Metal-CD-Review: CRYSTAL EYES – In Silence They March (2000)

crystal-eyes_in-silence-they-march_500

Alben-Titel: In Silence They March
Künstler / Band: Crystal Eyes (mehr)
Veröffentlichungsdatum: 11. Dezember 2000
Land: Schweden
Stil / Genre: Power Metal
Label: Crazy Life Music

Alben-Lineup:

Mikael Dahl – Vocals, Guitars, Keyboards
Claes Wikander – Bass
Kujtim Gashi – Drums
Jonathan Nyberg – Guitars

Track-Liste:

1. Time Flight (06:17)
2. Cursed and Damned (04:43)
3. Sons of Odin (06:22)
4. The Grim Reaper’s Fate (05:10)
5. The Undead King (01:31)
6. In Silence They March (05:48)
7. Adrian Blackwood (05:15)
8. Witch Hunter (06:15)
9. The Rising (04:25)
10. Knights of Prey (05:11)
11. Somewhere over the Sun (04:54)
12. Winternight (06:20)

Der zweite Teil einer Erfolgsgeschichte.

Gerade mal ein gutes Jahr nach dem sensationellen Debütalbum WORLD OF BLACK AND SILVER (Review) legten die Schweden von CRYSTAL EYES bereits einen nach. Und das aus offensichtlichen Beweggründen: IN SILENCE THEY MARCH knüpfte gnadenlos an die einzigartige Atmosphäre des Vorgängers an, baute die Trademarks der Band weiter aus – und funktioniert auch heute noch als tadelloses Power Metal-Album mit dem gewissen Etwas und einem immensen Wiedererkennungswert. Dabei kommt es nicht allzu häufig vor, dass Newcomer-Bands (wie auch CRYSTAL EYES einmal eine waren) gleich derart aus dem Vollen schöpfen und zwei Ausnahme-Alben präsentieren. Dazu gehört schon einiges – vom dem die CRYSTAL EYES vor allem zu ihren glorreichen Anfangszeiten offenbar reichlich hatten. Bereits mit dem Opener TIME FLIGHT zaubert man, auch wenn die Melodie recht nah am Opener des Vorgängers orientiert ist; eine sagenhaft-zeitlose Hymne aufs Parkett. Das gelungene Songwriting ist das eine – der prägnante Einsatz speziell des Schlagzeugs und der Gitarren; sowie die einzigartige Produktion mit ihrem dezenten Retro-Touch das andere. Stärker hätte der Alben-Auftakt jedenfalls nicht ausfallen können.

Doch auch alles was folgt, kann dementsprechend mithalten. Mit dem kleinen aber feinen Unterschied, dass die Nummern zwar noch immer recht schnell ins Ohr gehen; der einst feucht-fröhliche Gesamteindruck aber etwas zurückgefahren wurde. Will heißen: Titel wie CURSED & DAMNED, SONS OF ODIN und THE GRIM REAPER’S FATE haben noch immer einen enorm hymnischen Anspruch, klingen im direkten Vergleich mit dem Vorgänger aber weniger verspielt und schlicht um einiges gradliniger, bodenständiger und vielleicht auch härter. Das könnte man sowohl positiv als auch negativ auffassen – in jedem Fall aber bleiben die markanten Stärken der Band weiterhin präsent, und es ist gut dass man das Debütalbum nicht bloß wiederholt. Auch, wenn viele der hier angewandten Techniken dieselben sind und die beiden Album zumindest bei den ersten Durchläufen beinahe identisch klingen.

Mit THE UNDEAD KING hat sich dann auch erstmals ein Interlude eingeschlichen – eines, dass im Zusammenspiel mit dem Folge- und Titeltrack IN SILENCE THEY MARCH (der etwas epischer ausgelegt ist und erstmals eine wirklich greifbare Geschichte erzählt) auch die ungefähre Marschrichtung des Albums aufzeigt. Während der Vorgänger noch vermehrt mit verschiedenen Genre-Ausrichtungen spielte, schienen sich die CRYSTAL EYES in diesem Fall noch stärker auf die amerikanischen und britischen Strömungen zu fokussieren. Tatsächlich könnte man hie und da sogar Parallelen zu MANOWAR entdecken; wenn auch nur oberflächliche. Schließlich blieb es weiterhin an Mikael Dahl, für die nötigen Alleinstellungsmerkmale zu sorgen. Sein Leadgesang ist auf IN SILENCE THEY MARCH sogar noch ein stückweit prägnanter und variabler als auf dem Vorgänger. Dessen war er sich offenbar bewusst – sodass auch in diesem Fall gilt: das ebenfalls von ihm gehandhabte Keyboard bleibt dezent im Hintergrund; die größte Präsenz beanspruchen die Gitarren und das Drumming. Auch wenn das ausdrücklich zu loben ist, scheint die Abmischung im Vergleich zum Vorgänger nicht ganz so gelungen – oder aber, sie entfaltet keine vergleichbare Wirkung; sodass hier dezente Abstriche zu machen sind. Die Titel die noch folgen, sind allesamt stark und alles andere als Lückenfüller – und sogar die abschließende Ballade WINTERNIGHT geht problemlos als solche durch; was auf dem Vorgänger nicht wirklich der Fall war.

Fazit: Mit IN SILENCE THEY MARCH haben CRYSTAL EYES etwas sonst nur schwer zu erreichendes geschafft, denn: einerseits klingt das Album noch stark nach dem Vorgänger und Debütalbum; andererseits hatte man sich musikalisch durchaus weiterentwickelt und vor allem am Songwriting geschraubt. Dieses fällt hier etwas anspruchsvoller und vielleicht auch atmosphärischer aus; während die bereits auf dem Debüt etablierten Stärken weiterhin hochgehalten werden. Der einzige Wermutstropfen liegt dann wohl darin begründet, dass die enorme auf dem Debüt versprühte Power etwas abhanden gekommen respektive anderen Elementen gewichen ist. Die Folge sind nun vermehrt Titel im stampfenden Midtempo, sowie etwas epischer ausgelegte Titel a’la IN SILENCE THEY MARCH oder WITCH HUNTER. Am besten funktioniert das Ganze also, wenn man sich beide Alben zur Hand nimmt – das erste für einen feucht-fröhlichen Auftakt mit viel Euro-Power; das zweite für einen etwas gesetzteren Eindruck und eine gewisse metallische Schwere aus amerikanischen und britischen Strömungen.

Absolute Anspieltipps: TIME FLIGHT, THE GRIM REAPER’S FATE, THE RISING


80button

„Ein würdiges Nachfolge-Album mit einem geringeren Spaßfaktor, aber sinnigen Alternativen.“

Zögert bitte nicht, einen Kommentar zu hinterlassen.

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s