Filmkritik: „Avengers 2: Age Of Ultron“ (2015)

avengers2-ultron_500

Originaltitel: The Avengers: Age Of Ultron
Regie: Joss Whedon
Mit: Robert Downey Jr., Chris Evans, Mark Ruffalo u.a.
Land: USA
Laufzeit: ca. 142 Minuten
FSK: ab 12 freigegeben
Genre: Action, Fantasy, Sci-Fi
Tags: Resozialisierung | Verdrängung | Glaube | Schicksal | Wandlung

In gewisser Weise ein ultronagenialer Schachzug.

Kurzinhalt: Nach den schwindelerregenden Ereignissen der Vergangenheit (siehe Teil 1 des MARVEL-Franchise, Kritik) sollte man den AVENGERS eigentlich mal eine Ruhepause gönnen – doch werden die ungleichen Superhelden abermals auf den Plan gerufen, als Gefahr für Mensch und Umwelt drohen. Doch sieht es zunächst recht gut aus für die Truppe, die es sogar schafft das mächtige Zepter von Loki in ihren Besitz zu bringen. Dieses verfügt über eine solche Macht, dass man es besser verwahren sollte – doch Tony Stark (Robert Downey Jr.) wittert schnell eine Chance, mithilfe des Energiekerns des Zepters sein spezielles Welten-Verteidigungsprogramm fertigstellen zu können. So erschafft er eine künstliche Intelligenz, die auf den Namen Ultron getauft wird – sich jedoch allzu schnell wieder seiner Kontrolle entzieht. Letztendlich will sich der auf die Suche nach einem möglichst stabilen Körper machende Ultron die Welt zwar retten – doch eben nur, indem er alle Menschen und insbesondere die AVENGERS auslöscht. So müssten Thor (Chris Hemsworth), Captain America (Chris Evans), Hulk (Mark Ruffalo), Black Widow (Scarlett Johansson) und Hawkeye (Jeremy Renner) kräftig mithelfen, um eine globale Katastrophe abzuwenden. Auch der verloren geglaubte  Nick Fury (Samuel L. Jackson) taucht plötzlich auf der Bildfläche auf; sowie zwei besonders talentierte neue Figuren, die sich noch für eine Seite entscheiden müssen – die Geschwister Wanda (Elizabeth Olsen) und Pietro Maximoff (Aaron Taylor-Johnson).

avengers2-ultron_00

Kritik: Achtung, Spoiler ! Vielleicht hat man schon einmal von ihr gehört, vielleicht auch nicht – die Rede ist von der sogenannten Cash-Cow. Hierbei handelt es sich allerdings nicht zwingend um einen Begriff aus der Biologie, sondern vielmehr um eine dezent abwertende Beschreibung für besonders gut funktionierende Marketing-Maschinerien. Insbesondere solche die sich um ein größeres Franchise drehen – und solche, die im wahrsten Sinne des Wortes den letzten verwertbaren Tropfen aus dem eigentlichen Produkt herausholen. Gerade im Filmbereich erreicht man dies hauptsächlich mit  Prestige-trächtigen Neuverfilmungen oder Sequels; neben allem anderen, was sich sonst noch zum Thema verkaufen lässt. Würde man nun dazu angehalten werden, sich einen möglichst greifbaren Repräsentanten für die Verwirklichung solcher Konzepte auszuwählen – so würde die Wahl vermutlich schnell auf MARVEL fallen. Die von Disney aufgekaufte Filmfabrik geizt speziell in letzter Zeit nicht mit unzähligen Verfilmungen zu mehr oder weniger bekannten Superhelden, die ihre Ursprünge in nunmehr dezent angestaubten Comic-Büchern haben. Doch bei aller Liebe für imposante Figuren wie THOR, HULK oder den IRON MAN – irgendwann könnte man das Maß des erträglichen überschreiten. Wenn das nicht sogar schon geschehen ist.

Dabei liegt das Problem nicht unbedingt in den neuen Filmen und jeweiligen Debüt-Auftritten der Superhelden an sich (aktuell stellt sich beispielsweise ein gewisser ANTMAN der Zuschauerschaft vor) – sondern eher in der leidlichen damit verbundenen Ausschlachtungs-Strategie. Die sieht schließlich vor, dass ein jeder sich halbwegs gut verkaufender neuer Superhelden-Film mindestens ein Sequel; oder noch besser gleich eine Trilogie spendiert bekommt. Mit einem sich oftmals verdächtig ähnelndem Ergebnis: während der erste THOR (Review) oder der erste IRON MAN (Review) noch als frische Actioner mit einer gewissen Dynamik und vielen flotten Sprüchen durchgehen konnten, sah es in Bezug auf die Sequels schon deutlich düsterer aus. Jener berühmt-berüchtigte Wiederholungs- oder auch Abnutzungseffekt (vor dem gerade MARVEL absolut nicht gefeit ist) stellt sich nun auch bei den AVENGERS ein. Oder sollte man sagen, ausgerechnet ? Schließlich war bereits der erste AVENGERS-Film (Review) kein allzu großer Wurf. Hier musste der Überraschungseffekt der plötzlich gemeinsam auftretenden MARVEL-Helden für vieles herhalten – während es in Bezug auf die Story, Charaktere und sogar die opulente Präsentation eher mau aussah.

