TV-Kritik / Serien-Review: GAME OF THRONES (Staffel 5)

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Originaltitel: Game Of Thrones
Typ: TV-Serie
Umfang / Laufzeit: 10 Folgen (je ca. 53-62 Minuten)
Land: USA
Idee: David Benioff, D. B. Weiss
Genre: Abenteuer / Fantasy / Drama
Tags: GoT | Staffel 5 | Fünfte Staffel | Fortsetzung | HBO | George R. R. Martin

Die Liste der 10 Episoden (deutsche und englische Titel):

01 Die Kriege, Die Da Kommen The Wars To Come
02 Das Haus Von Schwarz Und Weiß The House Of Black And White
03 Der Hohe Spatz High Sparrow
04 Die Söhne Der Harpyie Sons Of The Harpy
05 Töte Den Jungen Kill The Boy
06 Ungebeugt, Ungezähmt, Ungebrochen Unbowed, Unbent, Unbroken
07 Das Geschenk The Gift
08 Hartheim Hardhome
09 Der Tanz Der Drachen The Dance Of Dragons
10 Die Gnade Der Mutter Mother’s Mercy

Oh mächtige Khaleesi, errette uns…

Inhalt: In der Welt von GAME OF THRONES überschlagen sich wieder mal die Ereignisse. Während die junge Daenerys Targaryen versucht, die Kontrolle über ihre immer schwerer zu bändigen Drachen wiederzuerlangen; sind Tyrion Lannister und Lord Varys auf dem Weg zu ihr – um sie als mögliche neue Königin von Westeros zu unterstützen. Doch dafür müsste Daenerys erst einmal die Kontrolle über Meereen erlangen; eine Stadt, die ihr noch immer nicht gerade wohlgesonnen zu sein scheint. Auch Lord Peter Baelish und Sansa Stark sind unterwegs – allerdings aufgrund eines weit weniger freudigen Anlasses. Sansa soll in Sicherheit gebracht werden – doch ob die Bolton’s tatsächlich die richtige Adresse sind, wird sich zeigen. Ebenfalls sehr entschlussfreudig agiert Stannis Baratheon – der im Norden seine Truppen sammelt, sich mit den Wächtern der Mauer verbündet und gen Winterfell ziehen will; natürlich nicht ohne die Unterstützung der Feuerfrau. In Dorne dagegen hat die junge Prinzessin Myrcella ein neues Leben begonnen, und sich in Trystane Martell verliebt. Ausgerechnet zu diesem Zeitpunkt entsendet ihre Mutter Cercei Lannister ihren Bruder Jamie, um sie zu holen… ungewiss bleibt auch das Schicksal der jungen Arya Stark. Nachdem sie das Haus von Schwarz und weiß erreicht hat, lernt sie mehr über die Geschicke der Gesichtslosen… doch wirklich geheuer ist ihr all das nicht. Das gleiche gilt wohl auch für die aufstrebenden Gläubigen in Königsmund, die sich nun einiges herausnehmen und – sofern es um die Verletzung von Glaubensregeln gilt – sogar nicht vor Anhängern der königlichen Familie Halt machen…

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Wer weiß schon, wann der nächste Kampf beginnt… entsprechende Kulissen gibt es jedenfalls reichlich.

 Ja, TV-Serien können noch Spaß machen. Erst Recht, wenn man Woche für Woche auf eine neue GAME OF THRONES-Episode wartet – und sich jedes mal aufs neue dabei ertappt, mit einer fast schon kindlichen; in jedem Fall aber reichlich kribbelnden Vorfreude zur Fernbedienung zu greifen. Nur auf einen Wermutstropfen könnte man dabei gern verzichten, auch wenn er kein Bestandteil der eigentlichen Kritik ist: so lang die tatsächliche Wartezeit auf die fünfte Staffel des beliebten Franchise auch erschien – einmal begonnen, rauschten die stimmigen Bilder ferner Welten letztendlich wieder viel zu schnell über die Bildschirme ins heimische Wohnzimmer. Man verliert sich schließlich nur allzu gerne in den einerseits wunderbar fantastisch anmutenden, andererseits doch alles andere als weit hergeholten Fantasy-Welten von George R. R. Martin – der noch immer fleißig damit beschäftigt ist, die voraussichtlich letzten beiden Bände zu DAS LIED VON EIS UND FEUER fertigzustellen.

