmkritik: „Cooties“ (2014)

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Originaltitel: Cooties
Regie: Jonathan Milott, Cary Murnion
Mit: Elijah Wood, Alison Pill, Rainn Wilson u.a.
Land: USA
Laufzeit: ca. 88 Minuten
FSK: ab 16 freigegeben
Genre: Horror, Komödie
Tags: Kinder | Grundschule | Zombies | Pandemie | Seuche

Vorsicht, bissige Kinder.

Kurzinhalt: Clint (Elijah Wood) ist ein junger Mann, der sich eigentlich als Schriftsteller verdingen möchte – den großen Durchbruch aber noch nicht geschafft hat und sich seither mit einem Job als Vertretungslehrer über Wasser hält. Als er seinem alten Zuhause einen Besuch abstattet um in Ruhe an seinem Buch feilen zu können, nimmt er daher auch eine temporäre Stelle an seiner alten Schule an. Doch bevor er sich den normalerweise entstehenden Schwierigkeiten und dem etwas eigentümlichen Lehrer-Kollegium stellen kann, ergibt sich etwas unerwartetes: eine Schülerin zeigt plötzlich Anzeichen einer Erkrankung. Was genau es ist, darüber ist man sich im unklaren – doch spätestens als auch andere angesteckt werden und die Kinder wie wild gewordene Bestien über die Lehrerschaft herfallen, bricht Panik aus. So versuchen der verdutzte Clint, seine alte Schulfreundin Lucy (Alison Pill), ihr Freund Wade (Rainn Wilson) und andere Überlebende, den Kindern die Stirn zu bieten – was ihnen sichtlich schwerfällt. Immerhin scheinen zumindest die Erwachsenen davor gefeit, ebenfalls angesteckt werden zu können…

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Kritik: Achtung, Spoiler ! Wie auch immer geartete Zombie-Filme gibt es mittlerweile reichlich – ob nun mit einer eher typischen Besetzung, oder zumindest einer eher ungewöhnlichen Gruppe auf Seiten der Aggressoren oder potentiellen Opfer. Allzu viel neues gibt es aber selbst hier nicht mehr zu holen, so gut wie alles wurde bereits durchgekaut – mit einer Ausnahme. Denn: wo Kindergruppen sonst bestenfalls von dämonischen Präsenzen kontrolliert werden, wandeln sie in COOTIES tatsächlich als lebende Tote über den Bildschirm. Glücklicherweise ist das unter anderem von Elijah Wood ins Leben gerufene Film- und Spaßprojekt aber ein eben solches – sodass etwaige Befürchtungen einer Grenz-Überschreitung schnell ad acta gelegt werden können. Die Zombie-Hatz ist grundsätzlich als rasantes und grelles Spektakel ausgelegt, in dem der ein oder andere trockene Spruch den nächsten jagt – und in dem man die neuerlichen Zombie-Kids gar als bloßes Beiwerk betrachten könnte. Als solches, dass die vielen absurden Dialoge und Charakter-Situationen an einer Grundschule erst ermöglicht; sicher – theoretisch wäre hier aber auch eine gänzliche andere Form der Bedrohung denkbar gewesen.

Doch was soll man machen – Zombie-Filme erfreuen sich nach wie vor einer großen Beliebtheit, und sie lassen sich zudem mehr als gut verkaufen. Dies wiederum führt dazu, dass es entsprechende Genre-Filme nur noch selten schaffen, potentiell gehegte Erwartungen zu übertreffen; geschweige denn sich als eigenständig-frische Werke zu profilieren. Auch im Falle der COOTIES sieht es diesbezüglich eher düster aus – doch immerhin hat man sich auch nicht gänzlich die Blöße gegeben. Der Film funktioniert am ehesten als recht unterhaltsame, abgedrehte Komödie – die sowohl typische Anleihen aus dem Bereich des Horror-Trashs als auch diverser schon eher alltagstauglicher Komödien heraufbeschwört. Im Ergebnis bedeutet dies vor allem, dass es weniger von der typischen Zombie-Splatter-Kost zu sehen gibt als eventuell erwartet (was in diesem Fall aber weitestgehend positive Folgen hat; vor allem in Bezug auf die größtenteils minderjährige Besetzung) – dafür aber umso mehr Wert auf möglichst hanebüchene Dialoge und absurde Situationen gelegt wurde. So zumindest lautet die Theorie, der man nicht immer gerecht wird – denn trotz der relativ ausschweifenden Gag-Dichte und der vor allem im späteren Verlauf angezogenen düsteren Stimmung mit dem Spannungs-Potential eines ‚echten‘ Horrorfilms bleiben etwaige Durststrecken auch in COOTIES nicht gänzlich aus.

