Filmkritik: „Odd Thomas“ (2013)

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Originaltitel: Odd Thomas
Regie: Stephen Sommers
Mit: Anton Yelchin, Addison Timlin, Willem Dafoe u.a.
Land: USA
Laufzeit: ca. 96 Minuten
FSK: ab 16 freigegeben
Genre: Thriller, Fantasy, Action
Tags: Junger Mann | Fähigkeiten | Gabe | Wesen | Gefahr

Eine Begegnung der ganz und gar komischen Art.

Kurzinhalt: Eigentlich ist Odd (Anton Yelchin) ein ganz normaler junger Mann, der einem Job in einer Imbissbude nachgeht und die hübsche Stormy (Addison Timlin) anhimmelt. Neben seinem eher ungewöhnlichen Vornamen verfügt er jedoch über eine weitere Besonderheit: er kann die sogenannte Bodachs wahrnehmen. Hierbei handelt es sich um gleichermaßen mysteriöse wie gefährliche Schattenwesen – die immer dann auftauchen, wenn Verderben und Blutvergießen drohen. Offenbar hat sich Odd längst mit seiner zweifelhaften, von seiner Mutter geerbten Gabe abgefunden; die es ihm außerdem noch erlaubt mit Toten zu kommunizieren – und versucht, ihr möglichst gar nicht erst allzu viel Aufmerksamkeit zu schenken. Doch hie und da befasst er sich doch näher mit dem ihm erscheinenden Geistern – und hilft ihnen einstweilen, beispielsweise wenn es darum geht Kriminalfälle aufzuklären. Eines Tages erscheint dann ein Mann in seinem Restaurant, der mehr Bodachs im Schlepptau hat als Odd jemals gesehen hat – ein unbeschreibliches Unheil scheint sich anzukündigen. Odd weiht seine engsten Vertrauten ein, und versucht das noch undefinierbare Ereignis zu verhindern – immer mit dem Wissen, eventuell selbst zu einem Opfer der Bodachs zu werden.

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Kritik: Achtung, Spoiler ! ODD THOMAS basiert auf einer Buchvorlage des bekannten amerikanischen Autors Dean Koontz. Wie es der Titel bereits impliziert, geht es um das Schicksal eines mit einer zwiespältigen Gabe ausgestatteten jungen Mannes – der sich diese trotz offensichtlicher Gefahren zunutze macht um seinen Mitmenschen zu helfen. Während Regisseur und Drehbuchautor Steve Sommers sonst eher für brachiale Action-Werke bekannt ist (G.I. JOE, VAN HELSING, THE SCORPION KING), lässt er es in seiner Verfilmung von ODD THOMAS vergleichsweise ruhig angehen – und sorgt mit einer abenteuerlichen Genre-Mixtur, einer ganz und gar nicht angestrengten Atmosphäre und einem sympathischen Hauptcharakter für einen erfrischenden Eindruck. Tatsächlich fällt es zunächst nicht leicht, den Film in eine vorgefertigte Genre-Schublade zu stecken. So fühlt er sich sowohl im Genre des Thrillers, des Actionfilms oder auch des Krimis zu Hause – wobei der übernatürliche Ansatz am ehesten dem Fantasy-Bereich zuzuordnen ist. Zusätzlich legte Steve Sommers Wert auf ein möglichst glaubhaftes, stellenweise emotionales Figuren-Porträt – eine Mischung die ihm zweifelsohne gelungen ist; vor allem in der ersten Hälfte des Films.

Denn hier werden alle einzelnen Elemente zu einem unterhaltsamen, zufriedenstellenden großen Ganzen verwoben. Sommers hält sich gar nicht erst mit einer langwierigen Einführung auf, sondern startet gleich direkt durch – und sorgt mit seinem interessanten Porträt der Hauptfigur Thomas und den ersten Blicken auf seine außergewöhnliche Gabe schnell für ein aufkeimendes Interesse. Angenehm ist in diesem Fall auch die Dosierung aller verwendeten Zutaten: für die niemals allzu reißerischen Action-Sequenzen schiebt er immer wieder ruhigere Momente ein, die allgemeine Bedrohung durch die Gabe respektive die somit sichtbar gemachten Wesen konterkariert er durch einen ganz und gar komischen Unterton. So wird schnell klar, dass sich ODD THOMAS nicht wirklich allzu ernst nimmt – und daher eine eher lockere Stimmung transportiert. Was im allgemeinen als klarer Fehlgriff im Sinne einer unbedingt zu vermeidenden Lächerlichkeit zu beanstanden wäre, ergibt in diesem Fall durchaus Sinn – und verleiht dem Film eine ganz eigene Note.

Doch leider geht das anberaumte, durchaus als verspielt zu bezeichnende Konzept nicht gänzlich – und vor allem nicht durchgängig – auf. Anders gesagt: vor allem gegen Ende des Films wird man sich kaum des Gefühls erwehren können, dass ODD THOMAS das eigentliche Potential der Vorlage nicht völlig ausschöpft und weit hinter seinen Möglichkeiten zurückbleibt. Hier handelt es sich m eine Feststellung, die in erster Linie – oder gar ausschließlich – auf den Inhalt zurückzuführen ist. Speziell die Ausführungen zur eigentlichen Gabe von Thomas sowie die Bedeutung der von ihm beobachteten Wesen bleiben simpel und oberflächlich; und auch die Entscheidung so gut wie alles an einem entscheidenden (und entsprechend zu verhindernden) Verbrechen festzumachen wirkt etwas zu halbgar.

Gegen Ende kommt somit doch noch eine vergleichsweise typische und schnelllebige Action-Atmosphäre auf; bei der alles nach bestimmten und allseits bekannten, vorhersehbaren Formeln funktioniert. So überrascht auch der letzte Twist nicht mehr wirklich, und verpufft vor allem in emotionaler Hinsicht. Vielmehr wirkt er wie ein krampfhafter Versuch, den Film trotz der gewöhnlichen zweiten Hälfte bloß nicht auch noch gewöhnlich enden zu lassen. Hätte man sich nur früher auf diesen Gedanken besinnt – dann hätte aus ODD THOMAS tatsächlich ein waschechter und uneingeschränkt empfehlenswerter Geheimtipp werden können.

Fazit: ODD THOMAS ist ein Film mit einer interessanten Prämisse, sympathischen Charakteren, einer stilistisch erfrischenden Art der Inszenierung und einem grundsoliden technischen Part. Sicherlich auch, da die verwendeten Effekte des übernatürlichen eher dezent eingesetzt werden und man größtenteils auf echte Kulissen, markante Darsteller und einen gelungenen Soundtrack setzt. Allerdings handelt es sich auch um einen Film mit einem klaren Bruch – der irgendwo in der Mitte des Films und während seiner eher langwierigen Krimi-Phasen stattfindet. Hier wandelt sich ODD THOMAS doch noch zu einem relativ handelsüblichen Action-Film, bei dem die Errettung einer Gruppe Menschen (unter Zeitdruck und durch das Ausschalten von einer handvoll Zielpersonen) im Fokus steht – wobei die eigentlich interessanten Elemente der Geschichte komplett vernachlässigt werden.

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„Interessante Genre-Mixtur und gute Inszenierung – die inhaltlichen Aspekte stehen jedoch und wie so oft hintenan.“

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