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Wie wird es Arya wohl bei den mysteriösen Gesichtslosen ergehen…

Während sich die weltweite Leser-Schar also noch weiter gedulden muss, könnte es für die Serien-Fans vergleichsweise zügig vorangehen – in wie weit, bleibt abzuwarten und ist abermals von George R. R. Martin abhängig. Fest steht nur, dass die TV-Adaption bereits mit der zweiten Staffel immer mal wieder den Pfad der Buchvorlagen verließ; und die Serie in Zukunft noch freier gestaltet werden könnte. Das scheint zumindest momentan noch in keinerlei Problemen zu münden: auch die fünfte Staffel ist als ganzheitlicher Erfolg zu bezeichnen; sowohl auf der Produktions-relevanten als auch der erzählerisch-inhaltlichen Ebene. Dieser mittlerweile locker als Phänomen durchgehende Umstand hat bekanntlich mehrere Gründe, von denen einige bereits in den vorangegangen Staffel-Rezensionen (Link) genannt wurden. Vor allem in Bezug auf die Produktion und die gesamte handwerkliche Gestaltung des Mammut-Projekts gibt es dabei nach wie vor nur eines zu vermelden: GAME OF THRONES hält die bereits mit der ersten Staffel etablierte Qualität – und glänzt mit pompösen (aber eben auch inhaltlich untermauerten) Bildern, einem stets passigen und nicht zu aufdringlichen Soundtrack, durchweg grandiosen darstellerischen Leistungen und einem investierten Aufwand; der bis ins kleinste Detail bemerkenswert erscheint.

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Natürlich gibt es im Game Of Thrones-Universum nicht nur Sympathie-Bolzen…

Vor allen diese Faktoren führen dazu, dass man sich schnell zuhause fühlt in den Welten von GAME OF THRONES – und allein aufgrund der Szenerie und den interessanten Charakteren entsprechend mitfiebert. Hier handelt es sich um einen Umstand, auf dem sich die Produzenten durchaus ausruhen könnten – wobei es umso schöner ist zu sehen, dass ihnen das allein nicht ausreicht. So wird GAME OF THRONES zu einem beinahe ganzheitlichen Erlebnis, welches mit einem immensen Unterhaltungswert und der größtmöglichen Bandbreite von vermittelten Emotionen einhergeht. Die Serie ist eben so wie das Leben selbst – nur ein klein wenig spannender.

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Bleibt zu hoffen, dass Khaleesi ihre Drachen unter Kontrolle behält…

Und doch ist nicht alles Gold was glänzt – auch nicht in der fünften Staffel. Wie schon in den Staffeln zuvor wird es auch hier Momente geben, von denen man sich gewünscht hätte dass sie anders realisiert würden. Und das gilt nicht einmal für das weiterhin rasante Ableben von wichtigen Charakteren, über das man sich zwar wunderbar ärgern kann – doch gehört ein Spannungs-fördernder Aspekt wie dieser eben zu GAME OF THRONES dazu. Nein, vielmehr geht es um die doch recht häufigen Cliffhanger respektive Vertröstungen auf einen späteren Zeitpunkt – ein Problem, dass nur in der ersten Staffel noch nicht ganz so explizit offenbar wurde. Nun ist es allerdings wieder omnipräsent: sei es in Bezug auf die Weißen Wanderer (die zwar einige Szenen spendiert bekommen, aber eben nur wenig aussagekräftige), den weiteren Werdegang von Arya (eine richtige Entwicklung will sich hier nicht einstellen), die Geheimnisse der Feuerfrau, die Beziehung von Khaleesi zu ihren Drachen; oder aber das Schicksal des jungen Bran im hohen Norden. Kurios: ausgerechnet dieses in der letzten Staffel als Highlight postulierte Ereignis kommt in der fünften erst gar nicht vor. Gar nicht bedeutet: die entsprechenden Darsteller haben wohl frei bekommen, die Geschichten ihrer Charaktere werden nicht einmal in einem Nebensatz erwähnt. Überhaupt; und um noch einmal zu den Weißen Wanderern zu kommen (die wohl nicht zu Unrecht das Highlight einiger Zuschauer sind): dem Zuschauer wird stets das Gefühl vermittelt, als befänden sich die Armeen der Untoten noch in weiter Ferne. Dabei sind ihnen einige Charaktere bereits begegnet, und John ist dieses Mal in ein bereits besetztes Gebiet gereist… wie lange die Reise dauerte wird zwar nicht ersichtlich; doch langsam aber sicher sollte es doch zu einer entscheidenden Konfrontation kommen.

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Wer bekommt denn da nicht ein kleines bisschen Fernweh ?

Beinahe ebenso ärgerlich wie dieser Aspekt fällt dann wohl auch die finale Episode der fünften Staffel aus. So viel sei verraten: wer glaubt, dass die Geschichten um Stannis Baratheon ein; man nenne es würdiges Ende finden wird gnadenlos enttäuscht. Wieder einmal macht sich eines der großen, oder vielleicht sogar einzigen GAME OF THRONES-Probleme bemerkbar: man baut einzelne Geschichten ellenlang und über zahlreiche Episoden auf – nur um sie dann derart rigoros fallenzulassen. Erneut gilt: es geht nicht um das Ableben der Charaktere, dass man hinnehmen muss und sollte – aber um die einstweilen lieblos und ideenarme Darstellung eben jenes Prozesses. Die hie und da eingestreuten heftigeren Szenen verfehlen dagegen kaum ihren Zweck: auch in der fünften Staffel wird des öfteren brutal gemordet und gemeuchelt; allerdings gänzlich ohne sich am eigentlichen Akt der Gewalt zu ergötzen oder ihn zumindest visuell auf eine andere, manchen eventuell unangenehme Ebene (a’la SPARTACUS) zu hieven. Fast schon gravierender sind dieses Mal allerdings etwaige Andeutungen – wie etwa in einer Szene in einem Bordell, in der ein skrupelloser Rittersmann stets etwas am Alter der ihm offerierten Damen auszusetzen hat…

