Filmkritik: „You’ll Be A Man“ (2013)

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Originaltitel: Tu Seras Un Homme
Regie: Benoît Cohen
Mit: Aurelio Cohen, Jules Sagot, Eléonore Pourriat u.a.
Land: Frankreich
Laufzeit: ca. 87 Minuten
FSK: noch nicht geprüft
Genre: Tragik-Komödie
Tags: Familie | Sohn | Babysitter | Konflikte | Zusammenleben

Der Mann als Lebemann, Babysitter und Familientherapeut.

Kurzinhalt: Wenn man den 20-jährigen Théo (Jules Sagot) beschreiben sollte, dann müsste man in jedem Fall festhalten dass er in keine vorgefertigte Schublade passt. Während seine Freunde drauf und dran sind Theater-Schauspieler zu werden, ist seine Zukunftsperspektive eher offen – momentan kommt es für ihn nur darauf an, sich irgendwie über Wasser zu halten. So gerät er eines Tages auch an eine Stelle als Babysitter, um wenigstens ein bisschen Geld zu verdienen. Er soll auf den 10-jährigen Léo (Aurelio Cohen) aufpassen, während sein viel beschäftigter Vater (Grégoire Monsaingeon) auf Dienstreisen ist. Was Théo jedoch noch nicht weiß ist, dass die Mutter des Jungen (Eléonore Pourriat) ebenfalls im riesigen Anwesen der Familie wohnt – und theoretisch ausreichend Zeit für ihren Sohn hätte. Doch offenbar steht es nicht besonders gut um ihre Gesundheit, sodass sie sich grundsätzlich zurückzieht und den neuen Babysitter als zusätzliche Hilfe schnell akzeptiert. Das Problem: obwohl sich Théo gut um seinen neuen Ziehsohn kümmert, weichen seine Ansichten teilweise enorm von denen seines Auftraggebers ab. Der fühlt sich schließlich gar nicht mehr so wohl als er sieht, wie gut sich Théo bereits nach kurzer Zeit eingelebt hat und bereits vollständig als neues Familienmitglied akzeptiert wurde…

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Kritik: Achtung, Spoiler ! Filme über das Heran- oder Aufwachsen von Kindern oder Jugendlichen in ganz bestimmten Lebenssituationen gibt es relativ häufig. Wenn man so will, haben sie sogar ein eigenes Genre: den sogenannten Coming Of Age-Film. An der Spitze der entsprechenden Genre-Vertreter stehen dabei oftmals Dramen, die sich explizit mit einem besonderen Lebensweg oder einem Einzelschicksal eines jungen Menschen auseinandersetzen. Nicht mehr ganz so häufig; aber nicht automatisch minder bedeutsam sind dabei auch jene Werke, die zusätzlich Elemente der Komödie verarbeiten. Eine Verquickung dieser beiden Genre-Ausrichtung bietet auch Benoît Cohens TU SERAS UN HOMME, eine französische Tragik-Komödie aus dem Jahre 2013.

Was auf Deutsch in etwa so viel bedeutet wie du wirst ein Mann sein ist dabei aber nicht nur ein Film über das Schicksal eines Kindes – auch wenn es die Inhaltsangabe sowie das Artwork zunächst vermuten lassen. Vielmehr handelt es sich um ein Porträt einer aberwitzigen Familien- respektive Charakterkonstellation, die einstweilen groteske Züge annimmt. Und eine, in der nicht der 10-jährige Léo der Titelheld ist – sondern sein neuer Babysitter Théo. Der will als Babysitter eigentlich nur etwas Geld dazuverdienen, um sich mit Ach und Krach über Wasser zu halten – doch tritt im Endeffekt weit mehr los, als man es hätte vermuten können. Eben dieses Porträt ist es dann auch, welches TU SERAS UN HOMME zu einem vergleichsweise ungewöhnlichen, intensiven Drama mit einem starken Charakterbezug sowie Kammerspiel-artigen Anleihen macht.