Demnach ist es auch kein Wunder, dass AVENGERS 2 diese Wirkung nicht zu übertrumpfen vermag – und den Zuschauern schlussendlich genau das serviert, was sie erwartet haben. Wenn nicht sogar noch etwas weniger. Schließlich scheint AVENGERS 2 auch bezüglich aller Aspekte zu kränkeln, die den ersten Teil noch halbwegs erträglich gestalteten. Speziell in Bezug auf den Humor gilt es hier, ganz und gar vernichtendes festzuhalten: die nur noch selten aufkommenden Witzeleien und lockeren Sprüche wirken extrem forciert und unpassend. Wie sollte es auch anders sein in einem Film, der sich das Over The Top-Prinzip in jedweder Hinsicht verinnerlicht hat: was hier passiert, wie es geschieht und wie man versucht dem entgegenzuwirken ist so abstrus und überzogen, dass man es letztendlich kaum noch in Worte fassen kann. Das mag noch kein Todesurteil für einen AVENGERS-Film sein, bei dem ein gewisser Hang zu Übertreibungen einfach dazugehört – doch die dreiste Art der Präsentation schon eher.

So kann nicht einmal mehr die angepriesene, nur vermeintlich spektakuläre Optik größeres reißen: die Umgebungen und Technologien wirken artifiziell und wenig greifbar, die Szenenabfolgen sind hektisch; die Spezialeffekte nur in der Form wirksam, als dass sie ein möglichst großes Getöse erzeugen. So kann es durchaus vorkommen, dass man hie und da mal den Überblick verliert respektive keinen Fixpunkt zwecks einer Erdung entdeckt – und einem gar keine Wahl gelassen wird als sich von den pompösen Bildern analog zu einer gewissen Kopfschmerzgefahr berieseln zu lassen. Natürlich stets so, dass keinerlei Fragen gestellt werden sollten; auch wenn man geneigt ist eben dies zu tun. AVENGERS 2 hat durchaus Momente, die man hätte intensivieren können um ihn nicht ganz so banal wirken zu lassen. Offenbar hatte man sich das auch vorgenommen; aber leider mit einer falschen Konsequenz umgesetzt: auf den ersten Blick wirkt die Story des Films komplex, einstweilen setzt man sogar gezielt auf Verwirrung – was im Zusammenspiel mit den ständig eingeworfenen Technologien und Begriffen für das nötige Kopfschütteln sorgt.

Doch anstatt sich mit den potentiell interessanteren Fragen zu beschäftigen (was bedeutet es, eine eigenständige und sich entwickelnde künstliche Intelligenz zu erschaffen; wie funktioniert der Prozess der Infiltration und Ausbreitung in Netzwerken) reduziert man AVENGERS 2 eben doch nur auf eine typische Auseinandersetzung der Marke gut-gegen-böse. Einer, in der einzelne Charaktere nicht viel zu melden haben – und in der ein besonders heroisches Team aus Superhelden (und solchen, die es werden wollen) nur als solches zum Ziel gelangen kann. Das genau das auch der Fall sein würde, war indes abzusehen – sodass speziell die Andeutungen gewisser Konflikte wenig Sinn ergeben und unspannender nicht hätten ausfallen können. Dies gilt auch für die Charaktere im allgemeinen, was eines der größten Charakter-bezogenen Probleme der MARVEL-Filme markiert. Die Helden werden zwar recht sympathisch gezeichnet und mit kleinen Hintergrundgeschichten ausstaffiert; doch so richtig mitfühlen oder sich in das Geschehen hineinversetzen kann man sich nicht. Vielleicht auch nur, da die Superhelden etwas zu perfekt sind – und folgerichtig auch selten in Lebensgefahr geraten. Irgendeine Lösung würde sich eben immer finden.

Fazit: AVENGERS 2 ist der zweite und beileibe nicht der letzte Film eines scheinbar unerschöpflichen Franchise aus dem Hause MARVEL. Ein Film, dessen einziges Novum es ist (oder eher: war) die im Alleingang mittlerweile schwächelnden Superhelden gemeinsam auftreten zu lassen – bei dem sonst aber alles beim alten bleibt. Eine im Endeffekt reichlich unspektakuläre Story inklusive zahlreicher unstimmiger und verworrener Elemente, eine viel zu bunte und hektische Aufmachung, arg konstruierte Charakter-Konstellationen und ein bemühter Witz – AVENGERS 2 ist ein Reinfall und ein weiteres Paradebeispiel für den fehlgeleiteten Sequel-Wahn der Marke Hollywood. Da helfen auch die vielen investierten Millionen, sowie die vermeintlich dringend benötigte Spielzeit von über 2 Stunden nichts – MARVEL wird weiterhin bloßes Popcorn-Kino ohne Sinn und Verstand produzieren; erst Recht wenn es um etwaige Nachfolger bereits bestehender Heldensagen geht. Sollte man also geneigt sein, sich mit näher mit dem MARVEL-Universum zu befassen, so wäre nur eines anzuraten: dort, wo keine Zahl hinter dem Titel steht kann man halbwegs bedenkenlos zugreifen – alles andere ist ein Hinweis auf eine besonders perfide Marketing-Strategie und im schlimmsten Fall entsprechend unterirdische Sequels. Das gilt selbstverständlich nur so lange, bis MARVEL das Gegenteil beweist – doch das ist bisher nicht abzusehen.

border_01
40button

„Einige Actionszenen sind sehenswert, doch allgemein gilt: das war zu viel Lärm um Nichts. Und dieses Nichts war auch noch verdammt teuer.“

filmkritikborder

Advertisements

Zögert bitte nicht, einen Kommentar zu hinterlassen.

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s