TV-Kritik / Serien-Review: FALLING SKIES (Staffel 5 – Finale)

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Land: USA, Kanada – Idee & Produktion: Robert Rodat, John Ryan – Stil: Science Fiction TV-Serie

Die Liste der Episoden aus Staffel 5 (Länge je ca. 45 Minuten):

5×01 Find Your Warrior | Der Krieger In Dir
5×02 Hunger Pains | Ausgehungert
5×03 Hatchlings | Der Weg Zum Sieg
5×04 Pope Breaks Bad | Ein Opfer Zu Viel
5×05 Non-Essential Personnel | Ballast
5×06 Respite | Atempause
5×07 Everybody Has Their Reasons | Missverständnisse
5×08 Stalag 14th Virginia | Schockierende Wahrheit
5×09 Reunion | Wiedersehen
5×10 Reborn | Ein Neuer Anfang

Es kann nur einen geben.

Inhalt: Nachdem die Gruppe der tapferen Überlebenden um Rebellen-Anführer Tom Mason (Noah Wyle) es geschafft hat eine wichtige gegnerische Energiestation auf dem Mond zu zerstören (siehe Review zur vierten Staffel von FALLING SKIES), scheint die große Gefahr erst einmal gebannt. Doch auch wenn sich der Feind vorerst zurückgezogen hat, bleibt der Schrecken des erbarmungslosen Invasions-Krieges der Espheni omnipräsent: die Erde ist nunmehr nur noch ein einziges Trümmerfeld, es gibt nach wie vor zahlreiche menschliche Verluste zu beklagen. Eine Frage aber beschäftigt Tom und seine Mitstreiter ganz besonders: wie hat er den Angriff auf die Mondbasis der Espheni überlebt, nachdem sein Schiff vollständig zerstört worden war ? Es scheint, als sei eine weitere Macht im Spiel – eine, die ebenfalls nicht von der Erde stammt und den menschlichen Rebellen offenbar wohl gesonnen ist. Doch bleibt kaum Zeit, näheres herauszufinden – die angeschlagenen, aber noch lange nicht vollständig besiegten Espheni sowie die mächtigen Overlords sammeln sich erneut. Offenbar hat sich ein Großteil der feindlichen Truppen in Washington niedergelassen – einem Gebiet, dass selbst die alliierten Volm nicht ausreichend observieren können. So liegt die Vermutung nahe, dass sich die Espheni erneut für einen Großangriff vorbereiten und noch einmal alles daran setzen, die Menschheit vollständig auszulöschen. Die Gruppe beschließt, ihren Marsch in Richtung der letzten Alien-Bastion fortzusetzen – und dabei möglichst viele neue Verbündete zu sammeln. Denn eines ist klar: Freunde würden die Menschen und die Espheni nicht mehr werden. Doch welche Partei wird den finalen Sieg davontragen ?

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Kritik: Es gibt bekanntlich mehrere Möglichkeiten für ein mehr oder weniger ruhmreiches Serien-Ende. Eben so viele, wie es potentielle Gründe für eine Absetzung oder eine reguläre Beendigung gibt. Im besten Fall sind entsprechende TV-Serien gar nicht erst auf unzählige Staffeln ausgelegt, folgerichtig mit einem absehbaren Ende versehen und mit einem großzügigen Spannungsbogen stilecht erzählt – wie beispielsweise beim überraschend stimmigen Finale zum brachialen Sandalen-Franchise SPARTACUS (Link). Die Vorteile eines vergleichsweise kompakten Serien-Universums wie diesem liegen auf der Hand. Vorteile, die sich nicht nur auf das eigentliche Qualitäts-Niveau der Serie niederschlagen – sondern auch auf die nicht zu vernachlässigenden, dem Zuschauer zumeist vorenthaltenen Aspekte der Finanzierung. Die Kehrseite der Medaille offenbart dagegen immer wieder regelrechte TV-Live-Experimente, bei denen die Verantwortlichen (sowohl auf der Produktions- als auch Senderseite) offenbar ohne einen größeren ‚Masterplan‘ vorgehen und Staffel für Staffel einer Serie über den Äther schicken – immer in Beobachtung der hoffentlich konstant bleibenden Zuschauerzahlen. Mit einer oftmals weniger zufriedenstellenden Auflösung, sodass selbst abrupte Absetzungen möglich sind – wie vor gar nicht allzu langer Zeit bei V – DIE BESUCHER (Link), einem Remake einer noch älteren TV-Serie.

