Metal-CD-Review: GLORYHAMMER – Space 1992: Rise Of The Chaos Wizards (2015)

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Alben-Titel: Space 1992: Rise Of The Chaos Wizards
Künstler / Band: Gloryhammer (mehr)
Veröffentlichungsdatum: 25. September 2015
Land: Schottland
Stil / Genre: Power Metal
Label: Napalm Records

Alben-Lineup:

James Cartwright – Bass
Ben Turk – Drums
Paul Templing – Guitars
Christopher Bowes – Keyboards
Thomas Winkler – Vocals

Track-Liste:

1. Infernus ad Astra (01:24)
2. Rise of the Chaos Wizards (03:57)
3. Legend of the Astral Hammer (05:13)
4. Goblin King of the Darkstorm Galaxy (03:38)
5. The Hollywood Hootsman (03:54)
6. Victorious Eagle Warfare (04:59)
7. Questlords of Inverness, Ride to the Galactic Fortress! (05:22)
8. Universe on Fire (04:06)
9. Heroes (of Dundee) (05:49)
10. Apocalypse 1992 (09:53)

Ein bisschen Spaß muss sein… ?

Wenn sich der legendäre burschikose Held mit seinem grünen Brustpanzer und seiner Sonnenbrille erhebt, auf dass er den außerirdischen Invasoren auf einem sich der Erde nähernden Asteroiden entgegentritt und sie mit seinem Gefolge dem Erdboden gleichmacht… dann schreiben wir das weit in der Zukunft liegende Jahr 1992. Zumindest, wenn es nach GLORYHAMMER und ihrem neuen Studioalbum SPACE 1992: RISE OF THE CHAOS WIZARDS geht. In der Tat waren die illustren Schotten um Band-Mastermind Christopher Bowes (ALESTORM) schon immer für ein Späßchen gut – sodass bereits ihr Debütalbum TALES FROM THE KINGDOM OF FIFE (Review) für Furore sorgte. Ob berechtigte oder nicht, muss wohl ein jeder für sich selbst entscheiden…

Eines ist jedoch klar: lässt man sich auf die durchaus besondere Art der Selbst-Inszenierung der Band ein, gibt es durchaus etwas zu entdecken im GLORYHAMMER-Universum. Und das wäre in erster Linie ein zünftiger Power Metal irgendwo zwischen den eher ernst gemeinten epischen Heldensagen a’la RHAPSODY OF FIRE und dem Spaßfaktor einer Band wie ALESTORM – wobei sich die Geschmäcker beim Betrachten der reinen handwerklichen Leistungen schon nicht mehr ganz so markant scheiden sollten. Schließlich verstehen GLROYHAMMER ihr musikalisches Handwerk. Und das sogar so sehr, dass sie selbst bei einer Betrachtung als reine Spaßband oder als fleischgewordene Genre-Parodie eine knackigere Interpretation des Power Metal abliefern als viele ihrer vergleichsweise engstirnigen Kollegen.

Am markantesten sticht dabei indes nicht Christopher Bowes (Keyboard) hervor, der einen Großteil des feucht-fröhlichen Spaßfaktors a’la ALESTORM mit in das Projekt GLORYHAMMER einbringt – sondern der eigentliche Frontmann Thomas Winkler. Der 29-jährige Schweizer hat schlicht eine äußerst angenehme Stimmfarbe und vermag es trotz seiner weitestgehend gemäßigten Stimmlage den Hörer stets bei Laune zu halten. Das scheint auch nötig, haben GLORYHAMMER nicht allzu viele Alleinstellungsmerkmale in ihrem Sound – mit Ausnahme des bereits erwähnten Leadgesangs und der inhaltlichen Auslegung ihres Projektes, versteht sich. Hinsichtlich der Gitarren, des Basses und der Drums gibt es zwar ebenfalls nichts zu mäkeln – doch schleicht sich hier schnell der berühmt-berüchtigte Gewöhnungseffekt ein; aus dem Soundgewand hervorstechende Elemente gibt es nicht wirklich.