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Was genau diese Dame beabsichtigt, bleibt schleierhaft…

Es bleibt in jedem Fall spannend in und um GAME OF THRONES. Fans werden ohnehin einschalten, und im Gegensatz zu anderen Serien (Stichwort: UNDER THE DOME) wird es wohl weniger Zuschauer geben; die nach den ersten paar Staffeln abgesprungen sind und sich das Ganze nur noch zur Belustigung ansehen. Wenn es auch inhaltlich und atmosphärisch einstweilen wieder so zugeht wie in der ersten Staffel – dann steht einer bedenkenlosen Empfehlung nichts mehr im Weg. Die Frage wird aber auch sein, wie viele Staffeln es überhaupt geben wird – denn selbst ein Franchise wie dieses sollte irgendwann Gefahr laufen, sich abzunutzen. Bleibt zu hoffen, dass es erst gar nicht so weit kommt und die Macher rechtzeitig das Ruder rumreißen – und den Zuschauer bis dahin auch weiterhin mit vielen erstklassigen Folgen versorgen.

WEITERHIN POSITIVE Aspekte der fünften Staffel:
  • Stimmig-atmosphärische Gesamtoptik
  • Aufwendige Szenenaufbauten und Kostüme
  • Guter Soundtrack
  • Grandiose Darsteller
  • Packende Geschichte mit vielen kleinen Höhepunkten
  • Imposant-interessantes Charakter-Aufgebot
  • Interaktion von verschiedenen Handlungssträngen
  • Großer Abwechslungsreichtum in allen Belangen
  • Ungeschönte, aber verträgliche Darstellung von Sex und Gewalt
NEUE POSITIVE Aspekte der fünften Staffel:
  • Die einzelnen Geschichten / Schicksale werden wieder interessanter
  • Das Gefühl, dass alles auf einen großen Höhepunkt hinausläuft; wird präsenter
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In Zeiten des Krieges wären Bündnisse von Vorteil…
WEITERHIN NEGATIVE Aspekte der fünften Staffel:
  • Gefühlt: willkürliche Themengewichtung / Vernachlässigung potentiell spannender Haupt- und Nebengeschichten
ERSTMALS NEGATIVE Aspekte der fünften Staffel:
  • Geschichte des Stark-Gespanns im hohen Norden wird nicht weitererzählt
  • Etwas zu gewollter Spannungsbogen (Staffel-Auftakt eher langatmig, in den letzten Folgen überschlagen sich die Ereignisse)
  • Relativ enttäuschendes Finale
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Und hat der junge Tommen zu all dem zu sagen ?

Fazit: Die fünfte Staffel von GAME OF THRONES macht wie schon die vorherigen reichlich Spaß. Selten hat man eine Serie mit einem so hohen Unterhaltungswert erlebt: von der gelungenen Gestaltung über die interessanten Inhalte bis hin zu den gut ausgearbeiteten Figuren stimmt einfach alles. Der Action hätte es eventuell noch etwas mehr sein dürfen – doch man kennt es speziell von GAME OF THRONES, dass lange auf die entscheidenden Momente (die des öfteren auch mal eine größere Schlacht beinhalten) hingearbeitet wird. Ein kleiner Wermutstropfen aber bleibt: man kann sich nicht des Gefühls erwehren, dass die Macher nach wie vor nicht aus dem Vollen schöpfen. Das heißt, vornehmlich in erzählerischer Hinsicht – man will die Serie strecken, was an sich noch nicht allzu verwerflich ist. Dass man es aber in so gut wie jeder Folge merkt, dagegen schon eher. Es werden schlicht zu viele Informationen zurückhalten oder bewusst ausgespart, nur um den Zuschauer an die Serie zu binden. Sicher, das ist üblich und noch funktioniert es, beziehungsweise ist es erträglich – doch in Zukunft sollte man die wichtigen Ereignisse vielleicht doch etwas kompakter erzählen und etwas weniger Cliffhanger einbauen. Genug zu erzählen gibt es schließlich auch so…

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„Auch die fünfte Staffel kommt mit einigen inhaltlichen Enttäuschungen daher – doch überwiegen Spannung und Unterhaltungswert. Vom Sucht-Faktor der Serie erst gar nicht zu sprechen…“

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