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Und nun kommt die sich längst in aller Munde befindende TV-Serie FALLING SKIES mit einer Art Mixtur der beiden anberaumten Möglichkeiten daher. Eine Serie, die mit der aktuell rezensierten fünften Staffel abgeschlossen sein wird – und dass, obwohl sie sich allgemeiner Beliebtheit erfreut und man die vorangegangene vierte Staffel als recht erfolgreiche betrachten konnte. Nicht nur in Bezug auf die Quoten und die Tatsache, dass der verantwortliche TV-Sender TNT zwei Extrafolgen bestellte – sondern auch hinsichtlich der erzielten Kritiken. Auf Oliverdsw.Wordpress erhielt die vierte Staffel immerhin 6.5 von 10 möglichen Punkten – was nur dezent von der noch etwas gelungeneren, frischen ersten Staffel (7.0 von 10 Punkten) abweicht. Doch bevor die fünfte Staffel ausgestrahlt werden konnte, ergab sich einiges auf Seiten der Verantwortlichen – von deren Gesprächen man als Zuschauer nur das letztendliche Ergebnis erfuhr. So wird das einerseits abrupte, andererseits doch abzusehende Serien-Ende von FALLING SKIES nach der fünften Staffel zweifelsohne gemischte Gefühle hinterlassen. In Bezug auf die Serie selbst sollte das Urteil allerdings schon etwas schärfer ausfallen – was gute Gründe hat.

FALLING SKIES war schon immer eine jener Serien, bei denen man das Gefühl hatte es könnte relativ schnell wieder vorüber sein mit den spannenden Kämpfen um Galionsfigur Tom Mason respektive Noah Wyle. Und doch schafften es die Macher, einen soliden Spannungsbogen zu etablieren und die Zuschauer über zunächst vier Staffeln bei Laune zu halten. Zuletzt sogar so sehr, dass man analog zur Mitteilung über das Serien-Ende großartiges in der fünften und letzten Staffel hat erwarten können. Es ergaben sich schließlich nur zwei Möglichkeiten: entweder, man würde das Franchise aus einem regelrechten Schock- und Enttäuschungszustand über die Nicht-Fortsetzung unangemessen zu Grabe tragen – oder aber, man würde noch einmal alle Kräfte und Möglichkeiten mobilisieren um zumindest die zahlreichen Zuschauer die seit der ersten Staffel dabei sind nicht zu vergrämen. Doch auch wenn man davon ausgehen sollte das letztgenanntes der Fall ist – ist man auch oder gerade in der heutigen Zeit nicht vor bestimmten Frechheiten gefeit. In der Tat wirkt die gesamte fünfte Staffel von FALLING SKIES so, als hätten die einst verantwortlichen Drehbuchautoren (und alle anderen Beteiligten) Reißaus genommen – und das Feld den möglicherweise anwesenden Praktikanten überlassen. Solchen, die sich offensichtlich frei austoben durften – und die trotz ihres Mangels an Erfahrung Folge für Folge ohne eine jegliche Qualitätskontrolle abgesegnet haben.

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Anders ließe sich schließlich kaum erklären, was in der fünften Staffel geschieht – und vor allem wie es geschieht. Das Ganze ist mitunter so gravierend, dass es sich kaum lohnt einzelne Episoden zwecks einer näheren Veranschaulichung herauszupicken. Fakt ist nur, dass die hier dargebotene Kost kaum noch mit der vorangegangen zu vergleichen ist – und das, obwohl gerade die Staffeln zwei und drei bereits nicht gerade das gelbe vom Ei waren. Anders gesagt: wer inhaltliche Offenbarungen erwartet, bekommt diese zwar schlussendlich serviert – doch sind diese so enttäuschend, dass sie den gesamten Kampf um dem sich die Serie FALLING SKIES nun einmal dreht fast schon wieder relativieren. Doch auch in Bezug auf die Spannungsbögen der einzelnen Episoden, die Charakterentwicklung, die Action-Sequenzen oder schlicht die Atmosphäre des einst noch halbwegs stimmig inszenierten Überlebenskampfes sieht es verdammt düster aus. All das wäre eventuell auch passiert, würde die Serie nicht schon jetzt enden – mit einem kleinen aber feinen Unterschied.

Schließlich kam es bisher noch nicht (oder zumindest nicht in einem solchen Ausmaße) vor, dass innerhalb einer einzelnen Staffel derart geschludert wird. Seien es markante Logik-Löcher, wenig nachvollziehbare Anwandlungen der Charaktere, absolut sinnfreie Einzelszenen oder gar völlig fehlgeleitete Filler-Episoden die zu einem ungünstigen Zeitpunkt auftauchen (wie etwa die Folge in der Tom Mason auf eine Farm gelangt, die aus unverständlichen Gründen intakt ist und auf der eine Familie ein seliges Leben führt) – die fünfte Staffel von FALLING SKIES hat in Bezug auf knallharte Negativ-Aspekte wahrlich einiges zu bieten. Allerdings auch nicht so viel, dass die Serie zu einer verkappten Comedy-Erfahrung wird, die zahlreiche unfreiwillige Lacher im Sinne eines gewissen Trash-Charmes ermöglicht. Die Macher haben den Bogen eindeutig überspannt – generieren aber eher Unmut und reichlich Langeweile; sowie ein nicht unerhebliches Potential die Zuschauer nachhaltig zu verärgern.

