Filmkritik: „Push“ (2009)

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Originaltitel: Push
Regie: Paul McGuigan
Mit: Dakota Fanning, Camilla Belle, Chris Evans u.a.
Land: USA
Laufzeit: ca. 111 Minuten
FSK: ab 16 freigegeben
Genre: Action, Thriller, Sci-Fi
Tags: Experimente | Fähigkeiten | Telekinese | Übernatürlich

Von der Last des Andersseins.

Kurzinhalt: Den charismatische Nick (Chris Evans) plagt eine schlimme Erinnerung – als Kind hatte er mit ansehen müssen, wie sein Vater aus ihm lange unersichtlichen Gründen umgebracht wird. Heute lebt er eher zurückgezogen in Hongkong, doch kann sich offenbar dennoch nicht vollständig von der Vergangenheit distanzieren: die sogenannte Division hat ihn nach wie vor auf dem Schirm. hier handelt es sich um eine Organisation, die Menschen mit außergewöhnlichen Fähigkeiten beobachtet und einstweilen auch jagt und gefangennimmt – wie damals schon Nick’s Vater. Auch Nick verfügt über die Gabe der Telekinese, zumindest ansatzweise – wird nach einer Art Kontrollbesuch der Organisation aber vorerst in Ruhe gelassen. Bis plötzlich ein junges Mädchen namens Cassie (Dakota Fanning) vor seiner Tür steht und ihn auf einen möglichen Coup aufmerksam macht. Eine kleine Finanzspritze könnte der von Schulden geplagte Nick tatsächlich vertragen… doch es scheint, als würde hinter dem Vorschlag des mysteriösen Mädchens welches sich alsbald als Hellseherin herausstellt; noch viel mehr stecken.

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Kritik: Achtung, Spoiler ! PUSH ist einer jener Film-Kandidaten, die auf den ersten Blick durchaus vielversprechend erscheinen. Generell als etwas anderer Superhelden-Film aufgemacht, distanziert er sich vom üblichen Prinzip eines einzelnen Übermenschen – und rückt gleich mehrere Bürger mit speziellen Fähigkeiten (wie etwa Telekinese oder Gedankenkontrolle) in den Fokus. Aufgrund ihrer Fähigkeiten fühlen sie sich als ausgestoßene, werden sogar gejagt – und entweder eingesperrt oder für weiterführende Experimente missbraucht; wobei ominöse Hintermänner das Ziel haben die Fähigkeiten noch weiter zu intensivieren. So zumindest lautet die (nicht ganz neue) Theorie – eine, die nicht nur reichlich Interesse weckt; sondern auch Hoffnung. Hoffnung in Bezug auf die Ambitionen der Macher, die es im besten Fall darauf abgesehen hatten endlich einmal wieder einen eher unkonventionellen, außergewöhnlichen Film auf die Beine zu stellen.

Die Ernüchterung folgt jedoch alsbald – und nicht erst anhand der Besetzungsliste; von der man aufgrund der Mitwirkung der hier 15-jährigen Dakota Fanning zunächst nicht so Recht weiß, was man von ihr halten soll. Doch etwaige (Ex-)Kinderstars und größere Sternchen hin oder her, die Probleme liegen wenn überhaupt nur zweitrangig in den Leistungen der Darsteller begründet. PUSH hält sich schließlich gar nicht erst weiter mit seiner grundsätzlich spannenden Prämisse auf, sondern präsentiert stattdessen einen wilden Genre-Mix mit noch bunteren (aber keineswegs intensiver gezeichneten) Figuren. Ein wenig Teenie-Abenteuer hier, eine kleine Love-Story dort, garniert von einigen eher spärlich inszenierten Action-Szenen und dem omnipräsent-oberflächlichen Gehabe um die Charaktere und deren Fähigkeiten – schnell schleicht sich das Gefühl ein, als wollte man es mit PUSH möglichst jedem Recht machen. Das einerseits – während man den Film andererseits mit einer möglichst kunstvollen, eine gewisse Bedeutung suggerierenden Optik versah. Dass dieser Schuss nach hinten losgehen sollte, ist dann auch kein allzu großes Wunder.