Gut ist, dass Benoît Cohen die Balance zwischen Elementen des Drama und der Komödie hält – und der Film so weder zu nichtssagend noch zu albern geworden ist. Vielmehr wird TU SERAS UN HOMME dafür sorgen, dass man ihm mit einem lachenden und einem weinenden Auge betrachten wird – eben so, wie es vermutlich auch beabsichtigt war. Wenn sich Théo also beispielsweise in die Frau seines Auftraggebers verliebt und ihrem Sohn ein besserer Vater ist als der eigentliche, während Théos tatsächliche Freundin mit seinem Auftraggeber anbändelt und ihm den Posten als Babysitter streitig macht – dann sorgt das nicht nur für eine reichlich groteske Charaktersituation, sondern auch für reichlich zwischenmenschlichen Zündstoff. Solcher, der von Cohen weitestgehend neutral und aus einer gefühlten Beobachter-Perspektive heraus geschildert wird – und gerade deshalb nur äußerst selten gestellt wirkt. Der Faktor der Authentizität und die Möglichkeiten der Übertragung der Charakter-Elemente auf das Leben des Zuschauers können daher als große Pluspunkte des Films betrachtet werden.

Schließlich ist das vorhandene Angebot hierfür weitaus größer als wirklich intensiver in die Geschichte und das Schicksal von Léo einzusteigen – einem Charakter, der letztendlich etwas zu kurz kommt im turbulenten Familienporträt; und sei es nur gefühlt. Während die anderen alle eine markante, im Film verdeutlichte Wandlung durchmachen oder ihr Handeln zumindest weitreichend hinterfragen, bleibt seine Rolle eher einseitig. Dennoch kann man nicht abstreiten, dass das Handeln der anderen einen teils markanten Einfluss auf ihn hat; wobei man eben diesen unbedingt noch etwas stärker hätte fokussieren sollen.

In Bezug auf die technischen und handwerklichen Aspekte gibt es dagegen wenig zu bemängeln. Die Schauplatzwahl ist stimmig und bietet mit dem großen Anwesen und den späteren Szenen am Meer ausreichende Möglichkeiten, die Bilder auch mal für sich sprechen zu lassen. Die Optik insgesamt, sowie auch der Schnitt geben dem Ganzen den nötigen Feinschliff – einen, der zumindest alles andere als trist oder eintönig ist. Der Soundtrack kommt überraschend peppig daher – und serviert neben dramaturgisch passenden Untermalungen das ein oder andere feurige Popmusikstück. Noch wichtiger als etwaige technische Aspekte sind in diesem Fall aber die Darsteller – die hier glücklicherweise alle überzeugend abliefern. In erster Linie, da sie vergleichsweise glaubwürdig agieren und grundsätzlich sympathisch sind.

Fazit: Im Falle von TU SERAS UN HOMME liegen die Grenzen des komischen, des makaberen und des tragischen nah beieinander. Cohen hat letztendlich eine äußerst unterhaltsame Tragik-Komödie abgeliefert, die sowohl zum Nachdenken anregt als auch den ein oder anderen Schmunzler bereithält. Wichtig scheint nur festzuhalten, dass es sich nicht um einen klassischen Coming Of Age-Film handelt – aber eben auch keine klassische Komödie über das Heranwachsen. Vielmehr ist es ein wenig von beidem; wobei ihn vielleicht gerade das interessant macht.

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„Ein etwas anderes Familiendrama mit starkem Hauptcharakter.“

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3 Gedanken zu “Filmkritik: „You’ll Be A Man“ (2013)

    1. Habe mir die französische DVD gekauft (über Ebay), da sie glücklicherweise über englische UT verfügt. War allerdings nicht gerade günstig… vielleicht war ich auch deshalb eher enttäuscht. Ist kein schlechter Film, beileibe nicht… aber als absolutes Muss würde ich ihn auch nicht bezeichnen. Die 7.5 trifft es da wohl recht gut, wobei ich im Nachhinein sogar vermute dass ich noch zu hoch angesetzt habe.

      Gefällt 1 Person

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