Metal-CD-Review: CRYSTAL EYES – World Of Black And Silver (1999)

crystal-eyes_world-of-black-and-silver_500

Alben-Titel: World Of Black And Silver
Künstler / Band: Crystal Eyes (mehr)
Veröffentlichungsdatum: 26. April 1999
Land: Schweden
Stil / Genre: Power Metal
Label: Crazy Life Music

Alben-Lineup:

Mikael Dahl – Vocals, Guitars, Keyboards
Claes Wikander – Bass, Keyboards
Kujtim Gashi – Drums
Jonathan Nyberg – Guitars

Track-Liste:

1. Interstellar War (04:59)
2. Gods of the World (03:53)
3. Winds of the Free (04:49)
4. The Power Behind the Throne (06:17)
5. The Dragon’s Lair (04:57)
6. Eyes of the Forest Gloom (07:09)
7. Rage on the Sea (07:01)
8. Victims of the Frozen Hate (05:28)
9. Extreme Paranoia (03:29)
10. Glory Ride (05:05)
11. World of Black and Silver (05:22)

Ein Album wie aus einer anderen Dimension.

Man kann von Kitsch halten, was man will. Doch gerade im Bereich des Power Metal gehört er des öfteren einfach dazu – sei es in Form klischeehafter Textinhalte, besonders fröhlicher Melodien oder anderen Faktoren. Auch WORLD OF BLACK AND SILVER, das Debütalbum der schwedischen Combo CRYSTAL EYES weiß mit Begriffen wie diesen zu spielen – und den Hörer mit einer zunächst eher ungewöhnlichen Soundkulisse zu konfrontieren. Eine, die deutlich lockerer und sogar explizit fröhlicher klingt als bei vielen anderen Genre-Kollegen – und einen trotz alledem einladen soll, eine Reise in fremde Gefilde (oder eher die Weiten des Alls) zu unternehmen. Die Frage die sich stellt, ist dabei eigentlich nur noch die nach dem wie – wie präsentiert man die entsprechenden Ansätze und Inhalte, die einen schnell an Alternativ-Bands a’la FREEDOM CALL denken lässt ?

Die Antwort, die CRYSTAL EYES Anno 1999 darauf hatten; stellt sich dann allerdings schnell als zufriedenstellende heraus. Wenn auch eventuell in anderer Form als zunächst gedacht – denn eine zum Schneiden dichte Atmosphäre wird nicht generiert. Eher eine feucht-fröhliche, ausgelassene – die dennoch weit von einem wie auch immer gearteten Blödel-Faktor entfernt ist und eine gewisse Ernsthaftigkeit nicht vermissen lässt. Der wahre Clou des Sounds von WORLD OF BLACK AND SILVER dürfte aber die Vermengung der beschwingten Melodiebögen und des grundsätzlich gemäßigten Gesangs auf der einen; und der Unterbringung einer ansehnlichen metallischen Komponente auf der anderen Seite sein. Denn so beschwingt speziell ein Großteil der Refrains klingen, so furios ist das sie umgebende Soundgewand aus einem prägnanten Drumming, satten Gitarren und einem minimalen Keyboardeinsatz. Bereits der Alben-Auftakt kann so mit direkt aneinandergereihten Hymnen glänzen – INTERSTELLAR WARS, GODS OF THE WORLD oder WIND OF THE FREE sind perfekte Anschauungsbeispiele dafür, wie anständig auch ein eher heiter gestimmter Power Metal klingen kann. Und sicher auch dafür, wie sich manch spätere Band mehr oder weniger direkt an dem ureigenen, speziellen Sound der CRYSTAL EYES orientiert haben könnten (als ein Beispiel sei hier GALDERIA genannt).

Erst beim vierten Titel im Bunde wird die Marschrichtung dann dezent geändert – THE POWER BEHIND THE THRONE vermittelt zumindest zunächst den Eindruck, als hätte man hier eine obligatorische Ballade zu erwarten. Umso überraschender ist die darauf folgende Wandlung zu einem Midtempo-Stampfer mit einer ansprechenden, abwechslungsreichen Struktur und dem ein oder anderen Ausbruch des Leadsängers Mikael Dahl. Der singt über weite Strecken eher angenehm gemäßigt, und glücklicherweise mit einem gewissen Wiedererkennungswert – doch immer wenn er zu dem ein oder anderen Scream ansetzt, kann man sich einer wohligen Gänsehaut kaum erwehren. Die herausragenden Soli-Parts runden das Ganze dann wunderbar ab – bevor es mit THE DRAGON’S LAIR weitergeht. Hier wird erneut die Stimmung der ersten Titel aufgegriffen, respektive eine weitere Hymne kredenzt. Eine, die wieder sofort in die Gehörgänge geht und mit ihrer merkwürdigen Mischung aus heiteren und atmosphärischen Versatzstücken einen bleibenden Eindruck hinterlässt. Der Rest des Albums steht dem starken Auftakt dann glücklicherweise in nichts nach – es gibt sogar noch einmal deutlich mehr Abwechslung. Leider Gottes ist dann nur der Rausschmeißer und Titeltrack WORLD OF BLACK AND SILVER ein kleiner Fehlgriff – hier geht es vor allem gesanglich verdächtig schief zu, und die hier präsentierte akustische Seite der Band will nicht so recht zum vorangegangenen Eindruck passen.

Fazit: Das, was CRYSTAL EYES hier 1999 abgeliefert haben; gleicht einem wahren Meisterstück. WORLD OF BLACK AND SILVER steht stellvertretend für jene seltenen Genre-Alben, die sich merkbar von der Masse abheben, ihre ganz eigene Atmosphäre entwickeln – und dabei auch noch handwerklich über jeden Zweifel erhaben sind. Die Mixtur aus hymnisch-heiteren und atmosphärisch-schroffen Elementen geht hier wie sonst nirgendwo auf – und vermag es so schnell den Hörer für sich zu gewinnen. Hinzu kommt, dass sich das Album nur schwer in eine Schublade stecken lässt – irgendwo zwischen einem europäischen Power Metal der Marke HELLOWEEN und der New Wave Of British Heavy Metal der Marke IRON MAIDEN; irgendwo zwischen einer retrospektiven und dezent die 80er-Jahre heraufbeschwörende Produktion und einem Gesamteindruck, der den eigenen Blick eher gen Himmel denn in Richtung etwaiger Herkunftsländer oder bestimmter Heavy Metal-Epochen schielen lässt ist WORLD OF BLACK AND SILVER zuhause. Wer dieses Album nicht besitzt, verpasst etwas.

Absolute Anspieltipps: INTERSTELLAR WARS, GODS OF THE WORLD, EXTREME PARANOIA, GLORY RIDE


100button

„Ein einzigartiges Album mit einem ureigenen Sound.“

Advertisements

Zögert bitte nicht, einen Kommentar zu hinterlassen.

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s