Filmkritik: „Mad Max: Fury Road“ (2015)

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Originaltitel: Mad Max: Fury Road
Regie: George Miller
Mit: Tom Hardy, Charlize Theron, Zoë Kravitz u.a.
Land: Australien, USA
Laufzeit: ca. 120 Minuten
FSK: ab 16 freigegeben
Genre: Action, Sci-Fi
Tags: Endzeit | Apokalypse | Wüste | Ödland | Wasser | Benzin

Irgendwann erwischt es jeden.

Kurzinhalt: In der nahen Zukunft steht es schlecht um die Menschheit bestellt. Nach einer Apokalypse unbekannten Ausmaßes gleicht die Erdoberfläche einer einzigen Wüste, Nahrungsmittel und vor allem Wasser sind knapp; die wenigen anzutreffenden Menschen leben in schlimmsten Verhältnissen. Doch hat es der gleichermaßen unerschrockene wie vom Leben gezeichnete Warlord Immortan Joe (Hugh Keays-Byrne) geschafft, sich ein kleines Imperium auszubauen. Er verfügt nicht nur über einen ansehnlichen Stützpunkt, massive Wasservorräte und zahlreiche Untertanen die ihm hörig sind – auch hält er sich einen kleinen Harem aus besonders hübschen Frauen; die er als Brutmaschinen missbraucht. Eines Tages gerät auch der Außenseiter Max (Tom Hardy) in die Gefangenschaft des Gangsters, und wird prompt auf die Haube eines der Wüstenfahrzeuge geschnallt. Als menschlicher Stoßdämpfer erfährt er von der Jagd auf Furiosa (Charlize Theron), die mit den Frauen vor ihrem Peiniger Immortan Joe geflüchtet ist und mit einem Truck das Weite sucht. Mit Ach und Krach kann sich Max befreien, und schafft es sogar an Bord des Fluchtfahrzeuges – doch zunächst scheint es, als würde ihn und die flüchtende Furiosa nichts verbinden. Mit Ausnahme dessen, dass nun beide als Hauptziele des vor Wut rasenden Immortan Joe fungieren…

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Kritik: Achtung, Spoiler ! Dass der Remake- und Sequelwahn der Marke Hollywood auch weiterhin kein Ende nimmt, ist keine allzu große Überraschung. Dass man nun aber ausgerechnet eine mittlerweile legendäre Kult-Trilogie auserkoren hat, wie ein Phoenix der Asche (oder eher: dem Wüstensand) zu entsteigen, schon eher: MAD MAX – FURY ROAD erweckt die Geschichte um einen Ex-Polizisten und seine abenteuerlichen Erfahrungen in einer postapokalyptischen Wüstenwelt wieder zum Leben. Ob sich die Neuauflage in diesem Fall schlicht angeboten hat, ob wie so oft Profitgier dahinter steckt oder man aufgrund einer gewissen Ideenlosigkeit einen Aufhänger brauchte, sei einmal dahingestellt – Fakt ist jedoch, dass potentiell gehegte Hoffnungen auf einen würdigen neuen MAD MAX nicht allzu lange aufrechterhalten werden können. Größtenteils, da sich der zunächst noch positive Überraschungseffekt schnell wieder relativiert – aber auch, da das Remake / der vierte Teil wie so oft einige markante Unterschiede im Vergleich zu den drei Originalteilen aufweist.

Das allein mag noch kein Beinbruch sein; handelt es sich im besten Fall um entsprechende Alleinstellungsmerkmale einer Neuverfilmung. Doch auch bei diesen gilt: die getroffenen Entscheidungen sollten zumindest ansatzweise nachvollziehbar ausfallen. Auf den ersten (und zweiten) Blick aber scheint eher das Gegenteil der Fall: Mel Gibson, die eigentliche Galionsfigur des Franchise; ist einem auffällig unauffälligem Tom Hardy gewichen – und die einst stimmige Zeichnung der Endzeit-Welt zahlreichen furiosen Action-Intermezzi in einer (immerhin angerauten) Hochglanzoptik. Eine greifbare Geschichte erzählt George Miller dabei nicht – und die angestrebte hoffnungslose Atmosphäre wird ausschließlich durch eine sich über den gesamten Film ziehende Verfolgungsjagd sowie den Todeskämpfen zahlreicher beteiligter (Neben-)Protagonisten generiert. Zwar erzählte auch das Original nicht explizit, wie es zur Katastrophe kam und wie der ein oder andere Überlebende seinen Unterhalt bestreitet – lieferte aber immerhin gewisse charakterliche Anhaltspunkte. Beispielsweise wenn es darum ging, Motivationen nachvollziehen zu können und sich mit der Situation im neuerlichen Ödland (FALLOUT lässt grüßen) zu identifizieren.

