CD-Review: PROZZÄK – Hot Show (1998)

prozzak-hot-show_500

Alben-Titel: Hot Show
Künstler / Band: Prozzäk (mehr)
Veröffentlichungsdatum: 02. November 1998
Land: Kanada
Stil / Genre: Pop
Label: Sony Music

Alben-Lineup:

Jason Levine – Vocals, Strings, String Arrangements
James McCollum – Strings, String Arrangements
Stephan Moccio – Piano, Keyboards

Track-Liste:

01. Intro (0:08)
02. Europa (3:30)
03. Strange Disease (3:26)
04. Omobolasire (3:41)
05. Shag Tag (You’re It!) (3:59)
06. Hot Show (4:08)
07. Mediterranean Lady (4:05)
08. Wild Thing-Poor Boy (Medley) (2:49)
09. Sucks to Be You (3:21)
10. New York (4:07)
11. I Like To Watch (Milo’s Night Out) (3:01)
12. Tsunami (3:46)
13. Sleep With Myself (3:55)
14. Anna-Lisa (3:56)
15. Simon’s Final Thought (1:15)

Ein etwas anderer Ausflug in die Popmusik.

HOT SHOW ist das Debütalbum der kanadischen Pop-Gruppe PROZZÄK, die speziell durch ihre Comic-Figuren Simon und Milo für Aufsehen gesorgt haben. Die dienten schließlich nicht nur als optisches Gimmick auf den Alben-Covern oder in den bunten Musikvideos, sondern begründeten vielmehr das eigentliche Konzept der Band. Dabei spielten die Mitglieder Jay Levine (Simon) und James Bryan McCollum (Milo) quasi sich selbst – und das mit einem einschlagenden Erfolg. So haben zwei der auf dem vorliegenden Debütalbum enthaltenen Titel (SUCKS TO BE YOU und STRANGE DISEASE) einen Platin-Status; und auch sonst ist das Album recht bekannt. Schade ist nur, dass nach dem letztaktuellen Album CRUEL CRUEL WORLD von 2005 nur wenig von der ungewöhnlichen Combo zu hören war. Fakt ist, dass Jay Levine (Simon) und James Bryan McCollum (Milo) auch heute noch eine Fangemeinde haben – und das liegt zu großen Teilen auch an der Musik.

Denn die macht vor allem eines: reichlich Laune. Eben so, wie es der Bandname selbst auch ironisch impliziert – Prozac ist schließlich eines der bekanntesten und öftesten verabreichten Antidepressiva in den USA. Und tatsächlich fühlt man sich schnell wohl in der musikalischen Welt von HOT SHOW. Schließlich ist die nicht nur recht bunt  – sondern auch erfrischend andersartig; trotz des übergeordneten Status der Band als reines Pop-Duo. Ein Duo, welches theoretisch enorm breite Massen ansprechen könnte (und dies auch teilweise tat), und dennoch über eine unverwechselbare Identität verfügte. Einerseits aufgrund der bereits erwähnten, etwas andersartigen Interpretation einer gute-Laune-Popmusik mit zahlreichen gesellschaftlichen Seitenhieben; und zum anderen natürlich aufgrund des Konzeptes mit den beiden Comicfiguren Simon und Milo. Die erleben auf HOT SHOW so manches Abenteuer, wobei es vornehmlich um die Liebe geht – mit dem einen (Simon) als eher zurückhaltenden, dem anderen (Milo) als seinem besten Freund stets treu zur Seite stehenden Part.

Und obwohl das Konzept nicht bahnbrechend erscheint und es wieder einmal um die gute alte Liebe geht – ist das, was die beiden Künstler hier auf die Beine gestellt haben; durchaus bemerkenswert. Neben der absoluten Unverwechselbarkeit des Konzepts, der Musik und vor allem der dezent nasalen Frontstimme von Jay Levine gibt es schließlich einiges zu entdecken – und das sind in erster Linie 15 Titel, die abwechslungsreicher nicht hätten ausfallen können. Größtenteils geht es eher gut gelaunt ans Werk – wie im Opener EUROPA, dem fetzigen STRANGE DISEASE, dem tanzbaren OMOBOLASIRE oder dem schmachtenden MEDITERRANEAN LADY. Andere Nummern sind wiederum vergleichsweise minimalistisch gehalten und von ihrer etablierten Stimmung kaum einzuordnen – wie etwa SHAG TAG, das melancholische NEW YORK oder die Ballade ANNA-LISA. Absolut kurios wird es, wenn man den ohnehin schon reichlich enthaltenen komödiantisch-ironischen Untertönen noch mehr Raum gibt – wie etwa in I LIKE TO WATCH. Das ist dann musikalisch schon nicht mehr so wertvoll, aber immerhin passt auch das zum Konzept.

Doch am besten funktioniert es, wenn PROZZÄK aus dem Vollen schöpfen – und Titel mit einer flotten Grund-Instrumentierung und dem außergewöhnlichen Leadgesang irgendwo zwischen einer gewissen Melancholie, Ironie und einer großen Portion Spaß ausstatten. Das rhythmische SUCKS TO BE YOU und der Ausnahme-Titel TSUNAMI (der gewisse J-Pop-Einflüsse erkennen lässt) stehen hier stellvertretend für die Extravaganz und Verspieltheit der Band. Dennoch hat man das Gefühl, als wäre insgesamt noch etwas mehr drin gewesen – eventuell in Form einiger markanterer Momente oder über etwas kraftvollere, kantigere Instrumentalstrukturen.

Fazit: Simon und Milo respektive PROZZÄK waren Kult – und sind es auch heute noch. Und das zu Recht: HOT SHOW macht von vorne bis hinten einen Heidenspaß, und vermag es als etwas anderes Pop-Album verdammt gut zu unterhalten. Die Melodien gehen schnell ins Ohr, Überraschungen gibt es reichlich – und der Leadgesang ist einzigartig und passt zum Konzept; auch wenn man sich zunächst an ihn gewöhnen muss.

Absolute Anspieltipps: STRANGE DISEASE, SUCKS TO BE YOU, NEW YORK, TSUNAMI


80button

„Eines jener Pop-Alben, welches sich allemal zu entdecken lohnt.“

Advertisements

Über Kommentare Freut Sich Jeder.

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s