Metal-CD-Review: HELLOWEEN – My God-Given Right (2015)

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Alben-Titel: My God-Given Right
Künstler / Band: Helloween (mehr)
Veröffentlichungsdatum: 29. Mai 2015
Land: Deutschland
Stil / Genre: Power Metal
Label: Nuclear Blast Records

Alben-Lineup:

Markus Grosskopf – Bass
Dani Löble – Drums
Sascha Gerstner – Guitars
Andi Deris – Vocals
Michael Weikath – Guitars

Track-Liste:

1. Heroes (03:51)
2. Battle’s Won (04:53)
3. My God-Given Right (03:30)
4. Stay Crazy (04:05)
5. Lost in America (03:35)
6. Russian Roulé (03:53)
7. The Swing of a Fallen World (04:53)
8. Like Everybody Else (04:04)
9. Creatures in Heaven (06:36)
10. If God Loves Rock ’n‘ Roll (03:21)
11. Living on the Edge (05:19)
12. Claws (05:52)
13. You, Still of War (07:21)

Alle Jahre wieder…

Manche Bands sind einfach nicht kleinzukriegen – egal wie lange sie schon im Geschäft sind. Die deutschen Power Metaller von HELLOWEEN jedenfalls blicken auf eine lange Historie zurück – und haben auch im Jahre 2015 noch nichts von ihrer Schlagkraft verloren. Auch wenn sie längst nicht mehr als Wegbereiter des Genres unterwegs sind, so begeistern sie als eine der wenigen konstanten Genre-Größen nach wie vor die Massen. Dabei erscheint es zusätzlich angenehm, dass zumindest zwei der einstigen Gründungsmitglieder auch heute noch mit von der Partie sind – Markus Grosskopf (Bass) und Michael Weikath (Gitarre) halten der Band schon seit über 30 Jahre die Treue. Leadsänger Andi Derris ist immerhin schon seit 1994 dabei, als dritter großer HELLOWEEN-Sänger nach Kai Hansen und Michael Kiske – nur Sascha Gerstner (Gitarre, seit 2002) und Dani Löble (Schlagzeug, seit 2005) müssen noch etwas durchhalten um zumindest das 20-jährige Jubiläum feiern zu können.

Das neue HELLOWEEN-Album MY GOD-GIVEN RIGHT kommt dabei ähnlich überraschend daher wie sein Vorgänger STRAIGHT OUT OF HELL (2013, Review). Wobei das eventuell das falsche Wort ist, schließlich veröffentlichen HELLOWEEN schon seit Jahrzehnten Alben in einem halbwegs kontinuierlichen Rhythmus. Doch irgendwie ist man immer wieder aufs neue gespannt, welchen Weg die deutschen Genre-Urgesteine nun einschlagen würden. Im Falle des neuen Albums fällt die Beurteilung vergleichsweise leicht: HELLOWEEN sind sich selbst und ihrer Musik absolut treu geblieben. Das bedeutet in erster Linie, dass das neue Album eine echte Spaßgranate geworden ist – im positiven Sinne. An allen Ecken und Enden finden sich crunchy Riffs, eingängige Refrains, flotte Rhythmen und Soli; und auch ein gewisses Augenzwinkern ist zu bemerken – sodass sich HELLOWEEN auch nach wie vor alles andere als tiefgründige Lyrics leisten können. Man sieht, dass guter Power Metal nicht zwangsläufig anspruchsvoll sein muss – zumindest was die besungenen Inhalte angeht. Erst Recht nicht, wenn der Rest so knackig, versiert und schlicht so stilecht dargeboten wird wie auf diesem Album. Wer also auf der Suche nach ist nach einem guten Weg, allerlei graue Wolken zu vertreiben; der darf bei MY GOD-GIVEN RIGHT bedenkenlos zuschlagen. Schließlich schöpft man ab der ersten Minute aus dem Vollen: seien es HEROES, BATTLE’S WON oder der Titeltrack MY GOD-GIVEN RIGHT – das flotte Tempo macht Laune, und die an den Tag gelegte Spielfreude überträgt sich direkt auf den Hörer.