Diese Zeiten sind jedoch passé. Heute genügt es schon, einen besonders perfiden Bösewicht vorzuführen – auf dessen Gebaren man schlicht alle anderen Anwandlungen folgen lassen kann. Einen Bösewicht, der mitsamt seiner indoktrinierten und merkwürdig geschminkten Gefolgschaft einem seichten Comic-Buch entsprungen scheint – doch auch die Gegenspieler auf der guten Seite machen es nicht viel besser. FURY ROAD verzichtet neben des Ansatzes einer Story schließlich auch auf eine glaubhafte Figurenzeichnung – und sorgt so dafür, dass auch jegliche Sympathien im Keim erstickt werden. Es sei denn natürlich, man zählt die oberflächlich-dreisten hinzu; die auf die Schönheit und Unschuld der mitgeführten Frauen zurückzuführen sind und den ein oder anderen Beschützerinstinkt wecken. Das Problem: warum genau die Frauen fliehen, spielt letztendlich keine große Rolle. Vielmehr geht es darum festzustellen, ob sie die folgenden Auseinandersetzungen überleben werden – wie auch die beiden Hauptcharaktere. Immerhin treffen diese gegen Ende sogar eine Entscheidung, die im Kontrast zur ziellosen Verfolgungsjagd ohne Ende steht. Nur, dass diese ebenfalls wenig Sinn zu ergeben scheint – oder eher die gesamten vorherigen 2 Stunden Laufzeit relativiert. Enttäuschend ist das Finale allemal, zudem es nur unter Einbeziehung einer der gravierendsten Logik-Lücken funktioniert: die Haupt-Basis ist quasi unbewacht, sobald der Oberbösewicht sie mitsamt seiner engsten Gefolgschaft verlässt. Ob das in Zeiten der Post-Apokalypse und sicher auch rivalisierender / marodierender Banden ein ratsamer Schachzug ist, bleibt fraglich.

Was bleibt ist ein überraschend tösender, Effekt-gewaltiger und einstweilen sogar recht hektischer Actioner – der selbst in vermeintlich Charakter-intensiven Momenten die ein oder andere optische Spielerei bereithält (beispielsweise bei Max‘ Visionen), um den Blutdruck des Zuschauers konstant hoch zu halten. Ob das Ganze also gerade noch für Adrenalin-Junkies zu empfehlen ist oder den Bogen bereits hinsichtlich einer markanten Nervigkeit überspannt (Stichwort Hochgeschwindigkeitseffektgewitter a’la TRANSFORMERS), muss ein jeder selbst entscheiden respektive am eigenen Leib erfahren. Viel zu selten gibt es Momente, in denen man tatsächlich kurz innehält und die Szenerie bestaunt – wie bei einigen anfänglichen Landschaftsansichten oder der Fahrt in einen opulenten Wüstensturm. Sobald man den sandigen Rand eben jenes Sturms aber erst einmal durchquert hat und in seinem inneren landet, ist es schon wieder vorbei mit den stimmigen optischen Schauwerten: was hier geschieht sieht am ehesten nach einem übernatürlichen Effektsturm der Marke MARVEL – und damit entsprechend Comic-haft – aus. Die darstellerischen Leistungen sind durchwachsen, respektive fallen sie aufgrund der kaum vorhandenen Dialoge ohnehin kaum ins Gewicht – und der Soundtrack ist bestenfalls zweckdienlich.

Fazit: FURY ROAD hat hauptsächlich ein Problem: als wie auch immer geartetes Remake der Kult-Trologie enttäuscht er auf ganzer Linie. Lediglich als unabhängiger, düsterer Actioner vor einem Post-apokalyptischen Hintergrund entwickelt er eine gewisse Dynamik – und überzeugt dabei vornehmlich mit variantenreichen Actionszenen (die dann allerdings doch ein wenig zu ausgiebig zelebriert werden) sowie einer insgesamt ansprechenden Optik. Leider entschied man sich dennoch, auf ein bereits bestehendes Franchise zu bauen – was zu entsprechenden Abzügen und zu einer sich hoffentlich nicht bestätigenden Vermutung führt. Denn: FURY ROAD könnte theoretisch locker als erster Teil einer neuen Trilogie durchgehen. Wenn dem so wäre, könnte man dies kaum verhindern – doch wären sicherlich ganz ähnliche Anwandlungen wie eventuell schon bei der TERMINATOR-Reihe zu erwarten. Und die eignen sich dann nicht einmal mehr für reine Unterhaltungszwecke – sondern letztendlich nur noch zum Fremdschämen. Hinzu kommt, dass der Kosten-Nutzen-Faktor in keinerlei nachvollziehbarem Verhältnis mehr steht: während der erste Original-Teil gerade einmal 200.000 Dollar gekostet hat, verschlang FURY ROAD sage und schreibe 100 Millionen Dollar.

