CD-Review: PROZZÄK – Cruel Cruel World (2005)

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Das Cover der ersten, ursprünglichen Pressung
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Das Cover der zweiten, später veröffentlichten Edition

Alben-Titel: Cruel Cruel World
Künstler / Band: Prozzäk (mehr)
Veröffentlichungsdatum: 29. November 2005
Land: Kanada
Stil / Genre: Pop
Label: MapleMusic Recordings

Alben-Lineup:

Jason Levine – Vocals
James McCollum – Vocals

Track-Liste:

1. When I Think Of You
2. Tricky
3. How Beautiful
4. Just Friends
5. Starting Over
6. Don’t Love Me That Way
7. Sweeping Romance
8. Clothes We Wear
9. It’s Not So Bad
10. If You’re Ready
11. Cruel Cruel World
12. I Want To Be Loved

Ein gewaltiger Schritt nach vorn ?

Mit ihrem dritten Langspieler CRUEL CRUEL WORLD dürften das kanadische Popmusik-Duo PROZZÄK so manchen Fan verschreckt haben. Schließlich handelt es sich um das erste deutlich ernstere und eventuell sogar düsterere Album der beiden sonst nicht nur in ihrer Comicform reichlich bunt auftretenden Musiker – das Debütalbum HOT SHOW (Review) und der Nachfolger SATURDAY PEOPLE (Review) waren noch am ehesten als gute-Laune-Partyalben mit vielen verschiedenen Einflüssen zu bezeichnen. Doch nun waren PROZZÄK erwachsener geworden – und damit auch das Konzept respektive die lyrisch verarbeiteten Themen. Interessant ist, dass das eigentliche Cover des Albums später ausgetauscht wurde – offenbar ging die optische Veränderung der beiden beliebten Charaktere Simon und Milo doch etwas zu weit, und man wollte den Wiedererkennungseffekt nicht verlieren. Ein neues Musikvideo zu WHEN I THINK OF YOU hat man indes nicht produziert – sodass dieses noch mit den ursprünglich geplanten, nicht mehr ganz so kindlichen Zeichnungen daherkommt.

Die vom Album etablierte Gesamtwirkung ist nun eine merklich andere – die allgemein lockere Party-Stimmung; die oftmals ironischen Textinhalte sind einer wesentlich getrageneren, melancholischeren Stimmung gewichen. Und auch wenn diese kaum noch mit den alten PROZZÄK zu vergleichen sind, lässt sich das Album hören – als noch immer recht eigenwilliges Pop-Album mit einem dezent rockigeren Touch. Schade ist nur, dass die Instrumentalparts neben der noch immer enorm eigensinnigen Frontstimme von Jay Levine etwas an Kraft und auch Gewicht verloren haben – viele der auf den ersten beiden Alben verwendeten Soundelemente kommen nicht mehr vor, das Ganze wurde gefühlt etwas an gängige Strömungen der Pop-, Rock- und sicher auch Indie-Musik angeglichen. Im Zusammenhang mit den nun oftmals wesentlich getrageneren, stellenweise langatmigen Gangarten der vergleichsweise minimalistischen Titel kann so tatsächlich ein gewisser Leerlauf entstehen. Trotz der anberaumten Emotionalität und der Schwere der Lyrics.

Das Problem des Albums lässt sich also an zwei markanten Eckpunkten festmachen: zum einen fehlt die für PROZZÄK bis dahin typische gute Laune und der tanzbare Einfluss (was noch kein Beinbruch, sondern eher eine Gewöhnungssache ist), und zum anderen die unverwechselbare Ausstattung der einzelnen Titel. Die haben nun deutlich hinsichtlich ihres Wiedererkennungswertes verloren – nur noch Leadsänger Jay Levine hinterlässt einen bleibenden Eindruck. Doch auch hier gilt: es war wesentlich angenehmer, ihn mit etwas mehr Kraft singen und einem bestenfalls lamentierenden Unterton zu erleben – als vollständig niedergeschlagen. Doch es ist eben so, wie es der Albentitel impliziert… die Welt kann grausam sein; und genau das wird auch vermittelt. Immerhin gibt es hie und da doch noch ein paar Lichtblicke – was sowohl auf die etablierte Stimmung, als auch die musikalische Ausstattung zu beziehen ist. TRICKY beispielsweise hat trotz des eher lamentierenden Gesangsparts eine recht peppige Wirkung; wie auch WHEN I THINK OF YOU oder das Instrumental kräftige JUST FRIENDS.

Dazwischen finden sich dann immer wieder alles andere als schlechte, aber eben doch gewöhnungsbedürftige Nummern – wie etwa HOW BEAUTIFUL, das so klingt als wäre es von einer ganz anderen Band. SWEEPING ROMANCE und IT’S NOT SO BAD sind dann sogar echte Durchhänger – während auch einige andere Titel eher so klingen, als wären sie für eine wie auch immer geartete Hintergrund-Instrumentierung geeignet, und nicht für den fokussierten Musikgenuss. Immerhin, der Rausschmeißer I WANT TO BE LOVED kann dann tatsächlich noch einmal eine große Portion Emotionalität auffahren.

Fazit: Vorsicht – wer einen ähnlichen Garant für Spaß, gute Laune und Spielfreude erwartet wie mit den beiden Vorgängern, der könnte von CRUEL CRUEL WORLD enttäuscht werden. Wer etwaigen Entwicklungen der Band dagegen aufgeschlossen ist, und auch einmal die wesentlich ernstere, in jeder Hinsicht erwachsenere Seite von Simon und Milo kennenlernen will, der muss auch hier zugreifen. Aufgrund des insgesamt weniger einzigartigen und spektakulären Gesamteindrucks, der einstweilen arg minimalistischen Instrumentalstrukuren und der weniger variablen Atmosphäre muss es in diesem Fall aber weniger Punkte geben als für die Vorgänger.

Absolute Anspieltipps: WHEN I THINK OF YOU, TRICKY, I WANT TO BE LOVED


70button

„Nach einer markanten Eingewöhnungszeit beginnt auch dieses Album zu wirken – aber nicht mehr so intensiv wie die Vorgänger.“

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