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So spielt es auch kaum eine Rolle mehr, wie sehr dieses Konzept in Bezug auf das nahende Finale auf die Spitze getrieben wurde. Frech: in der Mitte der Staffel halten sich die Macher noch mit unnötigen und langatmigen Filler-Episoden auf, und selbst als man annehmen muss es würden langsam Vorbereitungen auf das große Serien-Finale getroffen wird man immer wieder vertröstet. Exakt so lange, bis die ersten Sekunden der allerletzten FALLING SKIES-Folge anlaufen – wo es dann plötzlich überraschend flott zugeht und Elemente, die sonst in mehreren Episoden verwurstet würden in einigen wenigen Minuten abgearbeitet werden. Entsprechend abstrus wirkt dann auch das eigentliche Spektakel, das eigentliche Serien-Highlight – der Marsch auf Washington. Wobei dies auch dezent abzusehen war, wurde ein großes Geheimnis um die Stadt und das Verhalten der Invasoren gemacht; die man zwischenzeitlich glaubte komplett besiegt zu haben. Wer sich schon immer daran störte, dass ausgerechnet eine kleine Gruppe wie Tom Mason’s dazu imstande war die Strapazen des Krieges zu überleben (was insbesondere für alle näheren Familienmitglieder des Anführers selbst gilt), dass die Außerirdischen offenbar ohne einen jeglichen Plan vorgehen und trotz ihrer übermächtigen Technologie auf ganzer Linie versagen – der wird aber ohnehin nicht bis hierhin durchgehalten haben. Wie sich nun – und leider – herausstellt, auch zu Recht.

Allein die finale Folge strotzt nur so vor Problemen die sich in allen erdenklichen Bereichen niederschlagen – und die eine weitere intensive Diskussion über die Serie grundsätzlich erübrigen sollten. Sei es, dass markante Nebengeschichten einfach fallen gelassen werden (die Dornia, die Volm – die interessanterweise gar nichts mehr zu melden haben), unsägliche Logik-Fehler auftreten (die Explosion im Abwasserkanal erweckt die Alien-Eier nicht, wohl aber zu lautes Gerede), eine Sinnlos-Szene auf die nächste folgt (der Virus sorgt dafür dass die Alien-Königin einfach explodiert, und danach die gesamte restliche Alienarmee – ganz ohne Spuren zu hinterlassen) oder das ein bestmögliches Happy-End forciert wurde (alle Mason’s überleben; die USA stehen vor dem Wiederaufbau) – hier läuft alles schief, was schiefgehen kann. Sowohl im Sinne einer TV-Serie, als auch in Bezug auf alle anderen erdenklichen Film-Formate.

Fazit: Fasst man die Misere der fünften FALLING SKIES-Staffel einmal anhand der letzten ausgestrahlten und durchaus repräsentativen Episode zusammen, ergibt sich ein Bild des Grauens. Dabei sind es nicht einmal die inhaltlichen Ärgernisse und die letztendlich reichlich krude Story um den Sinn (oder eher Unsinn) einer Alien-Invasion durch regelrecht; man nenne sie schizophrene Außerirdische (unglaubliche Technologie auf der einen, unfassbare Inkompetenz und niedere Rachegelüste auf der anderen Seite) die den Ausschlag geben – sondern vielmehr die unzähligen inszenatorischen Fehlgriffe und die Irreführung der Zuschauer. Für ein derartiges Finale hat man sich also fünf Staffeln abgemüht ? Wobei dieses Adjektiv wohl eher die Zuschauer als die Macher betreffen sollte. Das ist eine bodenlose Frechheit – eine, die mit einer entsprechenden Wertung honoriert wird. Eine Wertung, die ein Problem offenbart: die letzte Staffel ist so schlecht, dass sie auch die anderen 4 vorherigen obsolet macht. Und das, obwohl die Durchschnittswertung hier noch bei 5.6 von 10 Punkten lag. Es kann demnach – und leider – nur eine mögliche Schlussfolgerung geben; auch wenn sie eventuell zu spät kommt: Finger weg von FALLING SKIES !

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„Ein miserables Ende für eine einst vielversprechende TV-Serie.“

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