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„Ein miserabler MAD MAX – aber ein passabler Actionfilm, sofern man auf Story und Charaktere verzichten kann.“

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8 Gedanken zu “Filmkritik: „Mad Max: Fury Road“ (2015)

    1. Ein paar (lol) Oscars für’s technische, na wir wollen mal gnädig sein. Immerhin gab’s keinen für den BESTEN FILM – dann wäre ich endgültig vom Glauben abgefallen und hätte ich ihn nur noch mehr boykottiert… 😉

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  1. Der Film funktioniert wahrscheinlich nur so richtig im Kino, zu Hause auf der heimischen Glotze wird dieses Spektakel nicht funktionieren, dafür fehlt einfach sehr viel an Substanz, als ob man sich ein Silvesterfeuerwerk am TV ansehen würde – das ist reinstes Eventkino. Habe ihn (für lau^^) im Kino sehen dürfen und er macht irgendwie nur gegen Ende Spaß, weil er da dann so richtig an Fahrt aufnimmt und er so over-the-top ist, dass man darüber nur noch entgeistert den Kopf schütteln und lachen kann. ^^

    Ansonsten ist es ein relativ sinnlerer und inhaltsloser Streifen, der total auf Macho getrimmt ist (Krach, Bumm, Bang-Verfolgungsjagden leicht bekleidete Dirnen) und Tempo, Tempo, Tempo und nochmals Tempo bietet. Nur wenn ein Film ständig auf so einem Niveau sich abspielt, dann wird es nicht nur auf Dauer anstrengend, sondern auch schnell nervig, vor allem wenn der Hauptdarsteller nur irgendwelches Gegrunze von sich gibt. Intelligente Dialoge oder Wortwitz sucht man hier vergebens.

    Alles in allem wie ein zu lang geratenes Rammstein Video und bin mit deiner Wertung völlig einverstanden. Der Film ist alles andere als gut, aber er kann bei entsprechendem Setting durchaus Spaß machen, kann … muss aber nicht. Es fehlt zudem wenigstens ein sympathischer Charakter, alles wirkt so möchtegern cool und unsympathisch. Verstehte nicht wie der Film (derzeit) auf imdb eine Wertung von 8,3/10 und Mad Max von 1979 nur eine 7/10. Gesehen und vergessen.

    PS: Der Bösewicht im Film ist auch der Bösewicht aus dem 1. Originalstreifen. 🙂

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  2. Den wollte ich mir unbedingt im Kino ansehen, kam aber aufgrund eines längeren Auslandsaufenthaltes nicht dazu. Läuft nun nicht mehr, werde also auf die Blaustrahl-Scheibe warten.

    Wurde ja recht überschwänglich gelobt von vielen Kritikern, deinen Review werde ich erst durchlesen, wenn ich mir selbst ein Bild gemacht habe (5/10 läßt aber nichts Gutes ahnen). Nach dem Schund der letzten Jahre – da sticht dann wohl jeder halbwegs mittelmäßige Streifen hervor. Überhaupt: wie sie jetzt wieder ältere Filmreihen reanimieren, sogar von Ghostbusters soll ein neuer Teil folgen. Evil Dead, Indiana Jones, Jurrasic Park, Star Wars…Tote sollte man vlt einfach ruhen lassen. An die Originale kommt eh nichts ran. Hollywood und die Kreativität, auch so eine Geschichte. Oder ich werde einfach alt.

    Wenn ich den verrückten Max in der Wutstraße gesehen habe aktuallisiere ich hier mal und gebe noch ein wenig (meinen) Senf dazu.

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    1. Sehe ich auch so… ich erinnere mich aktuell jedenfalls an kein wie auch immer geartetes Reboot, welches mich mehr überzeugt hätte als die entsprechenden Originale. Wobei es ja nicht einmal ein Reboot sein muss, sondern schlicht ein weiteres an den Haaren herbeigezogenes Sequel – wie nun aktuell auch bei TERMINATOR.

      Bei MAD MAX habe ich eigentlich auch gar nichts anderes erwartet als eine pure Mittelmäßigkeit. Dennoch würde es mich sehr interessieren was Du von ihm hältst. Denn wie gesagt, die Wertungen fielen durchweg positiv aus… schaun wir mal, meld dich dann 🙂

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