So ist SPACE 1992 vor allem ein instrumental stilsicheres, aber keinesfalls allzu abenteuerliches Genre-Album geworden – dass lediglich aufgrund seiner teils makaberen Präsentation, den anberaumten Textinhalten und der Leistung von Thomas Winkler doch noch ein gutes Stückchen anders ist als viele der diesjährigen Veröffentlichungen. Stellvertretend für den Sound des Albums steht dabei die bereits veröffentlichte Videosingle zu RISE OF THE CHAOS WIZARDS, die hier als Opener fungiert – und dabei durchaus so manche Hütte abreißt. Ein wenig fühlt sich das Ganze an wie eine nicht ganz so ernstgemeinte Version eines kosmischen Epos a’la LUCA TURILLI – die dennoch eine fulminante Wirkung entfaltet und rundum gelungen erscheint.

Nebem dem eher zu vernachlässigenden Intro mäandern die folgende Nummern dann irgendwo zwischen der mit diesem Titel etablierten Wirkung, und dem minimal bodenständigeren Eindruck des Vorgängeralbums. Problematisch ist eventuell, dass man sich offenbar sehr stark auf das anberaumte Konzept stützt und nur wenige Ausbrüche erlaubt sind. Seien es die durchaus amüsant zu lesenden Titel wie LEGEND OF THE ASTRAL HAMMER, GOBLIN KING OF THE DARKSTORM GALAXY, THE HOLLYWOOD HOOTSMAN oder das dezent elektronisch angehauchte, stampfende VICTORIOUS EAGLE WARFARE – man kann sich nicht des Gefühls erwehren, dass der GLORYHAMMER-Sound selbst innerhalb eines knappen Alben-Kontext wie diesem schnell repetitiv wirkt. Sicher, die Refrains sind größtenteils stark und haben ein enormes Ohrwurm-Potential, doch den einzig wahren Ausnahme-Titel sucht man vergebens. Zumindest noch.

Denn mit dem kaum auszuschreibenden Titel QUESTLORDS OF INVERNESS, RIDE TO THE GLACTIC FORTRESS wird es doch noch einmal wesentlich interessanter – und auch das ebenfalls im Vorfeld veröffentlichte UNIVERSE ON FIRE kann ebenfalls mit der Darstellung einer etwas anderen musikalischen Seite von GLORYHAMMER punkten. HEROES OF DUNDEE stellt sich dann sogar als eigentliche Hymne des Albums heraus – die dezenten symphonischen Komponente und die hier weitaus markanteren Gitarren könnten diesen Titel schnell auf die imaginäre Spitzenposition der enthaltenen 10 Nummern hieven. APOCALYPSE 1992 rundet das Ganze dann noch mit einer gewissen Überlänge ab – wobei die Sprachpassagen allerdings eher nerven.

Fazit: Ein wenig sollte man sich schon mit dem ureigenen, aus diversen Blickwinkeln sicher übertrieben erscheinenden Konzept von GLORYHAMMER anfreunden können – sonst wird es nichts mit dem intergalaktischen Hörgenuss der Marke SPACE 1992. Lässt man sich auf das Experiment ein, wird aller Wahrscheinlichkeit nach aber kein Auge trocken bleiben – ob man das Ganze nun als Parodie auffasst oder auch nicht. Wer sich voll und ganz auf GLORYHAMMER einlassen möchte, der sollte unbedingt zur 2-CD-Edition greifen – die eine überaus gelungene symphonische Instrumentalversion des Albums bereithält. Eine, die es sogar vermag das eigentliche Album in den Schatten zu stellen – natürlich nur wenn man so will.

Absolute Anspieltipps: RISE OF THE CHAOS WIZARDS, QUESTLORDS OF INVERNESS, UNIVERSE ON FIRE, HEROES OF DUNDEE


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„Ein grundsolides bis starkes GLORYHAMMER-Album – das eigentliche Highlight ist aber die zweite CD der Digipak-Edition.“

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