Das einzige, was man dem Album vorwerfen könnte wäre; dass es hie und da ein wenig zu sehr auf Nummer sicher geht. Das bedeutet; dass sich HELLOWEEN hier wahrlich nicht neu erfinden und Kenner der gesamten Diskografie die ein oder andere Parallele entdecken werden. Doch wen das nicht stört; oder wer es vielleicht genau so will – der bekommt hier eben kein Überraschungspaket, sondern genau das was man von einer Band wie HELLOWEEN erwarten würde. Neben dem starken Riffing, dem überzeugenden Leadgesang (der auch mal etwas aggressiver sein kann, wie im ohnehin interessanten THE SWING OF A FALLEN WORLD) überzeugt vor allem auch das Schlagzeugspiel, und damit verbunden auch die gesamte Produktion. Das Album klingt schön druckvoll, alle Elemente sind perfekt aufeinander abgestimmt. Verständlich wäre es dagegen, wenn einige eher wenig mit den einstweilen auch mal etwas poppig anmutenden Klangveredlungen (wie in Bezug auf einige Keyboard-Elemente oder Backgroundgesänge) anfangen können. Das Album wird so – und natürlich durch die zahlreichen Mitsing-Refrains – so eingängig, dass es fast schon zuviel des Guten ist. Wer dagegen nicht immer auf ’seine‘ Hymne des Albums warten will, für den ist das Album ein gefundenes Fressen – hier reiht sich die eine an die andere.

Bleibt die Frage, ob es auf einem Album wie diesem überhaupt Lückenfüller gibt – eine Frage, die man grundsätzlich mit nein beantworten sollte. Dennoch sind einige Wackelkandidaten dabei; wie etwa die quasi-Ballade LIKE EVERYBODY ELSE (trotz einer gewissen Emotionalität), das vor allem gesanglich gewöhnungsbedürftige LIVING OF THE EDGE (trotz starker Riffs) oder das sperrige YOU, STILL OF WAR. Das wissen Wahnsinns-Tracks wie CREATURES IN HEAVEN aber schnell auszugleichen. Auch wenn HELLOWEEN hier eher typisch vorgehen; wünscht man sich in solchen Momenten nichts anderes. Das gilt wohl auch für CLAWS – eine etwas härtere, schroffere Nummer mit ordentlich Bumms. Hiervon hätten es dann sogar gern noch etwas mehr sein dürfen. Übrigens: wem die so schon recht umfangreichen 13 Titel noch nicht genug sind, kann auf die alternativen Releases des Albums zurückgreifen. Die Edition für den japanischen Markt (die auch Grundlage für dieses Review hier ist) beinhaltet noch die Bonustracks I WISH I WERE THERE, WICKED GAME und FREE WORLD. Und die sind alle drei nicht zu verachten – auch wenn sie abermals nicht die gedachten Schranken des übertrieben-fluffigen Euro-Power-Metals der Kult-Marke HELLOWEEN durchbrechen.

Handwerklich ist MY GOD-GIVEN RIGHT ohnehin über alle Zweifel erhaben – und damit genau das richtige für alle, die von der klassischen europäischen Spielart des Power Metal niemals genug bekommen können. Über die Band, die Texte oder das Konzept des Albums kann man denken was man will – Fakt ist, dass sich HELLOWEEN auch mit diesem Album nicht die Blöße geben. Es ist nicht sensationell oder allzu außergewöhnlich – dafür aber ein Garant für viele unterhaltsame Power Metal-Minuten. Vielleicht sogar etwas zu viele – eventuell hätte man zwei oder drei Nummern weglassen und die jeweils guten Ansätze in den anderen 9 oder 10 Nummern verwursten sollen. Denn eines ist klar: nach den 16 Tracks der japanischen Edition (kein Intro, keine Interludes, kein Outro) hat man sie definitiv: die absolute Kürbiskopf-Überdosis.

Absolute Anspieltipps: BATTLE’S WON, STAY CRAZY, CREATURES IN HEAVEN, CLAWS


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„Wer seinen Power Metal schön fluffig mag, kommt um dieses Release nicht herum. Auch wenn es gerade die etwas härteren Momente sind, die ein stückweit mehr überzeugen.“

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