CD-Review: PROZZÄK – Saturday People (2000)

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Alben-Titel: Saturday People
Künstler / Band: Prozzäk (mehr)
Veröffentlichungsdatum: November 2000
Land: Kanada
Stil / Genre: Pop
Label: Sony Music

Alben-Lineup:

Jason Levine – Vocals
James McCollum – Vocals

Track-Liste:

01. Saturday People Story (1:28)
02. Pretty Girls (2:55)
03. w*w.nevergetoveryou (3:29)
04. Be As (3:36)
05. It’s Not Me It’s You (2:46)
06. Infatuation (3:40)
07. Saturday People (4:06)
08. Feed the Night (3:16)
09. Usted Es Muy Loco (3:10)
10. Introduction to a Broken Heart (4:23)
11. Monday Morning (3:07)
12. Lonely American Nights (4:11)

Ein Konzept in Perfektion ?

Nachdem das kanadische Erfolgsduo PROZZÄK mit dem Debütalbum HOT SHOW (Review) für reichlich Furore gesorgt hat, erschien bereits gute 2 Jahre später das Nachfolge-Album SATURDAY PEOPLE. Dieses setzte wie schon der Vorgänger auf das kultige Konzept um die beiden Comicfiguren Simon und Milo, die so manches Abenteuer erleben – und wie viele andere mit diversen Liebesproblemen zu kämpfen haben. Dieses Mal allerdings schienen die beiden Ausnahme-Künstler noch etwas zielstrebiger, noch etwas ambitionierter – mit einem entsprechenden Ergebnis. Obwohl das Album relativ eindeutig dem Genre der Popmusik zuzuordnen ist, es um große Fragen der Liebe geht und auch sonst vieles eher gegen das Album spricht – zumindest im Sinne eines solchen, dass die Schranken gängiger Massenware zu durchbrechen vermag – ist SATURDAY PEOPLE alles andere als ein typisches Genre-Album geworden. Damit ist folgerichtig auch von einem absoluten Geheimtipp für all jene zu sprechen, die gerne mal über den Tellerrand schauen und verschiedene Genres ausprobieren – selbst solche, die eher nicht ihrem eigentlichen Geschmack entsprechen.

Denn bereits das sanft eingesprochene Intro, und vor allem der markante Opener PRETTY GIRLS machen klar, was in etwa von einem Album wie diesem zu erwarten ist. In erster Linie folgendes: dass es weitaus flotter und vor allem Hit-verdächtiger zugeht als noch auf dem Vorgängeralbum. Seien es das auch heute noch relevante, sich mit einem vielen bekannten Internet- respektive Chatproblem auseinandersetzende WWW.NEVERGETOVERYOU oder die für mehr Akzeptanz plädierende, auch musikalisch einladende Hymne BE AS – die ersten drei Nummern des Albums hätten sich alle als Single geeignet, und 2 haben es im Endeffekt auch geschafft. Erst mit IT’S NOT ME IT’S YOU wird es deutlich ungewöhnlicher und experimenteller – was sowohl die Instrumentierung, die Textinhalte und vor allem den Gesang samt aus dem Hintergrund kreischender Frauenstimmen angeht. Jene Nummer gehört dann tatsächlich nicht zu den besten, zumal sie einen gewissen Nerv-Faktor entwickeln kann – doch mit INFATUATION wird es schnell wieder wesentlich besser. Hier werden sie wieder perfekt in Szene gesetzt, die für PROZZÄK typischen Soundelemente – mit einem teils stampfenden Drumming, einem angenehmen Gitarrensound und einer etablierten Atmosphäre die nur schwer einzuordnen ist; aber in jedem Fall reichlich Spaß macht.

Auch der Titeltrack SATURDAY PEOPLE braucht sich wahrlich nicht zu verstecken, legt er eine ganz ähnlich flotte Marschrichtung vor wie schon PRETTY GIRLS. Doch die spezielle Rhythmik und die eher minimalistisch gehaltenen Strophen hin zum vollmundigen Refrain lassen auch hier keinerlei Verwechslungsgefahr entstehen. Deutlich komödiantischer respektive verrückter wird es dann mit FEED THE NIGHT, einem etwas merkwürdig anmutendem Elektro-Pop-Titel mit einer eher gesprochen als gesungenen Performance von Milo. Eine ganz ähnliche, musikalisch weniger wertvolle Nummer gab es schon auf dem Vorgängeralbum – und auch wenn sie alleinstehend kaum funktionieren oder gar ein gewisses Fremdschämen auslösen würde, passt sie auch dieses Mal perfekt ins Konzept. Musikalisch deutlich angenehmer ist die zweite der im wahrsten Sinne des Wortes eher verrückten Nummern, USTED ES MUY LOCO – einem Titel über etwaige Sprachverwirrungen und das berühmte spanische Feuer. Hier ist der Spaßfaktor schlicht enorm, der südländische Einfluss in der Musik passgenau interpretiert. Zum Ende gibt es dann noch die wieder etwas ernsteren Nummern INTRODUCTION TO A BROKEN HEART und das emotional hochkarätige MONDAY MORNING serviert; bevor LONELY AMERICAN NIGHTS das kunterbunte Album endgültig – und hoch qualitativ – abschließt.

Fazit: Mit SATURDAY PEOPLE haben PROZZÄK respektive Simon und Milo den Vogel endgültig abgeschossen. Während der Vorgänger bereits einige eher kühne Ideen präsentierte und ein überraschender Garant für gute Laune war, toppt das zweite Album noch einmal alle bisherigen Ansätze – und vollendet so gesehen das ungewöhnliche Konzept der Band. Das ganze ist noch etwas schmackiger und aussagekräftiger geworden, sowohl der Leadgesang als auch das Isntrumentenspiel sind auf dem absoluten Höhepunkt. Auch Abwechslung gibt es reichlich, sodass man grundsätzlich keine Skip-Kandidaten finden wird – mit Ausnahme der doch etwas zu abgedrehten und dezent nervigen Titel ITS NOT ME ITS YOU und FEED THE NIGHT. Die Produktion jedenfalls lässt nun auch keine Wünsche mehr offen; die Mixtur aus verschiedenen Eindrücken (in etwa: von einer launigen Spaß-Combo a’la AQUA über die Attitüden einer etwas anderen Boyband bis hin zu rockigen Eindrücken mit schwergewichtigen Theman a’la JOURNEY ist alles vertreten) ist bemerkenswert und wirkt zu keinem Zeitpunkt gezwungen. Das ganze läuft noch immer unter dem Oberbegriff der Popmusik – doch ist die Musik von PROZZÄK andersartig und erfrischend genug, um deutlich aus der Masse hervorzustechen.

Absolute Anspieltipps: PRETTY GIRLS, BE AS, INFATUATION, SATURDAY PEOPLE, MONDAY MORNING


95button

„Das bis heute beste PROZZÄK-Album – und ein Muss für alle, die glauben das Genre der Popmusik hätte nichts zu bieten.“

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