Schließlich hat man sich deutlich weniger um die Handlung respektive Ideen über die merkwürdige, ausschließlich vorpubertäre Kinder betreffende Pandemie (die im übrigen aus verseuchtem Hühnerfleisch entstanden ist) bemüht – und vieles den viel Raum einnehmenden Charakteren überlassen. Die wurden dann allerdings auch tatsächlich gut getroffen: sei es Elijah Wood als schüchtern-naiver Schriftsteller der auf eine alte Schulfreundin trifft; sei es ein Lehrer-Kumpane der schlecht mit anderen ins Gespräch kommt, dafür aber ein Experte auf so manchem Gebiet ist – oder aber der von Rainn Wilson gespielte Wade, der sich als feuriger Anführer der Gruppe herauskristallisiert und rein Sprüche-technisch viele Lacher auf seiner Seite hat. Hie entsteht viel makaberes, wenn auch nicht immer auf dem höchsten denkbaren Niveau – doch ein überdurchschnittliches Unterhaltungs-Potential ohne explizite Fremdschäm-Momente ist in jedem Fall gegeben. Schade ist nur, dass sich der aus LOST bekannte Jorge García als Fehlbesetzung herausstellt, wobei sein Charakter ohnehin nicht viel zu melden hat. Das gleiche gilt indes auch für die beiden nicht-infizierten Kinder, aus deren Rollen man noch so viel mehr hätte machen können.

Rein technisch und handwerklich macht COOTIES eine gute, allerdings auch weitestgehend unspektakuläre Figur. Anders gesagt: man sieht dem Film an dass es sich um ein Spaßprojekt ohne größeres Budget handelt, was sicher auch Vorteile hat – doch in Bezug auf die Kostüme, die Maske, Schauplätze und vor allem die Interaktionen mit der Umwelt macht man es sich stellenweise sichtlich einfach. Etwaige andere Aspekte, wie in Bezug auf die Kamera-Arbeit, den Soundtrack oder die Qualität der darstellerischen Leistungen gehen analog dazu auch mal dezent unter – im allgemeinen Trubel und dem nicht immer, aber doch vergleichsweise häufig zündenden Gag-Feuerwerk.

Fazit: COOTIES ist einer jener Filme, der auf der schon seit Jahren anhaltenden Welle der Zombie-Filme mitsurft – aber immerhin auch einige neue Ideen, einen gewissen Charme und einen erhöhten Fun-Faktor mitbringt. Als abendfüllendes oder gar kultverdächtiges Genre-Meisterwerk taugt er aber weder als Komödie noch als Zombie-Trash-Verschnitt – dazu wirkt er schlicht zu beliebig, und vielleicht auch zu halbherzig. Zudem kommt er absolut unnötigerweise mit einem der enttäuschendsten Film-Enden aller Zeiten daher – sodass auch die versteckte Szene nach dem Abspann nur noch wenig Sinn macht. Dennoch: im Sinne eines launigen Filmabends unter Freunden, die im besten Fall eine Vorliebe für schwarzen Humor haben; könnte COOTIES seinen Zweck erfüllen.

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„Kein Muss für Zombie-Fans – als etwas andere Komödie aber durchaus annehmbar.“

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