Das Problem: PUSH will ein durch und durch ernstgemeinter Actioner mit dezent übernatürlichen Ansätzen sein; am ehesten als ein deutlich weniger Comic-affines Pendant zu den X-Men. Doch wie schon bei gnadenlosen Fehlschlägen a’la JUMPER droht auch PUSH in die Ecke der zu vernachlässigenden Filme zu rutschen – was jedoch nicht zwingend an seiner Thematik liegt, sondern an der konfusen inhaltlichen Gestaltung und der Ausrichtung des Films hin zu einem bestimmten, offensichtlich jüngeren Zielpublikum. So wird – rein inhaltlich – erst gar keine Zeit damit verbracht näher auf die Charaktere, die besondere Situation oder allerlei Zwischenfälle einzugehen. Allein das Auftauchen der beiden weiblichen Hauptfiguren ist bezeichnend, und stellt jede normalerweise anzuwendenden Dramaturgie-Leitfäden auf den Kopf. In PUSH können sich die Macher nicht einmal mehr auf den Faktor des mysteriösen; des Überraschungseffektes einer plötzlich auftretenden Figur berufen – vieles wirkt hier einfach nur gnadenlos lächerlich und an den Haaren herbeigezogen. Anders gesagt: man macht es sich verdammt einfach, alles auf einen größeren übernatürlichen Zusammenhang (der aus den jeweiligen Kräften der Charaktere entsteht) zu schieben – erklären muss man so nichts, und sich auch nicht weiter mit etwaigen Motivationen beschäftigen. Dies führt letztendlich auch zum größten Knackpunkt des Films: PUSH wirkt über weite Strecken einfach nur wirr, zusammenhanglos und vor allem unnötig aufgeblasen.

Derart aufgeblasen, dass man sich nicht des Gefühls erwehren kann als wollten die Macher von der eigentlichen Story ablenken – die man, ganz nüchtern betrachtet; nicht unbedingt als kreative Glanzleistung bezeichnen kann. Letztendlich geht es eben doch nur um einen bestimmten Gegenstand, hinter dem zwei Fraktionen her sind – was so gut wie alle anderen Faktoren (wie reagiert die allgemeine Menschheit auf Menschen mit derartigen Fähigkeiten, wer ist eingeweiht und wer nicht) obsolet macht. Anders gesagt: es geht nicht um die Bürger mit besonderen Fähigkeiten, deren Gegner, Befürworter oder gezielte Manipulationen – sondern schlicht um eine Spritze, die keinesfalls in falsche Hände geraten darf. Nicht nur, dass dieses als Highlight des Films postulierte Element wenig nachvollziehbar erscheint; analog zum simplen Aufbau frei nach dem guten alten Prinzip des guten gegen das böse gestaltet sich auch die finale Auflösung recht einfach: sobald eine der beiden Fraktionen ausgeschaltet wurde, sind alle Probleme gelöst und keinerlei Fragen mehr zu stellen. Dass hier beide Fraktionen nur aus Stellvertretern eines weitaus größeren bestehen, scheint die Macher ebenfalls nicht weiter interessiert zu haben – wodurch PUSH nur noch lächerlicher und oberflächlicher wirkt.

So funktioniert PUSH am ehesten als kurzweiliges Porträt einer kleinen Gruppe, deren Zusammenhalt nicht wirklich begründet wird; sondern aufgrund der regelrechten Schicksals-Gemeinschaft automatisch entsteht. Merkwürdig erscheint nur, dass man trotz des eingeschränkten Blickwinkels dennoch kein Gefühl für die halbgaren Charaktere entwickeln kann – und man sich demnach kaum für deren Schicksal interessieren wird. Dieses Gefühl wird dann wohl nur noch von der Gegenseite, dass heißt den zwielichtigen Gegnern der Befähigten (die allesamt selbst über entsprechende Fähigkeiten verfügen und sich so gesehen gegen ihre eigenen Leute stellen) übertrumpft: ein zielloseres, formelhafteres und schlicht unglaubwürdigeres Porträt wird man so schnell nicht in einem vergleichbaren Film finden; sofern man den in vielerlei Hinsicht sogar noch schwächeren JUMPER einmal dezent ausklammert.

Fazit: So kann man es natürlich auch machen. PUSH zeigt wie zuvor schon JUMPER auf, was passieren kann wenn man plant einen Film über Menschen mit übernatürlichen Kräften zu drehen – einen, der nicht in den Gefilden der zahlreichen Comic-Verfilmungen oder der altbekannten Superhelden-Franchises anzusiedeln ist. Kratzt man die Deckschicht der eine gewisse Kunst suggerierenden optischen Deckschicht ab und klammert die unnötigen Verstrickungen durch die angewandten Fähigkeiten (vor allem die der hellseherischen Gabe) aus, gibt es inhaltlich eben doch nichts – und schon gar nichts neues – zu holen. Darstellerisch wird bestenfalls Standard-Kost geboten, und ausgerechnet hinsichtlich der Action-Szenen (mit denen man manches noch hätte kaschieren können) präsentiert sich PUSH ebenfalls verdächtig ernüchternd. Gravierender ist indes, dass sich der hier anberaumte Ernst ins absolute Gegenteil verkehrt – und man sich größtenteils einer unfreiwilligen Lächerlichkeit preisgibt.

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„Bestenfalls könnten einige Szenen der in PUSH angewandten Fähigkeiten im Gedächtnis bleiben – der Rest; und ganz besonders der Story-Kontext ist dagegen komplett zu vernachlässigen.“

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